Fundstücke KW 36

Ist die Sommerpause zu Ende? Oder ist die Vielzahl von Meldungen aus Geschichte und Archäologie in dieser Woche in Wahrheit ein Indiz für das (späte) Sommerloch?
Jedenfalls gibt es so allerhand zu vermelden:

Vor 350 Jahren zerstörte ein Großbrand weite Teile des mittelalterlichen London. Dieses Ereignisses wurde dieser Tage gedacht, u.a. mit dem Verbrennen eines gewaltigen Holzmodells der historischen Altstadt, worüber die Tagesschau berichtet.

Der Bierkonsum im Mittelalter ist auch immer wieder Stoff für Mythen: Sicherlich war er im Durchschnitt deutlich höher als heute, ab a) fließen in den errechneten pro-Kopf-Durchschnitt auch stets Säuglinge, Kranke, Abstinenzler, … mit ein, und b) wies das damalige Gebräu einen deutlich geringeren Alkoholgehalt auf als heute üblich. Daher sind die „1.000 Liter pro Kopf“ in diesem Beitrag der Welt mit einem Schluck gesunder Skepsis zu genießen.

Auch der Spiegel widmete sich diese Woche einem immer wieder beliebten Thema, nämlich Liebe, Sex & Zärtlichkeit im Mittelalter.

An dieser Stelle keine Witze über „Rohr verlegen“ – in Innsbruck sind Teile einer hölzernen Wasserleitung aus dem 16. Jahrhundert entdeckt worden, wie uns derstandard.at informiert.

Die Stuttgarter Zeitung schreibt über das Glasmuseum in Spiegelberg und die Geschichte der Glasherstellung im Schwäbisch-Fränkischen Wald.

Die Gründungsurkunde der Universität Würzburg ist nach 600 Jahren in modernes Hochdeutsch übersetzt worden, was die Süddeutsche Zeitung zum Anlass nimmt, die Geschichte der Gründung zu beleuchten.

Mudlarks“ („Schmutzfinken“) nennen sich die Mitglieder eines Vereins in London, die bei Ebbe im Matsch der Themse nach archäologischen Überresten buddeln, wie Die Zeit berichtet.

In Güglingen ist bei Bauarbeiten ein Skelett aus dem frühen Mittelalter gefunden worden. Weitere Untersuchungen erbringen hoffentlich nähere Erkenntnisse, den Stand der Dinge schildert die Heilbronner Stimme.

Herr Jablonski wies mich freundlicherweise darauf hin, dass Tschudis Wappenbuch schweizerischer und ausländischer Geschlechter nun online abrufbar ist.

„Als strenge Wissenschaftlerin würde sie nie das Wort Sensationsfund in den Mund nehmen …“

Danke, Frau Kretschmer, das ist erfreulich zu hören! Aber es ist andererseits auch kein alltägliches Fundgut, dass da bei Arbeiten an der ICE-Trasse bei Wendlingen zu Tage getreten ist: Es handelt sich nämlich um ein reich ausgestattetes, alamannisches Gräberfeld mit Waffen, Schmuck und vielem mehr als Grabbeigaben. Die Stuttgarter Zeitung weiß Einzelheiten.

Das Mittelalter – Der Blog hat diese Woche den Überblick zu Hygiene, Wohlgeruch, Körperpflege und -geruch im Mittelalter.
Siehe dazu auch den Beitrag zum Mythos von den angeblich so schlechten Zähnen der Menschen im Mittelalter hier.

Für das Video der Woche sollte man etwas Zeit mitbringen – 106 Minuten, um genau zu sein –, aber es lohnt sich!
In Prag wurde mit großem Aufwand und unzähligen Beteiligten die Kaiserkrönung Karls IV. von 1347 nachgestellt. Die Inszenierung war Teil des Karlsjahres zum 700. Geburtstag, das u.a. auch mit zahlreichen Ausstellungen und Aktivitäten in Prag und anderswo begangen wird. Ein sehr schöner Beleg dafür, was Geschichtsdarstellung leisten kann!

 

Fundstücke KW 26

Der Archäologe Ulrich Lehmann erhält für seine innovativen Forschungen zu westfälischen Schwertfunden den LWL-Preis für westfälische Landeskunde, meldet archaeologie-online.de.

Der Rezensionsüberblick Juni 2016 auf mittelalter.hypotheses.org.

Im Blog „der quatspreche“ schreibt Björn Schultz von mittelalter-entdecken.de über mittelalterliche Gebäude in Würzburg.
Auf seinem eigenen Blog widmet er sich der Geschichte von Verbrechen und Strafe vom frühen Mittelalter bis zur Frühen Neuzeit.

Nikolaus Hofbauer schreibt in seinem Blog „Neues aus der Gotik“ eine Reihe über das Wiener Wehrbürgertum im 14. Jahrhundert.

In meinem Beitrag „Waren Ritter wirklich so unbeweglich?“ der Reihe „Mittelalter-Mythen“ zitiere ich u.a. meinen Freund und Kollegen Daniel Jaquet. Der hat nun für die Seite medievalists.net einen schönen Beitrag über die Beweglichkeit in Rüstung verfasst, zu dem auch dieses wunderbare Video gehört:

Fundstücke KW 22

Ein Interview mit der Archäologin Ursula Quatember auf nachrichten.at.

Ein Blogbeitrag über den Historikertag und sein Motto „Glaubensfragen“.

Was ist, was kann, was soll „Open History“? Ein Diskussionsbeitrag beim histocamp.

Was sind, was können, was sollen „Digital Humanities“? Definitionsfragen und Praxisbeispiele aus der Geschichtswissenschaft im Blog des DHIP.

Dass der Interimsleiter des AFM Oerlinghausen Roeland Paaredekooper nicht nur das Museum einen riesigen Schritt nach vorne gebracht hat, sondern auch bei Geschichtsdarstellern für Begeisterung sorgte, dankten diese ihm mit einem Flashmob, über den die NW berichtet.

Im Blog curiositas dreht sich der aktuelle Beitrag um Heinrich den Löwen.

Die „Draken Harald Hårfagre“, ein norwegischer Nachbau eines WIkingerschiffes, hat erfolgreich den Atlantik überquert und Neufundland erreicht, worüber derstandard.at berichtet.

Hans-Peter Pökel und Torsten Wollina schreiben im TraFo-Blog über Sinn und Unsinn eines „islamischen“ Mittelalters.

kurz!-Geschichte widmet sich dem Elefanten Abu Abaz.

Im französischen Montcornelles soll eine Stadt des 14. Jahrhunderts errichtet werden. Die Website ist leider nur auf Französisch verfügbar, die Visualisierung des Projekts ist immerhin schon ganz hübsch anzusehen (s.u.). Bleibt zu hoffen, dass man im Jura bei der Umsetzung mit mehr Sachverstand zu Werke gehen wird als am Bodensee …

Digitale Visualisierung des Projekts Montcornelles.

Digitale Visualisierung des Projekts Montcornelles.

Fundstücke KW 21

Ein Beitrag über archäologische Ausgrabungen bei Kleinmachnow in den Potsdamer Neuesten Nachrichten.

„Digital History“ ist eines der großen aktuellen Modeschlagwörter der Geschichtswissenschaft. Urs Hafner hält sie (in der NZZ) für einen Irrweg.

Der Untergang der großen Reiche der Bronzezeit stellt Archäologen und Historiker noch immer vor ein Rätsel, ebenso wie die Identität der sogenannten „Seevölker“, die zuweilen für diese Entwicklung verantwortlich gemacht werden. Könnte es sich dabei um die „Luwier“ gehandelt haben? Urs Willmann stellt die Theorie in Die Zeit vor.

„Klimawandel“ ist ein weiteres Modethema der Geschichtsforschung und wird in jüngster Zeit gerne für alles Mögliche verantwortlich gemacht. So nun auch für den Abzug der Mongolen aus Ungarn im 13. Jahrhundert, wie eine neue Studie behauptet, die Der Standard vorstellt.

Auf kurz!-Geschichte schreibt der Historiker Max Emmanuel Frick über „Die Wundervölker des Ostens“, auf seinem eigenen Blog über „Die Jungfrau und das Einhorn auf dem Erfurter Einhornaltar“.

In Brandenburg hat ein ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in einem Spargelfeld einen Münzschatz aus dem Mittelalter gefunden, wie Der Focus berichtet.

Das Bild der Woche machte in den sozialen Medien die Runde und zeigt, dass moderne Technik frühmittelalterlicher Waffentechnik mitunter nicht gewachsen ist …

10 Jahre HistoFakt!

„HistoFakt wurde 2006 gegründet, um Unternehmen, Institutionen, Vereinen und Privatpersonen als kompetenter Partner in allen Fragen der Erforschung, Vermittlung und Darstellung von Geschichte zur Seite zu stehen.“

So steht es auf unserer Website zu lesen. Seit der Gründung sind inzwischen 10 Jahre vergangen. Die Aussage stimmt natürlich immer noch, doch unser Angebot hat sich in dieser Zeit erheblich verändert.
Redaktionelle Betreuung und Gestaltung von Buchveröffentlichungen, die in den Anfangsjahren noch einen nicht unerheblichen Teil der Aufträge ausmachten, spielen heute nur noch eine vergleichsweise untergeordnete Rolle – vermutlich auch, weil immer mehr Verlage inzwischen aus Kostengründen auf professoinelles Lektorat verzichten und insbesondere im geisteswissenschaftlichen Sektor immer häufiger den Autoren selbst die Gestaltung von Satz und Layout auferlegt wird.

Erheblich gestiegen ist dagegen die Nachfrage nach Transkription und/oder Übersetzung mittelalterlicher Urkunden. Manchmal ist ein bevorstehendes Ortsjubiläum der Anlass, zuweilen wird aber auch nach konkreten Informationen geforscht, etwa um den einstigen Standort abgegangener Gebäude zu lokalisieren. Insbesondere für Textquellen aus dem mittelniederdeutschen Sprachraum konnte sich HistoFakt in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf erwerben.

Jan H. Sachers M.A. mit Moderatorin Heike Greis am Set der SWR-Sendung "EpochenKochen: Wie die Ritter tafelten" (EA 25.12.2014). Foto: (c) Markus Siewert/maz&more.

Jan H. Sachers M.A. mit Moderatorin Heike Greis am Set der SWR-Sendung "EpochenKochen: Wie die Ritter tafelten" (EA 25.12.2014). Foto: (c) Markus Siewert/maz&more.

Kleinere und größere Rechercheaufträge machen nach wie vor einen nicht zu vernachlässigenden Teil des Alltagsgeschäfts aus. Die Auftraggeber reichen dabei von Privatpersonen über Fachkollegen und Ausstellungsmacher bis hin zu verschiedenen analogen und digitalen Medien.
Auch für das Fernsehen war HistoFakt in der Vergangenheit tätig. Erwähnenswert ist z.B. die SWR-Sendung „EpochenKochen“, für die Gründer und Inhaber Jan H. Sachers M.A. auch selbst als Experte vor der Kamera stand.

Seine Beiträge erscheinen außerdem seit Firmengründung in verschiedenen Fachpubilkationen wie „Karfunkel“ oder „Traditionell Bogenschießen“. Im G&S-Verlag wurden bislang drei Bücher unter Beteiligung von Jan H. Sachers veröffentlicht.

Publikumsaktivitäten

Die nachhaltigste Veränderung der Angebotspalette stellt jedoch ohne Frage die in den letzten 3 Jahren erfolgte stärkere Hinwendung zu Publikumsaktivitäten dar. Auf eine wachsende Nachfrage nach erlebbarer Geschichte und anderen Erlebnisangeboten reagierte HistoFakt 2014 erstmals mit der Durchführung von Einführungskursen in das traditionelle Bogenschießen im Histotainment Park Adventon bei Osterburken. Im Folgejahr wurde das Angebot erfolgreich um den Grundkurs Pfeilbau erweitert, und dank der Zusammenarbeit mit anderen Experten können inzwischen auch Kurse im historischen Fechten, mittelalterlichen Ringen und verschiedenen Handwerkstechniken angeboten werden.
Das Gleiche gilt für Mitmach-Aktionen für Erwachsene und Kinder wie Bogenschießen, Kerzengießen oder Feuerschlagen sowie für Vorführungen z.B. im historischen Fechten mit dem Langen Schwert.

Der Kurs "Einführung in das intuitive Bogenschießen" ist seit 2014 im Programm von HistoFakt.

Der Kurs "Einführung in das intuitive Bogenschießen" ist seit 2014 im Programm von HistoFakt.

Da von KursteilnehmerInnen immer wieder nach kompetenten, zuverlässigen Bezugsquellen für Material zum Pfeilbau, Zubehör zum Bogenschießen sowie Literatur zu Pfeil und Bogen, historischen Kampfkünsten und mittelalterlicher Geschichte gefragt wurde, bietet HistoFakt seit Anfang des Jahres selbst ein ausgewähltes Sortiment an, das in Zukunft kontinuierlich erweitert werden soll. Ein Webshop ist derzeit noch in Vorbereitung, ein Bestellformular kann unter http://shop.HistoFakt.de heruntergeladen werden.

In Zusammenarbeit mit erfahrenen Handwerkern übernimmt HistoFakt die Anfertigung von Rekonstruktionen historischer Objekte in Museumsqualität, von der Recherche bis zur Anwendung inkl. Dokumentation – vom Schmiedenagel bis zum kompletten Fachwerkhaus. Einzelne Stücke sollen künftig ebenfalls in das Verkaufssortiment aufgenommen werden.

Seit einiger Zeit ist auch eine verstärkte Nachfrage nach klassischen Vorträgen zu verzeichnen, vornehmlich zu Themen rund um die Geschichte von Pfeil und Bogen, aber auch zu historischem Handwerk oder Bauen im Mittelalter.

Blick in die Zukunft

Neben der Einrichtung eines Webshops ist für die nahe Zukunft in erster Linie der Ausbau des Kursprogramms geplant. Zudem soll die Zusammenarbeit mit Museen nd Sehenswürdigkeiten der Region intensiviert werden, z.B. in Form von Vorführungen und ähnlichen Programmpunkten, aber auch in der Konzeption und Umsetzung von Sonderausstellungen, Themenführungen u.ä. Neue Vortragsthemen befinden sich ebenfalls in Planung.

Selbstverständlich wird HistoFakt auch in den kommenden Jahren eine breite Palette an historischen Dienstleistungen anbieten und seinen Klienten und Auftraggebern als zuverlässiger und kompetener Partner in allen Fragen der Erforschung, Vermitlung und Darstellung von Geschichte zur Seite stehen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Die nächsten Termine

 

Fundstücke KW 18

Der LWL berichtet über den Abschluss der Grabungen auf dem Warburger Burgberg, die vielfältige Funde zutage förderte.

Über „Die runden Wappentafeln der Zünfte“ schreibt Jens Kremb auf heraldica. hypotheses.org.

Als „Teilchenbeschleuniger der Geschichte“ bezeichnet ein Artikel auf APA Science das Werkzeug der Netzwerkanalyse.

Wer war der Bamberger Reiter? fragt Florian Welle auf sueddeutsche.de.

Hiltibold veröffentlicht den zweiten Teil seines Intervies mit dem Archäologen Raimund Karl zum Streitthema Sondengänger.

Das Tiroler Blog vrouwe maere gibt Tips zur Recherche von mittelalterlichen Bildquellen im Internet.

Fokus Hndschrift, die informative Facebook-Seite zum mittelalterlichen Schrift- und Buchwesen, feierte diese Woche mehr als 5.000 Fans mit einem kurzen Video: „Die Spur der Hasen II“

(Teil I ist hier zu finden.)

Fundstücke KW 17

Lässt sich nach Rezepten aus dem alten Ägypten noch heute Bier brauen? Video eines Praxistests in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks.

Wurden frühmittelalterliche Krisen durch Vulkanausbrüche ausgelöst? derstandard.at berichtet über aktuelle Forschungsergebnisse.

Als „mit öffentlichen Geldern bezahlte Schädigung des Berufsstandes“ bezeichnet der Verband der Restauratoren eine neue Sendereihe des ZDF.

Die Wienischen Hantwercliute rezensieren ein Buch über mittelalterliche Frauenheilkunde, sie berühmte (und umstrittene) „Trotula“

Im Blog des LWL Landesmuseums berichten Herner Historiker über ihre Erfahrungen als Grabungshelfer am Paderborner Dom.

Isidor berichtet im Blog der Ottonenzeit über den 10. Heerbann in Berlin Brandenburg.

„Die Außenpolitik des Deutschen Ordens unter Hochmeister Konrad von Jungingen (1393-1407)“ – 1.000 Worte Forschung auf mittelalter.hypotheses.org.

Zum ewigen (?) Streit zwischen Sondengehern und Archäologen hat Hiltibold ein Interview mit dem Archäologen Raimund Karl geführt.

Und wer schon immer wissen wollte, wie Archäologen eigentlich an ihre Erkenntnisse gelangen – hier die Auflösung:

(c) DirkJan (www.dirkjan.nl)

(c) DirkJan (www.dirkjan.nl)

(Ja, OK, ich weiß auch, dass das hier eher ein Fall der Paläontologie als der Archäologie ist. Aber das Prinzip ist ähnlich. (Natürlich nicht! Ich mache nur Witze …))

Fundstücke KW 9

Im Alamannenmuseum Ellwangen fanden zum zweiten Mal die Tage der lebendigen Geschichte statt, worüber ostalb.net berichtet.

damals.de schreibt über die Untersuchung der Gewänder Heinrichs II. und seiner Frau Kunigunde in Bamberg.

Hiltibold erzählt die „grausliche Geschichte vom Blinden und dem Herrn von Châteauroux“.

kurz!-Geschichte widmet sich der Schädelchirurgie im Mittelalter.

Sensation! (Ohne den Superlativ kommt heutzutage keine Meldung aus der Archäologie mehr aus!)
In Innsbruck wurde bei Grabungsarbeiten eine mittelalterliche Brücke entdeckt, melden (u.a.) die Tiroler Tageszeitung, der ORF und derstandard.at.

Archäologie online schrieb diese Woche über den Würzburger Geschichtsprofessor Rainer Leng, der mit Online-Seminaren, Kurzvideos und anderen multimedialen Methoden die Geschichte des Mittelalters einem möglichst breiten Publikum auf spannende Weise näher zu bringen versucht.
Die Beiträge auf seinem YouTube-Kanal sind kurz, informativ, anregend und absolut zu empfehlen, wie z.B. diese hier zum Begriff des Mittelalters:

Alte Berufe und Familiennamen, Teil III

Zahlreiche alte, heute meist ausgestorbene Berufe haben ihre Spuren in Form von Familiennamen hinterlassen. Doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkenntlich, welches historische Gewerbe sich hinter dem Klingelschild des Nachbarn verbirgt.
Nach Teil I und Teil II hier nun die dritte Folge von Erläuterungen historischer Berufsbezeichnungen, die einem im Telefonbuch* begegnen können.

Armbruster waren diejenigen, die Armbruste herstellten, nicht die, welche sie benutzten. So wie auch Bogner keine Bogenschützen waren, sondern Hersteller von Bögen.

Als Pielsticker bezeichnete man im Norden Deutschlands die Hersteller von Pfeilen und Bolzen für Bogen und Armbrust. Eine ebenfalls norddeutsche Variante ist der Pilemaker, anderswo wurde das Gewerbe als Pfeilschäfter oder einfach Pfeil(e)macher bezeichnet. Im Englischen hießen sie Fletcher, was ebenfalls ein weit verbreiteter Nachname ist.
(Mehr zum pilestikker oder pilemaker gibt es hier.)

Reider stellten Messer- und Schwertgriffe her, montierten die Klingen und übernahmen manchmal auch das Schärfen, was andernfalls Aufgabe der Schwertfeger war. Die Bezeichnung Reider war vor allem im Bergischen Land (um das Klingenzentrum Solingen) verbreitet, aber auch andernorts belegt.
Der Reider hat jedenfalls nichts mit dem Reiter oder dem Reut(h)er zu tun. Über die unterschiedlichen Ursprünge dieser Namen gibt es einen interessanten kurzen Beitrag in „Die Welt“.

Wer das Krugrecht innehatte, also eine Gastwirtschaft betrieb, wurde im Norddeutschen als Krüger bezeichnet. Im Dialekt konnte er auch Kröger heißen. Die gleiche Bedeutung haben die Nachnamen Krug, Krüg, Krog, Krügel oder Krugmann.

Binder ist eine der zahlreichen Bezeichnung des Böttchers, Bötti(n)gers, Küfers, Büttners – also dessen, der Fässer herstellte. Die Vielzahl und weite Verbreitung der Namen verweist auf die Bedeutung, die Fässer als universales Verpackungs- und Transportmittel im Mittelalter hatte. Nicht alle waren mit Eisenringen eingefasst, häufiger wurden die Dauben mit Weiden- oder Haselnussruten zusammengebunden – daher die Bezeichnungen Binder, Fassbinder, Fassbender.

Die Bedeutung der Bezeichnung Büttel ist vielfältig. Im Mittelalter wurden so Gerichtsdiener, Amts- und Fronboten sowie alle Arten von niederen Exekutivbeamten bezeichnet, also z.B. Feld-, Forst- oder Weinberghüter.

Ein "bütel" mit Amtsstab und Schwert im Hausbuch der Mendelschen Zwöflbrüderstiftung (1429). Nürnberg, Stadtbibliothek Amb. 317.2° fol. 50r.

Ein "bütel" mit Amtsstab und Schwert im Hausbuch der Mendelschen Zwöflbrüderstiftung (1429). Nürnberg, Stadtbibliothek Amb. 317.2° fol. 50r.

Der Hafen bezeichnet in Österreich und Teilen Bayerns eine Schale oder Schüssel aus Keramik. (Der Nachthafen ist ein Nachttopf.) Der Töpfer ist daher in diesen Regionen als Hafner oder Häfner bekannt.
Da Hafner die Kacheln früher Kachelöfen anfertigten und diese zuweilen gleich selbst installierten, konnte auch ein Ofenbauer oder -setzer als Hafner bezeichnet werden.

Ebenfalls aus Österreich und Bayern stammt der Weinzierl, der anderswo als Winzer, Wingerter, Wengerter, Weingärtner, Weinbauer oder Weinmann bekannt ist – also als jemand, der Weinbau betreibt und einen Weinberg oder Wingert besitzt.

Die Reihe wird (bei Gelegenheit ganz bestimmt irgendwann) fortgesetzt!

* Gibt es überhaupt noch Telefonbücher? Früher waren das gedruckte Verzeichnisse mit den Namen und Telefonnummern aller Einwohner eines Ortes.