Dezember

Der Dezember ist der letzte Monat des Jahres. Bis 153 v.Chr. war er der zehnte, wie der Name andeutet (lat. decem = zehn). Wenn sich also in mittelalterlichen Urkunden die Datumsangabe „10ber“ oder „Xbris“ findet, ist damit nicht der Oktober gemeint. Auch die Bezeichnung Julmond kann für Verwirrung sorgen, denn sie bezieht sich auf das germanische Julfest zur Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember, nicht auf den siebten Monat des Kalenders. Weitere alte Namen sind Christmond oder Heilmonat, da Christus der Heilsbringer am 25. Dezember zur Welt kam.

Geburt Christi. Stundenbuch König Karls VIII., spätes 15. Jahrhundert. (Madrid, BNE  VITR/24/1, fol. 36r.)

Geburt Christi. Stundenbuch König Karls VIII., spätes 15. Jahrhundert. (Madrid, BNE VITR/24/1, fol. 36r.)

Die Evangelien sind allerdings sehr sparsam und ungenau in Datumsangaben, und so mussten die wichtigsten Ereignisse im Leben Jesu auf Umwegen erschlossen werden, womit sich verschiedene Kirchenväter auseinandergesetzt haben. Das frühe Christentum war stets mehr am Todesdatum des Herrn interessiert als an seinem Geburtstag, und noch heute nimmt das Osterfest im Kirchenjahr den höchsten Stellenwert ein. Im 4. Jahrhundert scheint sich jedoch der 25. Dezember als Termin für die Geburt Jesu durchgesetzt zu haben, wenngleich die Gründe, die zu dieser Festlegung geführt haben, bis heute nicht abschließend geklärt sind.
Von diesem Datum leiten sich jedoch weitere Feiertage ab, allen voran die Adventszeit (von lat. adventus domini = Ankunft des Herrn), die von Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert auf vier Sonntage und damit 22 bis 28 Tage vor dem Hochfest festgelegt wurde. Die Beschneidung des Herrn erfolgte nach jüdischem Ritus am achten Lebenstag, also dem 1. Januar. Die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige soll sich am 6. Januar ereignet haben (siehe Januar).

Die Adventszeit galt im Mittelalter noch als Buß- und Fastenzeit, Tanz und ausgelassene Feiern waren verboten. Mit dem Heiligen Abend begann dann die weihnachtliche Freudenzeit, die zwölf Tage, bis zum 6. Januar andauerte. Gefeiert wurde mit Festmählern und Tanzveranstaltungen sowie natürlich mit Messen und Andachten. Auch Krippen- und Weihnachtsspiele mit Laien und/oder Kindern wurden schon mindestens seit dem 10. Jahrhundert aufgeführt. Die Feierlichkeiten umfassten auch die Gedenktage der sogenannten „Begleiter Christi“, des hl. Stephan am 26. Dezember und Johannes‘ des Evangelisten am 27. Dezember sowie der unschuldigen Kinder am 28. Dezember, als an den Kindermord in Bethlehem erinnert wurde. An diesem Tag wurden auch aller im Lauf des Jahres gestorbenen Kinder mit Fürbitten und Messen gedacht.

Die Lebzelter hatten zu dieser Zeit Hochkonjunktur, denn zu den typischen Leckerein der Weihnachtszeit zählten bereits im Hoch- und Spätmittelalter Leb- und Honigkuchen sowie Bretzeln, Kipferl und ähnliche Süßigkeiten. Wann und wo genau der erste geschmückte Weihnachtsbaum aufgestellt wurde, ist umstritten. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts mehren sich jedoch Berichte über die Errichtung immergrüner Bäume in Ratsstuben, Zunfthäusern und bald auch Privathäusern. Der Schmuck bestand im Wesentlichen aus Zucker- und Backwerk, das die Kinder „pflücken“ durften; von Kerzen ist allerdings erst viel später die Rede.

Das Kornwunder, das den hl. Nikolaus zum Schutzpatron der Ernte machte. Teil eines Flügelaltars, um 1475 (St. Mariae, Mühlhausen, Thüringen. Quelle: Wikicommons, User: Friedrichsen.)

Das Kornwunder, das den hl. Nikolaus zum Schutzpatron der Ernte machte. Teil eines Flügelaltars, um 1475 (St. Mariae, Mühlhausen, Thüringen. Quelle: Wikicommons, User: Friedrichsen.)

In den Dezember fielen zahlreiche weitere Gedenktage. Das Todesdatum des hl. Nikolaus von Myra am 6. Dezember erfuhr mindestens seit dem 8. Jahrhundert, im deutschsprachigen Raum seit dem 10. Jahrhundert besondere Verehrung. Der Bischof galt u.a. als Schutzpatron der Kinder, wovon sich zahlreiche Bräuche ableiteten. So wurde vielerorts, besonders in Klosterschulen, ein Kinderbischof gewählt, der Predigten hielt und das Verhalten der Erwachsenen tadeln durfte.
Seit dem 9. Jahrhundert galt der 8. Dezember als Tag der Empfängnis Mariens, als die spätere Gottesmutter im Leib der hl. Anna auserwählt wurde. Trotz ihrer leiblichen Geburt blieb Maria daher von der Erbsünde unbefleckt, was in der lateinischen Bezeichnung immaculata conceptio („unbefleckte Empfängnis„) zum Ausdruck kommt.
In Schweden wurde der Festtag der hl. Lucia von Syrakus am 13. Dezember bereits im Mittelalter mit Lichterprozessionen und anderen Bräuchen gefeiert. Bis zur gregorianischen Kalenderreform fiel der Tag der Wintersonnenwende, also der kürzeste Tag des Jahres, auf dieses Datum.
Der letzte Tag des Jahres war dem hl. Silvester geweiht. Der 335 gestorbene Papst galt als Patron der Haustiere und der Futterernte, daher wurden ihm mancherorts Kerzen gestiftet oder Opfergaben dargebracht, um sich im neuen Jahr der Gesundheit des Viehs und reichen Ernteertrags zu versichern. Die Kirche feierte an diesem Tag allerdings den Vorabend des Festtags der heiligen Gottesmutter Maria.

Wildschweinjagd auf dem Dezember-Blatt im Großen Stundenbuch des Duc de Berry. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol 12r.)

Wildschweinjagd auf dem Dezember-Blatt im Großen Stundenbuch des Duc de Berry. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol 12r.)

Zwar hatten bereits die Römer 153 v.Chr. den Jahresbeginn auf den 1. Januar verlegt. Doch hielten sich in verschiedenen Regionen noch bis ins 13. Jahrhundert verschiedene Daten für den Jahresanfang, z.B. der 1. März oder der astronomische Frühlingsbeginn zur Tag-und Nachtgleiche am 20./21. März. Das Kirchenjahr wiederum begann mit der Vesper zum Vorabend des ersten Adventssonntags.

"Mit wursten und mit praten / will ich mein haws peraten. Also hat das iar ain endt / got uns sein genad sendt.". Kalenderblatt , um 1475 (Wien, ÖNB, Cod. 3085, fol 11r.)

Schlachten im Dezember: "Mit wursten und mit praten / will ich mein haws peraten. Also hat das iar ain endt / got uns sein genad sendt.". Kalenderblatt , um 1475 (Wien, ÖNB, Cod. 3085, fol 11r.)

Freilich wurde im Dezember nicht nur gefastet und gefeiert, sondern auch gearbeitet. Baustellen allerdings wurden winterfest gemacht und ruhten bis zum Frühjahr, allenfalls wurden noch frisch gefällte Bäume zu Balken gehauen. Das Schlagen von Brenn- und auch von Bauholz erfolgte vornehmlich zu Beginn des Monats, Klaubholzsammler sammelten tote Äste und Zweige. Vieh wurde geschlachtet, um es nicht den ganzen Winter über durchfüttern zu müssen. Das Fleisch wurde zu Wurst und Schinken verarbeitet, in Salz eingelegt und vor allem geräuchert. Der Adel vergnügte sich mit der Jagd auf Wildschweine sowie Reh- und Rotwild.
Schlachten und Saujagd sind die beliebtesten Motive der Kalenderblätter in spätmittelalterlichen Stundenbüchern. Simon Bening hingegen zeigt eine wohlhabende Festgesellschaft, und in einem französischen Kalender von 1541 ist eine Bäckerei zu sehen, in der offenbar Krapfen oder andere kleine, runde und vermutlich süße Gebäckstücke hergestellt werden.
Schnee hingegen ist auf den Dezember-Bildern niemals zu sehen. Die „weiße Weihnacht“ ist eine moderne Wunschvorstellung, über die man im Mittelalter nur verständnislos den Kopf geschüttelt hätte.

Arbeit in der Backstube: Der Dezember im Le Grant Kalendrier et Compost des Bergiers 1541.

Arbeit in der Backstube: Der Dezember im Le Grant Kalendrier et Compost des Bergiers 1541.

Alle Folgen des mittelalterlichen Jahreslaufs.

November

„Der Neunte“ (von lat. novem = neun) ist seit 153 v.Chr. der elfte Monat des Jahres. Die Schreibweisen 9ber oder IXbris finden sich zuweilen in mittelalterlichen Urkunden und können für Verwirrung sorgen. Windmonat oder Nebelmond sind alte Bezeichnungen, die  sofort einleuchten, wenn man dieser Jahreszeit morgens oder abends aus dem Fenster blickt.
Zuweilen war auch der Name „Schlachtmond“ gebräuchlich. Allerdings diente der November in weiten Teilen Deutschlands noch der Schweinemast, mit dem Schlachten wurde meist erst gegen Ende des Monats oder Anfang Dezember begonnen. Zur Mast wurden die Schweine in den Wald getrieben, um sich an Eicheln, Bucheckern und Kastanien vollzufressen. Noch heute lassen sich ehemalige Hutewälder an ihrem Bestand alter Eichen und Buchen erkennen. Eine natürliche Waldverjüngung wurde erschwert oder verhindert, da junge Pflanzen beschädigt oder abgefressen wurden. Die Waldmast führte auch nicht selten zu Konflikten mit anderen Formen der Waldnutzung wie dem Holzeinschlag oder der Jagd.

Schweinemast im November: Playfair Book of Hours, spätes 15. Jh. (London, Victoria & Albert Museum, Ms. L.475-1918, fol. 11r.)

Schweinemast im November: Playfair Book of Hours, spätes 15. Jh. (London, Victoria & Albert Museum, Ms. L.475-1918, fol. 11r.)

Die Eichelmast findet sich auch bevorzugt auf spätmittelalterlichen Monatsbildern dargestellt. Ein weiteres beliebtes Motiv war die Jagd: Neben Rotwild wurde nun vor allem Wildschweinen nachgestellt. Der Adel befriedigte so nicht nur sein Verlangen nach Vergnügen und Sport, sondern füllte auch seine Vorratskammern. Auch Teile der Landbevölkerung, denen die Jagd (zumindst auf Hochwild) eigentlich untersagt war, dürften noch einmal verstärkt heimlich auf die Pirsch gegangen sein, um die Fleischversorgung während des Winters zu sichern.
Die Diskussion, wie groß der Anteil von Wildbret an der Ernährung des mittelalterlichen Adels gewesen ist, wird in der Geschichtswissenschaft seit Jahrzehnten sehr kontrovers geführt. Dass z.B. auf Burgen nur sehr wenige Wildknochen gefunden wurden – insbesondere im Vergleich zu Hausschwein und Geflügel –, ist allerdings dadurch zu erklären, dass die erlegte Strecke in der Regel gleich vor Ort aufgebrochen wurde. Innereien und minderwertige Teile wurden an die Hunde verfüttert, besondere Stücke als Geschenke an die Jagdgäste verteilt, das übrige Fleisch möglichst ohne die schweren Kochen nach Hause transportiert. Dieses Vorgehen ist in zahlreichen Romanen, Epen und anderen Erzählungen des Mittelalters gut dokumentiert.

Das Fleisch wurde durch pökeln und räuchern haltbar gemacht, um die Versorgung während des Winters sicherzustellen. Auch andere Lebensmittel wurden auf verschiedene Weisen konserviert. Sauerkraut etwa war seit der Antike bekannt und fand um 1270 in der Dichtung „Meier Helmbrecht“ von Wernher dem Gartenaere Erwähnung. Auch andere Gartenerzeugnisse konnten sauer eingelegt werden, Obst wurde eingelagert, Milch zu Käse und Butter verarbeitet. Das Anlegen von Vorräten war im November eine der wichtigsten Tätigkeiten aller Bevölkerungsschichten. Dazu zählte auch das Sammeln von Brennholz, das neben der Jagd, der Schweinemast und dem Dreschen des letzten Sommerkorns auf dem Monatsbild in einem flämischen Stundenbuch von Simon Bening zu sehen ist.

Der November in einem flämischen Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. (München, StB, cod. lat. 23638, fol. 12v.)

Der November in einem flämischen Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. (München, StB, cod. lat. 23638, fol. 12v.)

Das kirchliche Hochfest Allerheiligen wurde Anfang des 7. Jahrhunderts in der Westkirche eingeführt und im 9. Jahrhundert auf den 1. November verlegt. An diesem Tag wurde aller Heiligen und Märtyrer gedacht, denen kein eigener Festtag gewidmet war, sowie jener, um deren Heiligkeit niemand wisse außer Gott.
Der Feiertag Allerseelen am 2. November wurde 998 durch Odilo von Cluny für alle kluniazensischen Klöster eingeführt. Von dort aus verbreitete er sich in den folgenden Jahrhunderten über die gesamte katholische Kirche. Durch Gebete, Fürbitten und Almosen sollte die Zeit der verstorbenen Seelen im Fegefeuer verkürzt werden. Die Gräber wurden gesegnet und mit Kerzen oder Laternen geschmückt, damit das Licht des wahren Glaubens die Dunkelheit vertreibe und den Seelen den rechten Weg weise.

Der hl. Martin teilt seinen Mantel. Gemäldes des Meisters von Uttenheim, um 1475. (Adelaide, Art Gallery of South Australia.)

Der hl. Martin teilt seinen Mantel. Gemäldes des Meisters von Uttenheim, um 1475. (Adelaide, Art Gallery of South Australia.)

Der Festtag des hl. Martin von Tours ist vom Datum seiner Grablege am 11. November 397 abgeleitet. Dem Tag kam im Mittelalter in mehrfacher Hinsicht große Bedeutung zu: Zum Einen war es der letzte Tag vor der 40 Tage währenden vorweihnachtlichen Fastenzeit, es konnte also ein letztes Mal ausgiebig geschlemmt werden – zumindest in den Häusern der Wohlhabenden. Auf der weltlichen Ebene wiederum war am Martinstag traditionell der Zehnt fällig, insbesondere der Gänsezehnt, damit die Gänse noch rechtzeitig geschlachtet werden konnten und nicht den Winter über gefüttert werden mussten. Die Martinsgans hat sich also vermutlich aus einer Mischung dieser beiden Traditionen entwickelt.
Pacht- und Dienstverhältnisse endeten nicht selten am 11. November, der als Abschluss des Bauernjahrs galt. Auch Zinsen wurden oft zu Martini fällig.

Eine der beliebtesten Heiligen des Mittelalters war Katharina von Alexandrien, deren Festtag am 25. November begangen wurde. Der Legende nach war sie als Märtyrerin auf einem mit Stacheln gespickten Rad gefoltert und anschließend enthauptet worden. Sie zählte zu den 14 Nothelfern und galt als Beschützerin der Mädchen, Jungfrauen und Ehefrauen sowie als Schutzpatronin der Philosophen, Theologen, Gelehrten, Lehrer, Studenten, Anwälte und Notare, der Wagner, Müller, Töpfer, Gerber, Spinner, Tuchhändler, Seiler, Schiffer, Buchdrucker, Schuhmacher und Näher. Zahlreiche Zünfte hielten daher zu ihrem Festtag Prozessionen, Gottesdienste und Festmähler ab.

Die Adventszeit (von lat. adventus = Ankunft) wurde von Papst Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert auf die vier Sonntage und damit 22 bis 28 Tage vor Weihnachten festgelegt. Der früheste Termin für den ersten Adventssonntag war somit der 27. November.

Alle bisherigen Beiträge der Reihe „Mittelalterlicher Jahreslauf“.

Oktober

Wie schon der September verweist auch der Oktober mit seinem Namen auf die alte römische Zählweise, die das Jahr mit dem März beginnen ließ. Entsprechend war der mens october der achte Monat (lat. octo = acht), was sich mitunter in historischen Datumsangaben niederschlägt: 8ber, VIIIbris oder 8bris bezeichnen den Oktober, und nicht, wie man meinen könnte, den August.

Im Mittelalter war der Oktober vornehmlich als Weinmond bekannt, seltener ist seine Bezeichnung als Gilbhart, aufgrund der Vergilbung des Laubs (ahd. hart = viel).
In den Weinbaugebieten, die im Mittelalter noch ausgedehnter waren als heute, waren nun Weinlese und Keltern in vollem Gange. Die roten und blauen Trauben reifen schneller und konnten oft schon Ende September geerntet werden, die weißen profitierten von sonnigen Tagen Anfang Oktober.
Die Weinlese war sehr personalintensiv, insbesondere auf den großen Weingütern wohlhabender Klöster kamen zahlreiche saisonale HIlfskräfte beiderlei Geschlechts und auch Kinder zum Einsatz. Die geernteten Trauben wurden mit den Füßen in großen Bottichen gestampft und in Spindelpressen ausgepresst, der so gewonnene Traubensaft dann in Fässern mit wilder oder zugesetzter Hefe zu Most und Wein vergoren.

"Herbst": Weinlese in einer illustrierten Handschrift des Tacuinum Sanitatis, um 1390. Wien, ÖNB, cod. vindob. Series nova 2644, fol. 54v.

"Herbst": Weinlese in einer illustrierten Handschrift des Tacuinum Sanitatis, um 1390. Wien, ÖNB, cod. vindob. Series nova 2644, fol. 54v.

Wein wurde über weite Strecken gehandelt. Traubensorten wurden noch nicht unterschieden, wohl aber Lagebezeichnungen. Besonders guten Ruf genossen Weine aus dem Elsass, daneben waren Rhein- und Moselwein beliebt. Aus Bordeaux, der Champagne, Italien und Griechenland wurden Weine importiert, deren hohe Preise nicht immer unbedingt ihrer Qualität entsprochen haben müssen – sie waren vor allem Prestigegetränke. Doch auch entlang der Ostseeküste und sogar in England wurde bis zum Ende der mittelalterlichen Warmzeit Wein angebaut.

Neben der Weinproduktion stand im Oktober vor allem die Bearbeitung des Winterfeldes im landwirtschaftlichen Kalender. Mit der Egge wurden die Schollen aufgebrochen, die Krume zerkleinert und die Erde so zur Aufnahme der Saat vorbereitet. Als Wintergetreide wurden vornehmlich Weizen, Roggen und Gerste gesät. Durch die lange Vegetationsperiode von Oktober bis Juli waren die Erträge in der Regel höher als jene des Sommergetreides.

Eggen des Feldes, säen des Wintergetreides und Vertreiben der Saatkrähen: Der Oktober im "Breviarium Grimani", um 1510. (Venedig, Biblioteca Marciana, fol. 11v.)

Eggen des Feldes, säen des Wintergetreides und Vertreiben der Saatkrähen: Der Oktober im "Breviarium Grimani", um 1510. (Venedig, Biblioteca Marciana, fol. 11v.)

Gegen Ende des Monats begann vielerorts die Eichelmast. Die Schweine wurden in den Wald getrieben, um sich dort von Eicheln, Bucheckern und anderen Waldfrüchten zu ernähren, ehe sie vor dem Einsetzen des Winters geschlachtet wurden. Das übrige Vieh wurde im Laufe des Monats von der Weide geholt und in die Ställe gebracht, geschlachtet oder verkauft.
Der Oktober war zudem ein beliebter Monat für die herrschaftliche Jagd auf Rot-, Reh- und Schwarzwild sowie auf Enten und anderes Federwild. Unter Jägern war der Oktober auch als Dachsmond bekannt. Die Herbstjagden dienten gleichermaßen dem adeligen Vergnügen wie der Anlage von Fleischvorräten für den Winter. Sehr wahrscheinlich füllten auch einfachere Landbewohner nun noch einmal ihre Vorratskammern mit Wildbret, auch wenn dies nicht immer und überall legal war.

In einem anderen Stundenbuch wählte Simon Bening ein ungewöhnliche Motiv für den Oktober: Verkauf von Wein und Transport von Weinfässern im Hafen von Brügge. (München, StB, cod. lat. 23638, fol. 11v.)

In einem anderen Stundenbuch wählte Simon Bening ein ungewöhnliche Motiv für den Oktober: Weinhandel und Transport von Weinfässern im Hafen von Brügge. (München, StB, cod. lat. 23638, fol. 11v.)

Verschiedentlich wurden Anfang Oktober Erntedankfeste und Kirchweihen abgehalten. Der 18. Oktober war der Festtag des Evangelisten Lukas, des Schutzpatrons der Ärzte, Metzger und Maler, die diesen Tag daher vielerorts mit Prozessionen, Gottesdiensten und Zunftmählern begingen.
Der Tag der Heiligen Crispinus und Crispianus am 25. Oktober erlangte im 15. Jahrhundert in England Bedeutung, nachdem Heinrich V. 1415 ein zahlenmäßig überlegenes Heer der Franzosen in der Schlacht von Agincourt besiegt hatte.
Der 28. Oktober war der Gedenktag der Heiligen Simon Zelotes (Patron der Gerber, Färber, Lederer und Holzfäller) und Judas Thaddäus.

September

Der September ist der erste Monat des Jahres, der nicht nach einer Gottheit bekannt ist. Stattdessen deutet seine Bezeichnung auf die alte römische Zählung hin, die bis 153 v.u.Z. in Gebrauch war und das Jahr mit dem März beginnen ließ. Der September (lat. septem = sieben) war demnach der siebente Monat der Jahres, was in manchen mittelalterlichen Urkunden und Briefen seinen Niederschlag gefunden hat, wo zuweilen „7bris“, „VIIbris“ oder „7ber“ als Datierung zu lesen ist.
Alte deutschsprachige Namen lauten z.B. Holting oder Holzmond, Weinmonat oder Scheiding, da es nun heißt, vom Sommer Abschied zu nehmen. Um den 22. September herum fällt das Herbstäquinoktium, die Tag-und-Nacht-Gleiche: Die Sonne geht genau im Osten auf und im Westen unter, Tag- und Nachtphase sind exakt gleich lang, und wenn auch nicht der meteorologische, so doch immerhin der astronomische Herbst ist damit eingeläutet.
Im Mittelalter wurde dieses Ereignis mancherorts mit Stroh- oder Feldfeuern gefeiert, denn spätestens jetzt sollten die Felder abgeerntet und das Getreide gedroschen sein. Nicht selten wurden im September auch die ersten Erntedankfeiern abgehalten.

Das Ende des Sommers bedeutete jedoch keineswegs das Ende der Feldarbeit: Der September war vor allen Dingen die Zeit der Obsternte und der Weinlese. Beide Arbeiten mussten innerhalb eines recht engen Zeitrahmens erledigt werden, solange das Wetter hielt und bevor die Früchte am Baum, am Boden oder am Stock verfaulten, von Würmern, Raupen und Vögeln vernichtet wurden etc.

Kirschernte, Tacuinum Sanitatis, 14. Jahrhundert. Rom, Biblioteca Casanatense 4182, fol. 7.

Kirschernte, Tacuinum Sanitatis, 14. Jahrhundert. Rom, Biblioteca Casanatense 4182, fol. 7.

Insbesondere Äpfel und Birnen, daneben Pflaumen, Mispeln, Quitten, Erdbeeren und Kirschen wurden mindestens seit karolingischer Zeit systematisch angebaut. In der mittelalterlichen Küche spielten Obst eine gewichtige Rolle, sehr wahrscheinlich auch bei den „einfachen Leuten“, wenngleich sich das aufgrund fehlender Quellen nicht zweifelsfrei belegen lässt. Gerade während der Fastenzeiten dürften Früchte eine willkommene Ergänzung des kargen Speiseplans dargestellt haben.
Ihre Verderblichkeit erforderte allerdings entweder die sofortige Verarbeitung oder angemessene Konservierung. Äpfel und Birnen wurden vornehmlich gedörrt, im hohen und späten Mittelalter wurde Dörrobst in großen Mengen über den Rhein verschifft. Als Latwerge mit Honig, später auch Zucker eingelegt, war Obst eine beliebte Süßspeise als Dessert oder zum Naschen bei denen, die es sich leisten konnten. Ein gewisser Anteil wurde ohne Frage zu Saft, Most und Fruchtwein verarbeitet, doch auch darüber lassen sich aus Mangel an Quellen leider keine präzisen Aussagen treffen.

September: Weinlese in einem Psalter von ca. 1180. (Den Haag, Königliche Bibliothek, 76 F 13, fol. 9v.)

September: Weinlese in einem Psalter von ca. 1180. (Den Haag, Königliche Bibliothek, 76 F 13, fol. 9v.)

Wein wurde während der Warmphase des Mittelalters auch in Gegenden angebaut, die dafür heute nicht mehr geeignet erscheinen, z.B. in Südengland oder entlang der Ostseeküste – vielleicht spielten auch geringere Ansprüche an die Qualität eine Rolle. 
Die Weinlese war überaus personalintensiv, so dass vielerorts wandernde Lohnarbeiter (und -arbeiterinnen) als Hilfskräfte eingesetzt wurden. Die Trauben mussten von Hand geerntet, in Bütten zur Kelter transportiert und dort mit den Füßen gestampft werden. Diese Arbeiten sind bevorzugt auf den Kalenderblättern für September in den spätmittelalterlichen Stundenbüchern dargestellt.

Weinlese in den herzöglichen Weingärten: Der September im Großen Stundenbuch des Duc de Berry, 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol. 9v.

Weinlese in den herzöglichen Weingärten: Der September im Großen Stundenbuch des Duc de Berry, 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol. 9v.

Darüber hinaus begann im September der Holzschlag. Holz wurde im Mittelalter nicht nur in großen Mengen als Baumaterial benötigt – für Gebäude, Boote und Schiffe, Wagen, Brücken, Kräne, Belagerungsgerät etc. –, sondern auch zur Herstellung von Möbeln, Werkzeugen, Dachschindeln, Fässern, Eimern, Bütten und Wannen, für Zäune und Palisaden, als Rebpfähle im Weinbau, als Brennmaterial beim Kochen, Backen, Brauen, Färben, Salzsieden, zum Heizen, zur Erzeugung von Holzkohle und zahlreiche weitere Zwecke.
Das Holz wurde bevorzugt frisch verarbeitet, da insbesondere Harthölzern wie Eiche und Buche im getrockneten Zustand mit Handwerkzeugen nur schwer beizukommen ist. Ein großer Teil des wertvollen Bauholzes wurde im Spätmittelalter in den Höhenlagen von Schwarzwald, Thüringer und Bayerischer Wald, auf der Schwäbischen Alb, am Alpenrand und anderen Mittelgebirgen geschlagen, da die Vorräte im Flachland allmählich zur Neige gingen und herrschaftliche Jagdrechte vielerorts den Holzeinschlag verhinderten. Die Stämme mussten dann vor der Frostperiode die Flüsse entlang geflößt und getreidelt werden, um rechtzeitig zu ihrem Bestimmungsort zu gelangen.

Statt des üblichen September-Motivs der Weinlese zeigt Simon Bening im 16. Jahrhundert das Eggen, Pflügen und Säen des Wintergetreides. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 10v.

Statt des üblichen September-Motivs der Weinlese zeigt Simon Bening im 16. Jahrhundert das Eggen, Pflügen und Säen des Wintergetreides. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 10v.

Am 8. September wurde Mariä Geburt gefeiert, oft verbunden mit Dankritualen für die (hoffentlich) erfolgreiche Ernte. So wurden z.B. die letzten eingebrachten Feldfrüchte an diesem Tag zur Kirche gebracht und vom Priester gesegnet. Mancherorts wurden Strohpuppen angefertigt, die zunächst die Festtafel schmückten, ehe sie feierlich verbrannt wurden.
Das Fest der Kreuzerhöhung am 14. September wurde in vielen Gegenden, insbesondere natürlich in Heilig-Kreuz-Kirchen, mit Gottesdiensten und Prozessionen gefeiert. Auch an diesem Tag wurde auf verschiedene Weise für die (hoffentlich) reiche Ernte gedankt.
Der Tag des Apostels Matthäus am 21. September fiel mit dem Äquinoktium zusammen, das zuweilen mit alten, auf heidnischen Bräuchen beruhenden Zeremonien zur Verabschiedung des Sommers begangen wurde, etwa mit Stroh- oder Feldfeuern, Feldumgängen u.ä., verbunden mit der Bitte um einen milden Winter und eine erneute reiche Ernte im kommenden Jahr.
Dem Erzengel Michael, dem Bezwinger Satans, wurde in vielen Teilen Europas besondere Verehrung zuteil. In Deutschland galt er seit dem Sieg Ottos über die Ungarn auf dem Lechfeld 955 als „Nationalpatron“. Sein Festtag am 29. September war jedoch auch in anderer Hinsicht von Bedeutung: In vielen Herrschaften und Städten wurden Steuern und Abgaben fällig, außerdem endete an diesem Tag die Heringssaison vor Schonen, die am 25. Juli begonnen hatte.
Vor allem jedoch galt Michaelis in vielen Regionen als Beginn der Brausaison: Bis zu St. Georg am 23. April durfte und konnte nun wieder Bier gebraut werden. Wer noch unverdorbene Vorräte besaß, sorgte dafür, dass Fässer und Keller leer wurden, damit sie mit dem frischen Bier gefüllt werden konnten. Manch Einer, der während des Sommers Zurückhaltung geübt (oder im Frühjahr gewaltige Vorräte angesammelt) hatte, dürfte daher den Beginn des Oktobers mit einem ordentlichen Vollrausch erlebt haben …

August

Kaiser Augustus war Namenspate für den achten Monat des Jahres, der bis 153 v.u.Z. noch der sechste war, weswegen die nachfolgenden Monate auch „der Siebte“ (September), „der Achte“ (Oktober) etc. heißen.

Alte deutsche Bezeichnungen lauten Erntemond, Ährenmonat oder Sichelmonat. Sie verweisen auf die wichtigste landwirtschaftliche Tätigkeit des Monats: Während im Juli das Wintergetreide geerntet wurde, war nun das Sommergetreide fällig. Überwiegend handelte es sich um Weizen und Dinkel sowie Roggen, also die typischen Brotgetreide. Die Ernte erfolgte mit der Sichel, damit möglichst wenig reifes Korn aus den Ähren fiel.
Anschließend musste das Getreide mit Dreschflegeln gedroschen und durch Worfeln die Spreu vom Weizen getrennt werden. Zur Ernte, Weiterverarbeitung und Lagerung musste das Korn unbedingt trocken sein, so dass oft nur ein kurzer Zeitraum zur Verfügung stand, in dem die gesamte Ernte eines Dorfes eingebracht werden musste. Daher waren alle Dorfbewohner an der Arbeit beteiligt, auf großen Hofgütern wurden zuweilen Tagelöhner als Erntehelfer eingesetzt.

Aufseher und Hörige bei der Getreideernte: Der August im Queen Mary Psalter, um 1310. (London, British Library, Ms. Royal 2. B. VII, fol. 78v.)

Aufseher und Hörige bei der Getreideernte: Der August im Queen Mary Psalter, um 1310. (London, British Library, Ms. Royal 2. B. VII, fol. 78v.)

Getreideernte oder Dreschen finden sich häufig auf Monatsbildern dargestellt. Daneben dominiert ein Bildmotiv, das der adeligen Lebenswelt entnommen ist: Im August begann nach dem Ende der Brut- und Aufzuchtphase die Saison der Beizjagd, der warme und meist trockene Monat war ein beliebter Zeitpunkt für Gesellschaftsjagden, wie sie z.B. im Stundenbuch des Duc de Berry zu sehen ist. Im Hintergrund zeigt die Abbildung weiterhin Bauern beim Binden von Garben und Menschen beim Schwimmen im See – ob zum Vergnügen oder um sich nach der schweren Arbeit Schweiß und Staub vom Körper zu waschen, mag dahingestellt bleiben.

Der August in den "Très riches heures du Duc de Berry", ca. 1412-16. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol. 8v.)

Der August in den "Très riches heures du Duc de Berry", ca. 1412-16. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol. 8v.)

Wie der Juli ist auch der August arm an kirchlichen Hochfesten, doch einige Tage hatten immerhin besondere religiöse Bedeutung. Der 1. August hieß „St. Petrus ad Vincula“ und erinnerte an die Wunder, die durch die Ketten gewirkt worden waren, mit denen der hl. Petrus vor seiner Kreuzigung in Rom gefesselt gewesen war.
Dominikus, der Gründer des Dominikanerordens, wurde 1264 heiliggesprochen und sein Gedenktag auf dem 8. August festgesetzt. Begangen wurde dieser Tag vornehmlich in den Klöstern seines Ordens, Gedenken fanden auch in anderen Kirchen statt.
Der hl. Laurentius galt im Mittelalter als Schutzpatron zahlreicher Berufe, die mit Feuer zu tun hatten, etwa der Bäcker und Bierbrauer, da er auf einem glühenden Eisenrost als Märtyrer gefoltert worden war. Sein Gedenktag ist der 10. August, der Tag, an dem 955 Kaiser Otto die Ungarn auf dem Lechfeld besiegte. Dieses Sieges wurde in Augsburg am Laurentiustag gedacht, außerdem war der Heilige Schutzpatron von Nürnberg, Wuppertal, Duderstadt und anderen Städten, in denen ebenso wie in den zahlreichen ihm geweihten Kirchen Messen stattfanden.

Maria wird von Engeln in den Himmel getragen. Absolon Stumme, um 1499. (Warschau, Polnisches Nationalmuseum.)

Maria wird von Engeln in den Himmel getragen. Absolon Stumme, um 1499. (Warschau, Polnisches Nationalmuseum.)

Vnser lieben frawn tag der schidung [Scheidung = des Abschieds] bezeichnet in mittelalterlichen Urkunden den Tag der Aufnahme Mariens in den Himmel (Assumptio Beatae Mariae Virginis), heute meist „Mariä Himmelfahrt“ genannt. Das einzige katholische Hochfest des Monats wurde insbesondere im Süden Deutschlands am 15. August mit Messen, Prozessionen und Kräutersegen begangen. An diesem Tag war außerdem vielerorts der jährliche Gänsezehnt fällig, damit die Vögel bis zur Schlachtung noch drei Monate lang gemästet werden konnten.

Der Tag des hl. Bartholomäus am 24. August galt den Bauern traditionell als Ende des Sommers. Bis zu diesem Termin musste die Ernte eingebracht sein, damit die Felder aufbereitet werden und die neue Aussaat beginnen konnten. Um den „Bartheltag“ liegen insbesondere in Süddeutschland zahlreiche Volks-, Dorf- und Kirchweihfeste, mit denen die (hoffentlich) ertragreiche Getreideernte und das Ende der heißen Jahreszeit begangen wurden.
Der Bartholomäustag galt als Lostag, d.h. das Wetter am 24. August entschied angeblich über den Verlauf von Herbst und Winter. Für die Fischer markierte er das Ende der Laichzeit und den Beginn der neuen Fangsaison, die Schäfer hielten am Tag ihres Patrons Gottesdienste ab, andere Traditionen wie der Schäferlauf sind jüngeren Ursprungs.
Der Bartholomäustag war vierlorts der Stichtag für Geldzins auf Eier und Getriede, außerdem wurden oft Pachtzahlungen fällig.

Der Festtag des hl. Augustinus von Hippo am 28. August hingegen hatte für weite Teile der Bevölkerung nur geringe Bedeutung. Die Kirche jedoch, insbesondere die Angehörigen des von ihm gegründeten Augustinerordens, gedachten des Ordensgründers, Bischofs und Kirchenvaters, dessen Ansichten und Lehren über die Dreieinigkeit Gottes, die göttliche Weltordnung, die Unsterblichkeit der Seele und viele weitere theologische Fragen im Mittelalter allgemeine Lehrmeinung waren. Insbesondere Augustinus‘ Verständnis von der Rolle der Kirche als unverzichtbarer Mittlerin zwischen Gott und den Menschen wurde von dieser natürlich eifrig verbreitet und u.a. zur Legitimation der Autorität von Konzilien herangezogen.

Die bisherigen Folgen der Reihe „Mittelalterlicher Jahreslauf“.

 

Juli

Der Juli trägt seinen Namen seit 44 v.u.Z. nach dem römischen Kaiser Gaius Julius Caesar, auf den die sogenannte julianische Kalenderreform zurückzuführen ist. Der siebente Monat des Jahres ist in Mitteleuropa der heißeste und in der Landwirtschaft traditionell der arbeitsreichste.

Die alte deutsche Bezeichnung „Heumond“ deutet auf eine der wichtigsten Tätigkeiten hin: Wenngleich bei entsprechendem Wetter die Heumahd zuweilen auch bereits im Juni erfolgen konnte, galt sie doch als typische Aufgabe für den Juli, in dem allerdings noch zahlreiche andere Arbeiten anfielen.

Heumahd mit der Sense. Miniatur aus einem Psalter des 15. Jahrhunderts.

Heumahd mit der Sense. Miniatur aus einem Psalter des 15. Jahrhunderts.

Die Heumahd erfolgte mit der Sense. In der Regel wurde das gemähte Gras zunächst möglichst großflächig ausgebreitet, um in der Sonne zu trocknen, abends dann zu sogenannten Nachtschwaden zusammen gerecht, am nächsten Morgen wieder verteilt und dabei immer wieder gewendet. Dieser Vorgang musste bei trockenem Wetter über mehrere Tage wiederholt werden.
Alternativ zur Bodentrocknung konnte das Heu auf Gestelle geschichtet werden, die regional als Reiden/Reiten/Reuten, Diemen, Hocken, Heinzen o.ä. bezeichnet wurden. Darauf war die Gefahr der Fäulnisbildung geringer, insbesondere bei Regenfällen. Das getrocknete Heu wurde schließlich als Viehfutter für den Winter auf Handkarren oder Fuhrwerke geladen und in die Scheune verfrachtet.

Zudem war im Juli auch die Schafschur fällig, mit der allerdings ebenfalls oft bereits im Juni oder sogar schon im Mai begonnen wurde.

Als zweifellos wichtigste Aufgabe stand jedoch die Ernte des Wintergetreides an. Waren die Ähren reif, blieb nur ein recht kleiner Zeitraum, in dem die gesamte Ernte eingebracht werden musste. Daher war es üblich, dass die gesamte Dorfgemeinschaft zusammen arbeitete und der Reihe nach alle Felder abgearbeitet gemeinsam wurden.

Getreideernte mit der Handsichel und der Löwe als Symbol des Sternbilds. 15. Jahrhundert.

Getreideernte mit der Handsichel und der Löwe als Symbol des Sternbilds. 15. Jahrhundert.

Die Getreideernte erfolgte mit der Handsichel. Mit der Sense ließen sich zwar größere Flächen schneller umlegen, doch fielen dabei viele Körner aus ihren Hüllen und gingen verloren. Da der Ertrag meist nur das drei- bis vierfache der Aussaat betrug, konnten solche Verluste nicht in Kauf genommen werden.
Die geschnittenen Halme wurden zu Garben gebunden und zunächst auf große Haufen geschichtet, dann mit dem Fuhrwerk in die Scheune gebracht. Auf dem Dreschboden wurden die Halme ausgebreitet und durch schlagen mit dem Dreschflegel die Körner herausgelöst. Dann musste das Stroh abgesiebt werden, das zum Dachdecken, als Bau- und Dämmmaterial oder als Winterstreu für die Tierställe genutzt wurde.
Beim anschließenden Worfeln wurden Spreu und Körner getrennt, indem beide mit flachen Sieben oder Korbschalen in die Luft geworfen wurden, wobei der Wind die leichteren Bestandteile davontrug. Vom so gewonnenn Korn musste meist ungefähr ein Drittel als Aussaat für das nächste Jahr aufbewahrt werden. Ein Teil ging als Getreidezehnt an den Grundherrn, der vielerorts traditionell am Tag der hl. Margarete (13. Juli) fällig war.

Getreideernte und Schafschur: Monatsbild Juli im Breviarium Grimani , um 1510. Venedig, Biblioteca Marciana.

Getreideernte und Schafschur: Monatsbild Juli im Breviarium Grimani , um 1510. Venedig, Biblioteca Marciana.

Der 4. Juli war dem hl. Ulrich von Augsburg geweiht. Er galt als Patron der Reisenden, Wanderer, Fischer, Weber, Winzer und der Sterbenden sowie der Stadt und des Bistums Augsburg. Der hl. Kilian war ein irischer Missionar, dessen Gedenktag am 8. Juli begangen wurde, insbesondere in Franken und im Bistum Würzburg. Die Bauernregel „Kilian, der heil’ge Mann, stellt die ersten Schnitter an“ verweist auf den Beginn der Getreideernte zu diesem Termin.
Der heiligen Maria Magdalena wurde am 22. Juli gedacht. Alle drei Heilige waren Patrone zahlreicher Kirchen und Klöster, so dass die Wochen um ihre Gedenktage häufig mit Kirchweihfesten einhergingen. Das gilt auch für das Fest des hl. Jakobus am 25. Juli.

Der 25. Juli markierte zudem als Tag des hl. Christophorus seit dem 13. Jahrhundert den Beginn der Heringssaison vor Schonen. Bis zum 29. September wurde nun vor der Südspitze Schwedens nach Heringen gefischt, die dort an Land gebracht und sofort verarbeitet wurden. Die ansonsten wenig besiedelte Region war daher vorübergehend mit einer Vielzahl fremder Fischer und Seeleute, Seiler oder Reepschläger, Schiffszimmerer, Segelmacher, Böttcher, Teersieder, Schuhmacher, Gastwirte, Händler und Huren besiedelt, was nicht immer konfliktfrei ablief.

Einlegen von Heringen. Holzschnitt, 16. Jahrhundert.

Einlegen von Heringen. Holzschnitt, 16. Jahrhundert.

Der vor Schonen gefangene Hering wurde ausgenommen, mindestens zwei Wochen lang in Salzlake gelagert und dann zwischen Salzschichten in Fässer verpackt. Die mit einem Brandzeichen als Qualitätsmerkmal versehenen Tonnen wurden bis nach Spanien und Italien gehandelt. Dieser Fernhandel begründete im 13. Jahrhundert den Aufstieg und Reichtum der Hanse.
Schonischer Hering war nicht billig und alles andere als ein „Arme-Leute-Essen“. Doch Ende des 15. Jahrhunderts waren die Bestände allmählich erschöpft, und so gewann der billigere Nordseehering zunehmend an Bedeutung, die er bis heute bewahrt hat.

Alle bisherigen Folgen der Reihe „Mittelalterlicher Jahreslauf„.

Juni

Juno, die römische Götin der Ehe und Gattin Jupiters, lieh dem sechsten Monat des Jahres ihren Namen. Im Mittelalter war er vornehmlich als Brachmond bekannt.

Im Juni wurde das Brachfeld aufbereitet. In der mittelalterlichen Dreifelderwirtschaft wurde stets je ein Teil des Ackerlandes zum Anbau von Sommer- und von Wintergetreide genutzt, ein dritter Teil blieb brach, damit sich der Boden erholen konnte. Dieser wurde im Juni umgepflügt und so von Unkraut befreit, das beim Verrotten nun wieder Nährstoffe an den Boden zurückgab.
Auf spätmittelalterlichen Monatsbildern aus Frankreich und Italien ist als typische landwirtschaftliche Tätigkeit im Juni jedoch meist die Heumahd dargestellt. Diese erfolgte nicht wie beim Getreide mit der Sichel, sondern mit der Sense. Die Ernte wurde zu Haufen aufgeschichtet, dann mitunter auf erhöhte Gestelle unter Dach zum Trocknen ausgebreitet, damit sich keine Fäulnis bilden konnte, und diente schließlich als Winterfutter.
Im deutschsprachigen Raum galt jedoch der Juli als Heumonat.

Daneben finden sich mitunter Darstellungen der Schafschur, die allerdings auch abhängig von den Wetterbedingungen bereits im Mai beginnen konnte.

Schafschur: Der Juni in einem Stundenbuch von Simon Fleming, 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 7v.

Schafschur: Der Juni in einem Stundenbuch von Simon Fleming, 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 7v.

 

Die beweglichen Kirchenfeste Pfingsten und Fronleichnam, in seltenen Fällen auch Christi Himmelfahrt konnten in den Juni fallen (siehe Mai).
Fronleichnam wurde 1264 von Papst Urban IV. durch eine Bulle zum Hochfest der gesamten Kirche erhoben. Als Termin wurde der fünfte Wochentag nach der Pfingstoktav (der 60. Tag nach dem Ostersonntag) festgelegt. Das Fest fällt also immer auf einen Donnerstag zwischen dem 21. Mai und dem 24 Juni.
Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich zurück, gefeiert wurde die leibliche Gegenwart Christi in der Eucharistie. Neben Messen mit speziellen Hymnenzyklen wurden seit dem späten 13. Jahrhundert vielerorts auch Prozessionen begangen.

Die Sommersonnenwende, der Tag des Sonnenhöchststands fällt auf der Nordhalbkugel auf den 20., 21. oder 22. Juni. Mittsommerfeste gehen wahrscheinlich auf frühgeschichtliche Praktiken zurück und wurden vor allem in Skandinavien und im Baltikum begangen. Doch auch im deutschsprachigen Raum wurde die kürzeste Nacht des Jahres vielerorts mit ausgelassenen Feiern und Tanz ums Sonnwendfeuer gefeiert.
Die Kirche bemühte sich, die Feierlichkeiten in einen christlichen Mantel zu hüllen, indem sie sie mit dem Johannistag verband: Zum Hochfest Johannes des Täufers am 24. Juni wurden ebenfalls Feuer entzündet, die das Licht und die Wärme symbolisieren sollten, das Christus in die Welt gebracht habe. „Mit Feuer und mit Geist“ werde Christus die Menschen taufen, verkündet Johannes im Matthäusevangelium (Mt 3,11). Das Johannisfeuer sollte Dämonan abwehren, mancherorts wurde auch symbolisch eine Strohpuppe den Flammen übergeben. Zudem schmückte man sein Haus mit grünen Zweigen.

Zu Johannis wurde auch der Zehnt, insbesondere der Fleischzehnt fällig. Mancherorts galt der Termin auch als Beginn für die Heumahd, zudem begann um diesen Zeitpunkt das im April gesäte Sommergetreide seine Reifeperiode.

Heumahd im Juni. Stundenbuch der Johanna von Kastilien (Brügge, ca. 1496-1506). London, British LIbrary, MS Add. 18852, fol. 6v-7r.

Heumahd im Juni. Stundenbuch der Johanna von Kastilien (Brügge, ca. 1496-1506). London, British LIbrary, MS Add. 18852, fol. 6v-7r.

Ein weiterer kirchlicher Feiertag war der Gedenktag der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni. Simon Petrus und Paulus von Tarsus galten als Schutzpatrone zahlreicher Handwerker, u.a. der Metzger, Töpfer, Maurer, Glaser, Weber, Walker, Fischer etc., deren Zünfte diesen Tag vielerorts mit Messen, zuweilen auch Prozessionen und Festmählern begingen.

Alle bisherigen Monate des mittelalterlichen Jahreslaufs.


 

Mai

Der mens maius war ursprünglich der dritte, seit der julianischen Reform der fünfte Monat des römischen Kalenders. Benannt ist er wahrscheinlich nach der römischen Göttin Maia, doch so ganz sicher war man sich da bereits in der Antike nicht mehr – der Name könnte sich auch von den Altvorderen, den maiores ableiten.
Im Mittelalter war der Mai auch unter anderen Bezeichnungen bekannt. Karl der Große benannte ihn im 8. Jahrhundert als wunnimanot, neuhochdeutsch eigentlich „Weidemonat“, doch ging diese Bedeutung im Zuge der Sprachveränderung verloren und daraus wurde der „Wonnemonat“ im noch heute bekannten Sinn. Wiesen-, Blumen- oder Blühemond waren weitere Namen, die sich auf das Erwachen und Erblühen der Natur bezogen.

Der „Mayen“ war des Minnesängers größte Freudenzeit: In unzähligen Liedern werden die Vertreibung des Winters, die Rückkehr der vogellîn und die Farbenpracht der bluomen besungen. So dichtete z.B. Konrad von Altstetten:

„Der sumer hât den meien
froelich vür gesant,
der sol fröide heien
und daz er si erkant,
wan er vertriben was.
ir kint, ir sint niht laz,
ir brüevent in, er bringt iuch bluomen unde gras. […]“

(„Der Sommer hat den Mai fröhlich vorausgesandt, damit er Freude pflanzt und auch damit der Sommer wiedererkannt wird, der zuvor vertrieben war. Ihr Kinder, ihr seid nicht träge, ihr erkennt ihn, er bringt euch Blumen und Gras.“)
[Vollständiger Text und ein weiteres Maigedicht aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift hier.]

Variante der Maifahrt: Bootstour junger Leute mit Musik inmitten grüner Landschaft. Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 6v.

Variante der Maifahrt: Bootstour junger Leute mit Musik inmitten grüner Landschaft. Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 6v.

Das gleiche Thema greifen auch die meisten Monatsbilder der mittelalterlichen Stundenbücher auf. Es dominieren grüne, üppig blühende Landschaften, in denen farbenfroh gekleidete Menschen zu Pferd oder beim Picknick die milden Temperaturen in der Natur genießen. Die Personifikation des Mai ist meist ein junger, hübscher Bursche, der auf einem Schimmel reitend einen symbolischen Blumenstrauß in die Welt trägt (wenngleich ein Fresco in Sta. Maria del Castello in Mesocco, Kanton Graubünden bereits den April in dieser Weise darstellt – im Süden begann der Frühling eben etwas früher).

Im Mai begann auch wieder die Reisezeit, die Wege waren wieder trocken und begehbar, die Saison der Pilgerfahrten begann. Kaufleute machten sich auf den Weg zu den großen Messen und Märkten, wo die ersten landwirtschaftlichen Produkte des Frühlings und die über den Winter angefertigten Handwerkserzeugnisse, allen voran Wolltuche gehandelt wurden.
Wie der Name „Weidemonat“ schon andeutet, wurde nun das Vieh auf die Weiden getrieben, außerdem standen umfangreiche Gartenarbeiten an. Insbesondere Hülsenfrüchte mussten gesät werden, zudem brachte das Erwachen der Natur auch eine Menge Unkraut mit sich.

Ein junges Paar reitet zur Falkenjagd: Darstellung des Monats Mai in einer Wandmalerei der Kirche Sta. Maria del Castello, 13. Jh.

Ein junges Paar reitet zur Falkenjagd: Darstellung des Monats Mai in einer Wandmalerei der Kirche Sta. Maria del Castello, 13. Jh.

Der Beginn des Wonnemonats wurde vielerorts mit Prozessionen, Umritten, Umgängen und verschiedenen Feierlichkeiten begangen, die in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert sind. Dazu zählen auch die Errichtung von Maibäumen, deren Ursprung in germanischen Fruchtbarkeitsriten umstritten ist, und der Tanz in den Mai.
Traditionell überreichten junge Burschen ihrer Auserwählten am 1. Mai ein Zeichen ihrer Zuneigung in Form eines Blumenstrauß‘, Blumenkranzes oder geschmückten Schößlings (meist einer Birke). Mancherorts war es Brauch, unter den unverheirateten Mädchen eine Maikönigin zu wählen.
In der Zeit zunehmender Marienverehrung seit dem späten Hochmittelalter wurde der Mai von der Kirche zum „Marienmond“ erklärt und die Gottesmutter mit der „himmlischen Maikönigin“ gleichgesetzt. Die auf diese Tradition gegründeten Maiandachten wurden jedoch erst zur Zeit des Barock populär.

Der 1. Mai war auch der Tag der Heiligsprechung der aus England stammenden Äbtissin und Missionarin Walburga (ca. 710-779/80), die zunächst in Tauberbischofsheim, später in Heidenheim wirkte. Daher ist der Vorabend ihres Feiertags auch als „Walpurgisnacht“ bekannt, doch deren Verbindung mit dem „Hexensabbat“ auf dem Blocksberg ist neuzeitlichen Ursprungs. Ihr Gedenktag wurde später auf dem 25. Februar, das mutmaßliche Datum ihres Todes verlegt.

Das Fest der Aufnahme Christi in den Himmel wurde (und wird) 40 Tage nach dem Ostersonntag begangen, also stets an einem Donnerstag zwischen dem 30. April und dem 3. Juni. An den drei Bitttagen vor Christi Himmelfahrt wurde mit Prozessionen und Feldumgängen für eine gute Ernte gebetet.
Mit Pfingsten am 50. Tag nach Ostern (frühestens 10. Mai, spätestens 13. Juni) endet der Osterfestkreis. Gefeiert wurde die Entsendung des Heiligen Geistes, die mit dem Missionsauftrag an die Jünger verbunden war. Auch an Pfingsten waren im Mittelalter vielerorts Prozessionen, Umritte, Feldumgänge und verschiedene Fruchtbarkeitsrituale verbreitet.

Die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Hortus Delicarum der Herrad von Landsberg, um 1180.

Die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Hortus Delicarum der Herrad von Landsberg, um 1180.

Ein wichtiger Termin war außerdem der Tag des hl. Urban am 25. Mai, an dem üblicherweise der Obst- und Weinzehnt fällig war. Der Lämmerzehnt musste meist am Tag der hl. Walburga geleistet werden. Als sogenannte Eisheilige galten die Tage vom 11. bis zum 15. Mai, an denen der volkstümlichen Überlieferung zufolge noch einmal mit Frostnächten zu rechnen sei.

Alle bisherigen Monate des mittelalterlichen Jahreslaufs.


 

April

Während die meisten Monate nach römischen Gottheiten benannt sind (z.B. Januar, März) oder auf ihre ehemalige Rangfolge im Jahreslauf verweisen (z.B. September – der Siebte, Oktober – der Achte etc.), ist der Ursprung des Namens „April“ ungeklärt. Ein Bezug zur Liebesgöttin Aphrodite erscheint unwahrscheinlich, da deren römischer Name Venus lautete. Möglich ist eine Verbindung zum lateinischen Verb aperire, öffnen und damit zum Aufblühen der Natur, doch wäre eine solche Bezeichnung die Ausnahme im römischen Kalender.

Personifikation des April, Wandmalerei in Sta. Maria del Castello (Mesocco, Kanton Graubünden, Schweiz), um 1560.

Personifikation des April, Wandmalerei in Sta. Maria del Castello (Mesocco, Kanton Graubünden, Schweiz), um 1560.

Nicht durchsetzen konnte sich der von Karl dem Großen eingeführte Name „Ostermond“. Der Ostersonntag als Tag der Auferstehung Christi war und ist der wichtigste Feiertag des Christentums. Sein Termin war 325 auf dem Konzil von Nicäa auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt worden und liegt daher zwischen dem 22. März und dem 25. April, das Osterfest fällt also in den meisten Jahren in den vierten Monat des Jahres. An Ostern endete die vierzigtägige Fastenzeit und begann die fünfzigtägige österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten andauerte (siehe auch März).

Wenngleich das Wetter im April bekanntlich noch recht unbeständig sein kann („April, April, der macht, was er will“), erwacht in diesem Monat die Natur und lockt die Menschen endgültig wieder vor die Tür. Darauf bezieht sich der alte Monatsname „Wandelmond“: Er hat nichts mit der Verwandlung zu tun, sondern mit dem Wandeln, also Spazierengehen im Freien. Mittelalterliche Monatsbilder insbesondere aus Italien und Frankreich zeigen häufig wohlgekleidete Damen und Herren, die sich im Grünen ergehen oder ein Picknick abhalten. Ebenfalls recht häufig dargestellt werden Lämmer, die meist zu Beginn des Monats zur Welt kommen.

Auf den grünen Teppich, der nun nach und nach wieder die Brachflächen bedeckte, bezieht sich der alte Name „Grasmond“. Das Vieh konnte allmählich wieder auf die Weide getrieben werden. Weitere typische landwirtschaftliche Tätigkeiten umfassten das Beschneiden und Pfopfen der Weinreben, Beschnitt der Obstbäume und Ausbringen von Dung, der sich über den Winter im Stall angesammelt hatte. Ferner wurde der Nutzgarten gejätet und die ersten Gemüsesorten gepflanzt.
Wenn nicht schon im März, so konnte spätestens im April der Baubetrieb wieder aufgenommen werden. Das im Herbst geschlagene Holz war über den Winter zu Pfosten und Balken gehauen worden und konnte nun zugerichtet und auf der Baustelle zu einem Pfosten- oder Ständerbau zusamengefügt werden. Auch Maurerarbeiten waren wieder möglich, der frostempfindliche Kalkmörtel ließ sich bei den wärmeren Temperaturen gefahrlos verarbeiten.

Reiche Paare ergehen sich in der erwachenden Natur. Aus einem fläm. Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh.

Reiche Paare ergehen sich in der erwachenden Natur. Aus einem fläm. Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh.

Ein wichtiger Feier- und Gedenktag des Monats war der Tag des hl. Georg am 23. April. Der Märtyrer zählte zu den 14 Nothelfern, galt als Schutzpatron zahlreicher Berufe (u.a. Bauern, Böttcher, Sattler, Schmiede), Adelsfamilien, Städte, Ritterorden, Schützengesellschaften und Länder. Besonders ausgeprägt war seine Verehrung in England, wo er 1222 zum Nationalheiligen erhoben wurde.
Auch im deutschsprachigen Raum fanden am Georgstag zahlreiche Kirchweih- und andere Feste statt, oft verbunden mit Prozesionen oder Umritten. In mittelalterlichen Verträgen ist oft die Rückzahlung von Krediten oder Zinsen auf diesen Tag datiert. Außerdem endete am Georgstag die Brausaison, bis zu St. Michaeli am 29. September wurde kein mehr Bier gebraut, da es mangels Kühlmöglichkeiten während der Sommermonate zu schnell verdorben wäre.
Am 23. April 1516 wurde die bayerische Landordnung erlassen, welche einen Passus zu erlaubten Zutaten des Bierbrauens enthält und heute meist als „Reinheitsgebot“ zitiert wird:

„Item wir ordnen / setzen / und wöllen mit Rathe unnser Lanndtschaft / das füran allennthalben in dem Fürstenthumb Bayrn / auff dem Lande / auch in unnsern Stettn unn Märckthen / da deßhalb hieuor kain sonndere ordnung ist / von Michaelis biß auff Georij / ain mass oder kopffpiers über ainen pfenning Müncher werung / unn von sant Jorgentag / biß auff Michaelis / die mass über zwen pfenning derselben werung / und derenden der kopff ist / über drey haller / bey nachgesetzter Pene / nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Mertzn / sonder annder pier prawen / oder sonst haben würde / sol Er doch das / kains wegs höher / dann die maß umb ainen pfenning schencken / und verkauffen. Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn. […]“

Seit 1994 gilt der 23. April daher als „Tag des deutschen Bieres“.

Der April als Narr. Kopie (17. Jh.) einer Zeichnung des spätantiken Kalligraphen Filocalus von 354.

Der April als Narr. Kopie (17. Jh.) einer Zeichnung des spätantiken Kalligraphen Filocalus von 354.

Der Brauch, jemanden in den April zu schicken, ist erst seit dem 17. Jahrhundert belegt. Als „närrischer Monat“ war der April jedoch schon deutlich länger bekannt, wenngleich die Gründe dafür im Dunklen liegen.

März

Zur Zeit der römischen Republik war der März der erste Monat des Jahres, woran heute noch der September („der Siebte“, von lat. septem = sieben), Oktober (lat. octo = acht), November (lat. novem = neun) und Dezember (lat. decem = zehn) erinnern. Bis im Jahr 153 v.Chr. der Jahresanfang auf den 1. Januar verlegt wurde, traten die römischen Konsuln am 1. März ihr Amt an. Im März fand außerdem die Musterung der waffenfähigen Bürger der Republik statt, was wahrscheinlich die Ableitung des Namens von dem des Kriegsgottes Mars erklärt.

Alte deutsche Bezeichnungen waren Lenzmond, Lenzmonat oder Lenzing. Der Lenz bezeichnet den Frühling, der in diesem Monat beginnt – meteorologisch am 1. März, astronomisch mit dem Frühlingsäquinoktium, der Tag- und Nachtgleiche um den 19.-21. März.
Für die Bauern im Mittelalter bedeutete dies, dass der nach dem Winter feuchte, schwere Boden der Felder umgepflügt werden musste. Dann wurde das Sommergetreide ausgesät, vorwiegend Gerste (zum Bierbrauen) und Hirse, daneben auch Sommerweizen und -roggen sowie Hafer, der allerdings vorwiegend als Winterfutter für Pferde genutzt wurde. Durch die kürzere Reifezeit von nur rund sechs Monaten und den geringeren Feuchtigkeitsgehalt der Erde war der Ertrag des Sommergetreides meist geringer als der des Winterkorns.
Pflügen und Aussaat sind auch die Tätigkeiten, die auf den meisten mittelalterlichen Kalenderbildern mit dem März assoziiert werden. Mitunter sind auch Beschnitt und Pfropfen der Weinreben sowie das Schneiden der Obstbäume dargestellt, doch fielen diese Arbeiten in Mitteleuropa meist eher in den April.

Pflügen und Rebschnitt im Stundenbuch des Duc de Berry, Anfang 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms.65, fol.3v.

Pflügen und Rebschnitt im Stundenbuch des Duc de Berry, Anfang 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms.65, fol.3v.

Die ersten Lämmer des Jahres kamen im März zur Welt, Hühner begannen nach der Kälte des Winters wieder Eier zu legen. Bei den Hasen beginnt die Brunftzeit, in der sich die männlichen Exemplare zuweilen etwas toll gebärden. Im englischen Sprachraum ist noch heute der Ausspruch „Mad as a March hare“ („verrückt wie ein Märzhase“) gebräuchlich, die Figur des Märzhasen ist aus Lewis Carrolls Roman „Alice im Wunderland“ bekannt.
Vielerorts wurde nun ein besonders starkes und damit länger haltbares Bier gebraut, das heute noch als „Märzen“ bekannt ist. Die Brausaison dauerte in der Regel von Michaelis (29. September) bis St. Georg (23. April). Um also auch während der Sommermonate mit dem flüssigen Grundnahrungsmittel versorgt zu sein, wurde das Starkbier nach Möglichkeit in kühlen Felsen- oder Gewölbekellern gelagert.

Im März lebte auch der Fernhandel wieder auf, Händler rüsteten sich für die anstehenden Frühjahrsmessen. Zwar kam die See- und Flussschiffahrt während des Winters wohl nie vollständig zum Erliegen, doch mit den beseren Wetterbedingungen nahm ihr Umfang jetzt wieder deutlich zu, nachdem Schiffe und Segel gegebenenfalls während der Wintermonate gewartet und ausgebesert worden waren. Die Nachfrage nach Meeres- und Flussfischen war während der vorösterlichen Fastenzeit naturgemäß besonders groß.
Überhaupt dürften die mittelalterlichen Verkehrswege nun wieder regeren Betrieb erlebt haben, denn auch fahrende Spielleute, Wallfahrer und andere Reisende zogen ab März wieder verstärkt durch die Welt. Die „Feldzugsaison“ begann meist ebenfalls im März.

Der wichtigste kirchliche Gedenktag war die Verkündigung des Herrn, auch als Mariä Verkündigung oder lat. Annuntiatio Domini bekannt (25. März). An diesem Tag exakt neun Monate vor der Geburt Christi soll Maria durch den Engel Gabriel über die Empfängnis des Herrn informiert worden sein.

Die Verkündigung in einer bürgerlichen Stube des 15. Jahrhunderts. Quelle: wikicommons, Urheber: PaulineM

Die Verkündigung in einer bürgerlichen Stube des 15. Jahrhunderts. Maître de Flémalle (Robert Campin?). Quelle: wikicommons, Urheber: PaulineM

Das Datum für das Osterfest war 325 auf dem Konzil von Nicäa auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt worden. Der früheste Termin für den Ostersonntag war daher der 22. März. Ostern, das Fest der Kreuzigung und Auferstehung Christi, war und ist das wichtigste Fest des katholischen Glaubens.
Neben der feierlichen kirchlichen Liturgie hielten sich im Mittelalter auch noch zahlreiche vorchristliche Bräuche, die meist mit der Begrüßung des Frühlings, Segnung der Aussaat, dem Austreiben böser Wintergeister u.ä. in Zusammenhang standen. So wurden etwa beim Feld- oder Flurumgang (meist am Ostermontag) Opfergaben in die Erde gebracht oder Weiden- und Haselruten gepflanzt, die böse Einflüsse vom Getreide fernhalten sollten.
Mit dem Osterfest steht auch der Palmsonntag, der letzte Sonntag der Fastenzeit in Verbindung, an dem des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht wurde. Es fanden Bittprozessionen statt, in denen z.T. wiederum heidnische Elemente christlich überformt wurden.
An Ostern endete die vierzigtägige Fastenzeit und begann die fünfzigtägige österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten andauerte. Der Brauch der Ostereier hängt u.a. damit zusammen, dass die Hühner nun bereits seit einigen Wochen wieder Eier legten, diese jedoch während der Fastenzeit (eigentlich) nicht verzehrt werden durften, daher zum Osterfest in großer Zahl zur Verfügung standen. Der Eierzehnt war in der Regel am Gründonnerstag fällig. Gefärbte Ostereier sollen in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert verbreitet gewesen sein.

Siehe auch Februar und Januar.