Byron Ferguson: Become the Arrow

„Die Kunst des klassischen Bogenschießens“

Das Wichtigste – oder die Warnung – vorweg: Dies ist kein Lehrbuch des traditionellen, intuitiven, instinktiven, klassischen oder wie-auch-immer genannten Bogenschießens! Anfänger werden an dem Werk wahrscheinlich wenig Freude haben, erfahrene Bogenschützen hingegen erhalten viele nützliche Tipps und Anregungen, die dazu motivieren, den eigenen Schießstil und das regelmäßige Training einmal gründlich zu analysieren und zu überdenken.

Byron Ferguson: Become the Arrow. Meyer & Meyer 2017.

Byron Ferguson: Become the Arrow. Meyer & Meyer 2017.

Byron Ferguson ist einer der besten und (zumindest in den USA) bekanntesten traditionellen Bogenschützen der Gegenwart. In seiner Heimat tritt er regelmäßig in verschiedenen Fernsehsendungen wie „Stan Lee’s Superhumans“ auf. Seine wirklich beeindruckenden Fähigkeiten führt er außerdem auf diversen Messen sowie Benefiz- und anderen Veranstaltungen vor, gelegentlich auch in Europa. Auf bekannten Videoportalen im Internet finden sich zahlreiche Clips die ihn beim Zerteilen einer Spielkarte oder beim Treffen einer Aspirintablette zeigen. Weiterlesen

Kurse 2015

In unserem Einführungskurs intuitives Bogenschießen im Histotainment Park Adventon am Sonntag, den 6. September sind kurzfristig zwei Plätze frei geworden – die Chance für Schnellentschlossene!
Informationen zum Kurs finden sich hier, Auskunft & Buchung auch unter info@histofakt.de oder telefonisch: 06294. 427 14 75.

Ein weiterer Einführungskurs intuitives Bogenschießen findet am Samstag, den 12. September ebenfalls im Histotainment Park Adventon bei Osterburken statt. Auch hier sind noch Plätze frei, die erfahrungsgemäß sehr begehrt sind, also jetzt schnell anmelden!

Aufgrund zahlreicher Anfragen wird HistoFakt am Samstag, den 17. Oktober erstmals einen Grundkurs Pfeilbau veranstalten.
Fast jeder beliebige Stock mit einer Schnur daran lässt sich als primitiver Bogen verwenden. Die Herstellung eines guten Pfeils hingegen erfordert Kenntnisse und Erfahrung, die in diesem Kurs vermittelt werden.
Natürlich kann man Pfeile auch einfach kaufen. Doch gerade traditionelle Bogenschützen sind in der Regel Individualisten, die sich nicht mit anonymer Massenware zufriedengeben wollen. Zu Recht, denn ein mit den eigenen Händen gefertigter Pfeil ist etwas ganz besonderes. Seine Herstellung macht ebenso viel Spaß wie das Schießen damit, und nicht selten sorgen selbstgebaute Pfeile sogar für bessere Ergebnisse. Denn zum einen sind sie optimal auf den eigenen Bogen abgestimmt, und zum anderen wäre es doch wirklich schade, ein solches Stück durch einen Fehlschuss zu verlieren …

Im Kurs „Pfeilbau“ mit dem Historiker und Bogenschützen Jan H. Sachers M.A. werden drei Pfeile im „Mittelalter-Stil“ mit Holzschäften, gewickelter Befiederung und Stahlspitzen angefertigt sowie Wissenswertes über die physikalischen Grundlagen des Pfeilflugs vermittelt.
Im Preis sind 3 Holzschäfte, 9 Federn und 3 Pfeilspitzen („History-Points“) sowie Verbrauchsmaterialien enthalten. Bei der Buchung bitte gewünschten Spine-Wert bzw. Art und Zuggewicht des eigenen Bogens angeben (sofern vorhanden).

Kursinhalte:

  • Das Paradoxon des Bogenschießens
  • Was ist der Spine-Wert?
  • Materialkunde
  • Schaftbearbeitung
  • Self-Nocks ausarbeiten
  • Federn beschneiden, aufkleben und wickeln
  • Befestigung der Spitzen
  • Probeschießen

Teilnehmer:    4-8 Personen
Kursbeginn:    14 Uhr
Kursdauer:    ca. 4 h
Preis:        € 39,- pro Person

Veranstaltungsort: Histotainment Park Adventon, Marienhöhe 1, 74706 Osterburken

Anfragen & Buchung: info@histofakt.de oder 06294. 427 14 75

Alle Kurse von HistoFakt können von Gruppen ab 4 Personen auch zu individuellen Terminen gebucht werden, gerne auch bei Ihnen vor Ort.

 

Wiederentdeckung historischer Praktiken des (militärischen) Bogenschießens?

In den sozialen Netzwerken macht derzeit folgendes, mehr als 10 Millionen mal angesehenes (Stand: 25. Januar 2015) Video eines gewissen Lars Andersen die Runde, der sich nicht nur rühmt, mit gängigen Hollywood-Mythen und -Klischees über Pfeil und Bogen aufzuräumen, sondern auch die authentischen, historischen Praktiken des militärischen Bogenschießens wiederentdeckt, studiert und schließlich gemeistert, wenn nicht gar übertroffen zu haben:

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Fundstücke KW 30

Seit dem 11. Juli präsentiert das Museum Keltenwelt am Glauberg die Sonderausstellung „Von der Steinzeitjagd zum modernen Bogensport“. Die kleine, aber feine Schau, die von Archäologe und Bogenbauer Christian Schürmann ursprünglich für das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen konzipiert wurde, zeichnet anhand von zahlreichen rekonstruierten Bögen und Pfeilen sowie originalen Zielen, verschiedenem Zubehör, Bildern und Literatur die Entwicklung von Pfeil und Bogen in Europa nach.
Im Rahmen des Begleitprogramms werden im Herbst einzelne Aspekte dieser spannenden Geschichte in Form von Vorträgen vertieft. Meine Wenigkeit wurde eingeladen, am 13. November zum Thema „Pfeil und Bogen im antiken Griechenland“ zu referieren.
http://www.keltenwelt-glauberg.de/de/aktuelles/news/

Die Burgruine Eppenstein (12. Jh.) in der Steiermark wird seit fünf Jahren archäologisch untersucht, u.a. von Studierenden der Archäologie, die hier erste Praxiserfahrungen sammeln können. Nun ist dort das mit 1.650 Exemplare bislang größte Depot von Armbrustbolzen entdeckt worden, wie derstandard.at berichtet: http://derstandard.at/2000003391067/Groesstes-europaeischeArmbrustbolzen-Depot-inBurgruine-Eppenstein-entdeckt

Plakat Ritterturnier (c) Museum Allerheiligen/Schaffhausen (CH)

Plakat Ritterturnier (c) Museum Allerheiligen/Schaffhausen (CH)

In Schaffhausen (CH) fand vom 11. bis zum 20. Juli 2014 als Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Das Turnier: Geschichte einer Festkultur“ ein Ritterturnier statt, bei dem sich die internationalen Teilnehmer in minutiös rekonstruierten Rüstungen mit Lanzen mit Metalkronen im Tjost und verschiedenen anderen Dispziplinen maßen – nicht (nur) zur Show, sondern als ernstzunehmender sportlicher Wettkampf. Ich hätte gerne aus erster Hand berichtet, aber widrige Umstände verhinderten leider meine Anwesenheit. Daher hier nur einige Links zum Thema – für weitere Hinweise bin ich dankbar!

 

Und einige aus dem Publikum aufgenommene Videos:

Die offizielle Seite der Ritterspiele: http://www.allerheiligen.ch/component/content/article/43-uncategorised/387-ritterspiele-live

… und Informationen zur Ausstellung: http://allerheiligen.ch/de/wechsel-und-sonderausstellungen/375-ritterturnier-geschichte-einer-festkultur

 

Zum Training englischer Bogenschützen im Mittelalter

Am 1. Juni 1363 wies der englische König Edward III. seine Sheriffs an, einen Erlass bekannt zu machen,

„… dass jeder körperlich fähige Mann an Feiertagen [inkl. sonntags], wenn er Freizeit hat, den Umgang mit Bogen und Pfeil, Kugeln oder Bolzen pflegen und die Kunst des Schießens erlernen und üben soll, es zugleich verboten ist, bei Gefängnisstrafe dem Steinwurf, loggat [eine Art Kegelspiel], Wurfringspiel, Handball, Fußball, Schlägerball, cambuc, Hahnenkämpfen oder anderen eitlen Spielen ohne Wert beizuwohnen oder nachzugehen […]“

 

(„… that every able bodied man on feast days [including Sundays] when he has leisure shall in his sports use bows and arrows, pellets or bolts, and shall learn and practice the art of shooting, forbidding all and singular on pain of imprisonment to attend or meddle with hurling of stones, loggats, or quoits, handball, football, club ball, cambuc, cock fighting or other vain games of no value […]“)
[CCR Ed III 1363]

Das Statut sollte dazu dienen, den Nachschub fähiger Bogenschützen für die Feldzüge des Herrschers im Hundertjährigen Krieg mit Frankreich sicherzustellen. Bis ins 16. Jahrhundert folgten etliche solcher Erlasse, denn Bogenschützen stellten im Mittelalter stets einen großen und wichtigen Anteil englischer Heere.

Bogenschützen in der Schlacht von Crécy. Wenig realistische Darstellung aus dem 15. Jahrhundert.

Bogenschützen in der Schlacht von Crécy. Wenig realistische Darstellung aus dem 15. Jahrhundert.

Leider gingen weder Edward noch seine Nachfolger näher darauf ein, in welcher Weise das Training erfolgen sollte. Die Situation auf einem Schlachtfeld alles andere als ein friedlicher Sonntagnachmittag auf der Dorfwiese, und militärisches Bogenschießens erfordert wesentlich andere Fähigkeiten als das Schießen zum vergnügen oder im sportlichen Wettkampf auf Scheiben oder andere statische Ziele in festgelegter Entfernung.

Auch andere Textquellen geben nur sehr wenige Hinweise auf das Training der legendären englischen Bogenschützen des Mittelalters. Allerdings vermitteln einige zeitgenössische Abbildungen einen Eindruck davon, welche Disziplinen im 14. bis 16. Jahrhundert beliebt waren und praktiziert wurden. Zum Teil lassen sie eine direkte Ableitung aus der militärischen Praxis oder zumindest die Nützlichkeit einzelner Übungen für den Einsatz in der Feldschlacht, bei Belagerungen oder in Seegefechten erkennen.

Shooting at the butts

Die butts waren etwa mannshohe, künstlich aufgeschüttete und mit Grassoden bedeckte Erdhügel. Man fand sie in jedem Dorf, denn butt shooting war offenbar die beliebteste und am weitesten verbreitete Disziplin des Bogenschießens im mittelalterlichen England. In der Regel standen sich zwei butts im Abstand von einigen Dutzend yards gegenüber, so dass nach dem Ziehen der Pfeile in der entgegen gesetzten Richtung weiter geschossen werden konnte.

Bogenschützen beim "Shooting at the Butts" im Luttrell Psalter, ca. 1320/30.

Bogenschützen beim "Shooting at the Butts" im Luttrell Psalter, ca. 1320/30.

Zeitgenössischen Abbildungen wie dieser aus dem „Luttrell Psalter“ (um 1320-1330) zufolge kamen stumpfe Pfeile oder spezielle stumpfe Aufsätze zum Einsatz – wohl um zu verhindern, dass die Pfeile zu tief eindrangen.

Popinjay oder shooting at the bird

Pieter Brueghel der Ältere: Der Jahrmarkt zum St. Georgs-Tag. Hinten links wird auf den Vogel geschossen.

Pieter Brueghel der Ältere: Der Jahrmarkt zum St. Georgs-Tag. Hinten links wird auf den Vogel geschossen.

Das Vogelschießen wird erstmals in Homers „Ilias“ (um 800 v.u.Z.) erwähnt. Ursprünglich wurde auf lebende Vögel geschossen, später auf hölzerne Attrappen, die in großer Höhe – etwa auf einem Schiffsmast – befestigt waren. Die so trainierten Fähigkeiten waren ohne Zweifel bei Belagerungen und Seegefechten, wenn feindliche Schützen auf den Rahen oder im Krähennest beschossen werden mussten, sowie bei der Jagd von besonderem Nutzen.

Detail: Der Vogel ist an einer langen Stange auf der Windmühle befestigt.

Detail: Der Vogel ist an einer langen Stange auf der Windmühle befestigt.

Shooting at the marks

Die marks waren hölzerne Masten, die z.T. auf Sockeln aus Stein in einer weitläufigen Landschaft verteilt waren. Die Entfernungen waren unbekannt, und oft war die Sicht durch Hecken, Hügel oder ähnliche natürliche Hindernisse beeinträchtigt. Ziel war es, mit einem oder mehreren Pfeil so dicht wie möglich an das Ziel heranzukommen.

Diese Karte des Bogensportgeländes Finsbury Fields in London von 1594 zeigt mehr als 190 "marks".

Diese Karte des Bogensportgeländes Finsbury Fields in London von 1594 zeigt mehr als 190 "marks".

Clout shooting

Das clout (von engl. cloth = Tuch) war ein rundes Ziel von meist 18 Zoll Durchmesser mit einem Holzpflock in der Mitte. Es wurde in der Regel auf eine Entfernung von 240 yards beschossen. Ziel war es, so dicht wie möglich an das Ziel heranzukommen, wobei ein Treffer des prick genannten Pflocks Extrapunkte erzielte.
Wie beim shooting at the marks wurde hier vor allen Dingen das parabolische oder Artillerie-Schießen geübt, mit dem Einheiten von Bogenschützen in der Feldschlacht die gegnerischen Truppen begrüßten, oder bei Belagerungen Feinde auf oder hinter den Mauern bekämpft werden konnten.

Der englische König Henry VIII. beim Clout-Schießen (1520).

Der englische König Henry VIII. beim Clout-Schießen (1520).

Splitting the wand

„Das Spalten des Stabs“ war eine Disziplin, von der m.W. keine zeitgenössischen Darstellungen existieren. Es wird jedoch in Textquellen vereinzelt erwähnt oder angedeutet. Das Ziel bestand aus einem schmalen Pfosten oder Brett, etwa mannshoch, das aus unterschiedlichen Distanzen beschossen wurde. Die korrekte Einschätzung der Schussdistanz war hier weniger wichtig als ein sauberes Lösen des Pfeils und eine möglichst geringe seitliche Abweichung.
Die militärische Anwendung könnte im Schießen auf bzw. durch schmale Schießscharten im Falle einer Belagerung bestanden haben.

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Ein ausführlicherer Artikel zu diesem Thema wird im März 2014 in der englischen Zeitschrift „Bow International“ veröffentlicht.

Ab April 2014 biete ich Einführungskurse in das intuitive Bogenschießen mit einfachen Holzbögen. Je nach Gelände und Ausstattung können auf Wunsch auch einzelne dieser historischen Disziplinen praktiziert werden. Bei Interesse setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung.