Fundstücke KW 6

Der Markt für Kunstwerke aus Gotik und Renaissance liegt darnieder: Die Preise sind im Keller, viele Werke lassen sich gar nicht mehr verkaufen, wie Die Zeit berichtet.
DIE Chance für alle Historiker, Kunsthistoriker, Dauervolontäre, Jahrespraktikanten und ähnliche Geringverdiener, die auch schon immer mal einen echten Altmeister über’m Sofa hängen haben wollten …
(Ungeachtet meines Spotts: Der Artikel ist durchaus lesenswert!)

Eine Wandmalerei aus Dura-Europos könnte die älteste Darstellung der Mutter Gottes enthalten. Auf den Artikel in der New York Times (auf Englisch) wurde ich durch J. Jablonski aufmerksam gemacht; vielen Dank dafür.

Das Middelalderzenteret im dänischen Nykøbing feiert in diesem Jahr sein 25jähriges Bestehen. Es sind zahlreiche Aktionen geplant, u.a. werden Reenaactment-Gruppen zu einer gemeinsamen Veranstaltung im Juli eingeladen.

Auf den inflationären Gebrauch von Begriffen wie „spektakulär“ und „Sensation“ im Zusammenhang mit archäologischen Funden (und die Gründe für ihre Verwendung) habe ich ja schon gelegentlich hingewiesen. Sollten sich die Vermutungen als richtig erweisen, wären sie in diesem Fall allerdings vollkommen berechtigt: Nach jahrelanger Suche könnten Hobbyarchäologen in Kärnten Noreia, die Hauptstadt des fast schon legendären keltischen Königreichs Noricum entdeckt haben, meldet die Kronenzeitung.

Und noch eine „spektakuläre Sensation“ aus der Archäologie: Die Entdeckung eines „Kriegergrabes“ aus dem frühen 7. Jahrhundert im baden-württembergischen Bissingen scheint DIE Nachricht der Woche gewesen zu sein – oder kommt es mir nur so vor, weil Andreas Gut vom Alamannenmuseum Ellwangen jeden verfügbaren Link zum Thema geteilt hat?
Hier jedenfalls schreibt die Stuttgarter Zeitung, hier die Meldung des SWR.
Mit germanischen Goldblattkreuzen hat sich Hiltibold bereits 2013 in einem Beitrag befasst.

Mehrere Wochen im Jahr erforschen ArchäologInnen und Studierende der Universität Zürich die Bergbaugeschichte im Hochgebirge des Oberhalbsteins (Graubünden/Schweiz). Über die Ausgrabungen wurde im vergangenen Jahr ein spannendes Video produziert, das sich leider nicht einbetten, sondern nur über diesen Link erreichen lässt.

Auf Kurz!-Geschichte schreibt Isabeau Kelm diese Woche über die Versklavung der Roma in Südosteuropa.

Gleich zwei interessante neue Beiträge gab es diese Woche bei den Wienischen Hantwercsliuten: Zur Bekleidung und Ausstattung einer Handwerkerfrau um 1350 und zur männlichen Unterkleidung.

Über das Blog der Ottonenzeit stieß ich auf das Blog Götterspeise, eine kulinarische Reise durch die Zeit. Lesenswert und appetitanregend!

Apropos historische Küche: Seit wann gibt es eigentlich Pizza? Und was ist das, was dieser Diener hier aufträgt? Fragen über Fragen …

Mittelalterliche Pizza? Italienische Malerei aus dem 15. Jahrhundert.

Mittelalterliche Pizza? Italienische Malerei aus dem 15. Jahrhundert.

Fundstücke KW 50

Die Darstellung von Geschichte im deutschen Fernsehen ist ein wenig erfreuliches Thema, dem ich mich in der Vergangenheit wiederholt gewidmet habe. Die ZDF-Sendung „Terra X“ ist dabei leider nicht immer auf positive Weise in Erscheinung getreten. Auch mit der Darstellung der Kelten in der für Anfang 2016 geplanten gleichnamingen Sendereihe scheint es wieder erhebliche Probleme zu geben. Ein Gespräch dazu mit Hans Trauner vom Naturhistorischen Museum Nürnberg auf ArchPhant.

Die taz hält bekanntlich nicht viel vom Krieg, aber sie hält viel von der gleichnamigen Ausstellung in Halle, die sie als „spannendes pazifistisches Manifest“ sieht.

Noch einmal ins Museum, dieses Mal aber virtuell: Dank Google Street View kann man jetzt das British Museum in London besuchn, ohne das heimische Sofa zu verlassen – ohne drängelnde Massen, quengelnde Kinder, lärmende Schulklassen, …

Museum zum Dritten: Das leidige Thema des Fotografierens, hier kommentiert von Klaus Graf auf archivalia.hypotheses.org.

Und noch eine Ausstellung: Die Staatliche Bibliothek Regensburg zeigt bis Ende Februar 2016 „Spektakel des Schreckens“. Rudolf Neumaier von der SZ hat’s gefallen.

Warum haben die Wikinger ihre Siedlungen in Grönland aufgegeben? Neueren Erkenntnissen zufolge lag’s wohl nicht am Klima, wie scinexx.de schreibt. (Dank an J. Schabacker für den Hinweis!)

Untger dem Frankfurter Dom befinden sich zwei Kindergräber aus der Merowingerzeit, welche Archäologen und Historiker vor einige Rätsel stellen. Peter-Philipp Schmitt berichtet in der FAZ.

Auch in der Rottenburger Sülchenkirche kommen interessante Funde von Frühmittelalter bis Barock zutage, wie das Tagblatt schreibt. (Dank an H. Jablonski für den Hinweis!)

Ein Stundenbuch in der Bibliothek des Smith College in Southampton könnte Burgunderherzog Philipp dem Guten gehört haben, sagt mssprovenance.blogspot.com (auf Englisch).

Northhampton, Smith College MS 288, fol 45r.

Northhampton, Smith College MS 288, fol 45r.

Fundstücke KW 19

Im Römerbergwerk Meurin ist diese Woche das Erlebnismuseum „Antike Technikwelt“ eröffnet worden. Dort sollen römisches Bauwesen und antike Technik nicht nur zu sehen sein, sondern auch angefasst, ausprobiert und erlebt werden, wie Archäologie Online schreibt.

Das Römermuseum Wien widmet sich einem wichtigen Aspekt der antiken Alltagsgeschichte: Wie die Römer ihre Wohnungen und Städte beleuchteten (derstandard.at).

Kürzlich habe ich ja schon einmal angemerkt, dass archäologische Entdeckungen in Zeiten sinkender Etats und gestrichener Fördergelder schnell mal als „Sensationsfunde“ angepriesen werden, um mediale und öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen und vielleicht doch noch den ein oder anderen Euro locker zu machen.
Nun, die Entdeckung einer keltischen Befestigungsanlage und möglicherweise einer Kultstätte bei Langenenslingen, über die die Südwest Presse berichtet, ist zumindest von erheblicher Bedeutung für die Landesarchäologie Baden-Württemberg und die Geschichte der Kelten in Deutschland.
Die Landesschau im SWR hat das zugehörige Video.

1.300 Jahre Geschichte illustrierter Handschriften in 200 Beispielen in 15 Minuten: Ein hübsches Video von „dmsgold“ (geteilt via Fokus Handschrift).