Fundstücke KW 25

Eislingen hat jetzt einen Geschichtspfad von den Römern bis in die Neuzeit, schreibt die Stuttgarter Zeitung.

Im Rechtsstreit zwischen den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und Wikipedia um die Nutzung von Fotos hat letztere eine Niederlag einstecken müssen, meldet irights.
Hier der Kommentar der deutschen Wikimedia zum (Fehl-)Urteil des Landgerichts.

Zwei Meldungen von archaeologie-online.de: Die eine zur Entdeckung des ältesten Gebäudes von Gütersloh bei Bielefeld (aus dem 12. Jahrhundert), die andere über rätselhafte Stücke von rotem Glas.

Wer hätte gedacht, dass schon im 15. Jahrhundert ein Arzt Nasenprothesen anfertigte und beschrieb? kurz!-Geschichte hat die Details.

Einbeck City berichtet über ein heimatgeschichtliches Projekt, für das HistoFakt („ein Historiker aus Süddeutschland“ …) in den vergangenen Monaten zahlreiche mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften entziffert und aus dem Mittelniederdeutschen übersetzt hat.

Das „kuriose“ Mittelalter-Blog zeigt zehn Wege, an Reliquien zu gelangen.

Und für die Augen gibt es diese Woche mal wieder ein Album fantastischer Fotos von hochertiger (Spät-) Mittelalterdarstellung, dieses Mal von einer Aktion der Gruppe „Keines Weibes Knecht“ auf der Lütjenburg, das Roland Warzecha auf seiner FB-Seite geteilt hat:

(c) Keines Weibes Knecht

(c) Keines Weibes Knecht

Fundstücke KW 50

Die Darstellung von Geschichte im deutschen Fernsehen ist ein wenig erfreuliches Thema, dem ich mich in der Vergangenheit wiederholt gewidmet habe. Die ZDF-Sendung „Terra X“ ist dabei leider nicht immer auf positive Weise in Erscheinung getreten. Auch mit der Darstellung der Kelten in der für Anfang 2016 geplanten gleichnamingen Sendereihe scheint es wieder erhebliche Probleme zu geben. Ein Gespräch dazu mit Hans Trauner vom Naturhistorischen Museum Nürnberg auf ArchPhant.

Die taz hält bekanntlich nicht viel vom Krieg, aber sie hält viel von der gleichnamigen Ausstellung in Halle, die sie als „spannendes pazifistisches Manifest“ sieht.

Noch einmal ins Museum, dieses Mal aber virtuell: Dank Google Street View kann man jetzt das British Museum in London besuchn, ohne das heimische Sofa zu verlassen – ohne drängelnde Massen, quengelnde Kinder, lärmende Schulklassen, …

Museum zum Dritten: Das leidige Thema des Fotografierens, hier kommentiert von Klaus Graf auf archivalia.hypotheses.org.

Und noch eine Ausstellung: Die Staatliche Bibliothek Regensburg zeigt bis Ende Februar 2016 „Spektakel des Schreckens“. Rudolf Neumaier von der SZ hat’s gefallen.

Warum haben die Wikinger ihre Siedlungen in Grönland aufgegeben? Neueren Erkenntnissen zufolge lag’s wohl nicht am Klima, wie scinexx.de schreibt. (Dank an J. Schabacker für den Hinweis!)

Untger dem Frankfurter Dom befinden sich zwei Kindergräber aus der Merowingerzeit, welche Archäologen und Historiker vor einige Rätsel stellen. Peter-Philipp Schmitt berichtet in der FAZ.

Auch in der Rottenburger Sülchenkirche kommen interessante Funde von Frühmittelalter bis Barock zutage, wie das Tagblatt schreibt. (Dank an H. Jablonski für den Hinweis!)

Ein Stundenbuch in der Bibliothek des Smith College in Southampton könnte Burgunderherzog Philipp dem Guten gehört haben, sagt mssprovenance.blogspot.com (auf Englisch).

Northhampton, Smith College MS 288, fol 45r.

Northhampton, Smith College MS 288, fol 45r.

Fundstücke KW 28

Der in KW 27 erwähnte Urheberrechtsstreit, der von den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen vom Zaun gebrochen wurde, ging vergangene Woche in eine neue Runde: Die rem veröffentlichten eine Stellungnahme, in der sie ihre Position untermauern. Interessant ist dabei u.a., dass die rem eine Summe von € 250,- für die einmalige Veröffentlichung eines Fotos im Internet als „angemessen“ erachten …
Mit dem gleichen Thema setzt sich auch das Blog von arthistoricum auseinander: „What an ugly mess, to hell with it„!

In Israel haben Reenactors aus Israel und Russland die Schlacht von Hattin 1187 nachgespielt. Ein Bericht (auf Englisch) in der Tmes of Israel.

„Crowdfunding“ im Mittelalter: Die Wiener zahlten im 14.-15. Jahrhundert für den Bau des Stephansdoms, weiß derstandard.at.

Die „Interessengemeinschaft 14. Jahrhundert“ wird am kommenden Wochenende (18.-19. Juli 2015) die Bachritterburg Kanzach mit dem Thema „Kindheit im Mittelalter“ beleben.

Zum Bild der Woche zitiere ich die Beschreibung der AG Historisches Handwerk, die dieses großartige Objekt nach einem Fund angefertigt hat:

„Römisches Tintinnabulum in Form eines Phallus mit Bocksbeinen. Auf dem Phallus sitzt eine nackte Frau, die über dessen Eichel als Zeichen des Sieges der Männlichkeit (virtus) über das Böse einen Lorbeerkranz hält. Zwischen den Bocksbeinen ist ein weiterer Phallus, und der Schweif, der sich dem Hinterteil der nackten Frau annähert, ist ebenfalls als Phallus ausgeformt.“

"Römisches Tintinnabulum", angefertigt und (c) des Fotos AG Historisches Handwerk.

"Römisches Tintinnabulum", angefertigt und (c) des Fotos AG Historisches Handwerk.

Fundstücke KW 27

Ein Schatz in Form von 600 Silbermünzen aus dem 16. Jahrhundert ist in Lübeck zum Vorschein gekommen, berichten die Kieler Nachrichten Online.

Im nordrhein-westfälischen Tönisvorst haben Archäologen eine eisenzeitlioche Brandgrabstätte entdeckt. Artikel auf RP Online.

Ein Thema, das nur am Rande mit Geschichte oder Archäologie zu tun hat, viele Forschende und Publizierende in diesem Bereich aber dennoch fast täglich betrifft, ist das Urheberrecht. In einem aktuellen Fall, über den die taz.de schreibt, geht es um Urheber- bzw. Leistungsschutzrechte an fotografischen Wiedergaben gemeinfreier Kunstwerke, die die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim meinen in Anspruch nehmen zu können.

Ein verwandtes Problem betrifft die Panoramafreiheit, also das Recht, fotografische Aufnahmen von Objekten (Kunstwerken, Gebäuden etc.) im öffentlichen Raum machen und veröffentlichen zu dürfen. Eben diese Panoramafreiheit soll nach dem Willen des Europäischen Parlaments abgeschafft bzw. stark eingeschränkt werden, was katastrophale Auswirkungen nicht nur auf das künftige Knipsen von Urlaubsfotos hätte … Informationen zur aktuellen Regelung den Änderungsvorschlägen, Protest- und Gegenmaßnahmen etc. finden sich auf de.wikipedia.org, eine europaweite Petition kann auf change.org unterschrieben werden.

Die „Umwelt-Enzyklika“ des „grünen Papstes“ Franziskus hat in den vergangenen Wochen für einige Diskussionen gesorgt. Doch das Oberhaupt der katholischen Kirche äußert sich darin auch zu Problemen der Vernichtung und des Erhalts des kulturellen Erbes der Menschheit, wie Diane Scherzler von der DGUF kommentiert.

DIe Bewerbung Haithabus um den Status als Weltkulturerbe wurde von der UNESCO vorläufig abgelehnt. Andere Stätten hatten mehr Erfolg, wie die SHZ.de berichtet.

Drama! Favoriten in Zeiten der Krise“ von Sebastian Zanke  ist ein neuer Beitrag der Reihe „Aufstieg und Fall an den europäische Höfen des Mittelalters“ auf mittelalter.hypotheses.org.

kurz!Geschichte widmete sich der Geschichte des Rattenfängers von Hameln.

Daniel Ossenkop geht auf „Das Mittelalter – Der Blog“ der Frage nach, ob Feldschlachten im Mittelalter eine häufige oder eher seltene Erscheinung gewesen sind.

Und als Bild der Woche möchte ich einfach mal eines der wundervollen Stücke verlinken, die Niklas Hofbauer anfertigt und auf seinem Blog „Neues aus der Gotik“ präsentiert:

Gebendenadel-Etui, angefertigt und (c) des Fotos Niklas Hofbauer/neuesausdergotik.blogspot.de

Gebendenadel-Etui, angefertigt und (c) des Fotos Niklas Hofbauer/neuesausdergotik.blogspot.de

Fundstücke KW 19

Folgende Links und Seiten sind mir im Lauf der Woche ins Netz gegangen:

Zunächst die Entdeckung und Ergrabung einer sächsischen Befestigung des 6.-10. Jahrhunderts an der Schwinge bei Stade:

Die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter wurde vom Club der Wissenschaftsjournalisten zur Wissenschaftlerin des Jahres 2013 gewählt. Unter der Überschrift „Lehren aus der Umweltgeschichte“ gibt es auf kurier.at einen Blick auf ihre jüngste Publikation (zus. mit Hans-Rudolf Bork), Die Geschichte unserer Umwelt. Eine Weltreise in 60 Stationen, Darmstadt: Primus Verlag 2014, sowie ein Porträt der Forscherin.

In der Kathedrale von Durham bieten archäologische Funde interessante Einblicke in vergangene Ernährungsgewoghnheiten:

Hiltibold hat wieder etliche Audiobeiträge zusammengetragen, u.a. zum Konstanzer Konzil und zum Kloster Lorsch:

Die bereits erwähnte Plagiatsdebatte („Radergate“) zieht noch immer und zunehmend größere Kreise. Zunächst (am 5. Mai) greift Patrick Bahners in der FAZ den Verlag C.H. Beck und insbesondere den Autor Olaf Rader an.
Fehler, Schwächen und Unsinnigkeiten der Argumentation Bahners nimmt dann Martin Bauch auf mittelalter.hypotheses.org ins Visier.
Dessen Ansichten kann wiederum Klaus Graf von Archivalia nicht nachvollziehen …

In seinem Artikel bezeichnete Patrick Bahners zudem die Mittelalterarchäologie als „hochspekulative Wissenschaft“. Das ist natürlich Unsinn (s.o.), und so sieht es auch Maxi Maria Platz:

Ist das nun alles Zirkus und Kindergarten oder steht tatsächlich die Zukunft geisteswissenschaftlicher Forschung auf dem Spiel? Muss man Position beziehen? Können (dürfen?) wir zum Tagesgeschäft zurückkehren oder gilt es, nun alle historischen Sachbücher der vergangenen zehn Jahre sorgfältig nach geklauten Satzfetzen zu durchwühlen?
Ich persönlich widme mich lieber wieder meiner Arbeit und wünsche eine angenehme Woche!

Fundstücke KW 16/17

Etwas verspätet hier die Netz-Fundstücke der vergangenen beiden Wochen.

Ein Historikerduo hat im renommierten Verlag C.H. Beck einen Band über große Seeschlachten der Weltgeschichte veröffentlicht. Bei der Lektüre fiel einem Leser (ebenfalls Historiker) auf, dass zumindest Teile des Werkes direkt aus Artikeln der Wikipedia übernommen worden waren. Er schrieb daraufhin am 22. April auf seiner Facebook Seite (inzwischen bearbeitet), das Buch sei „vollständig aus Wikipedia-Einträgen zusammenkopiert“.
Das ist eine starke Formulierung und eine heftige Anschuldigung. Befremdlich jedoch auch die Reaktion der betroffenen Autoren, die ihr Vorgehen als durchaus gängig bezeichnen und kein Fehlverhalten ihrerseits erkennen können. Nun ist es natürlich durchaus üblich, Informationen und unter Umständen auch ganze Formulierungen aus anderen Werken – sei es Forschungsliteratur, der Brockhaus oder eben auch Wikipedia – zu übernehmen. Doch das Mindeste in Sachen wissenschaftlicher Ethik wie auch juristischer Absicherung ist es eigentlich, solche Übernahmen kenntlich zu machen.
Der Fall zieht jedenfalls zunehmend weite Kreise, die weitere Entwicklung und ein mögliches Gerichtsverfahren dürften spannend und vielleicht sogar relevant für ähnliche Fälle werden.

 

Mit Kommentaren und Kritik zu den Vorgängen auf der Karolingischen Klosterstadt „Campus Galli“ habe ich mich bislang zurückgehalten – nicht zuletzt, weil Andere schon genug darüber geschrieben haben. Auffallend und ärgerlich sind jedoch die anhaltende Geheimnistuerei und der offensichtliche vollkommene Unwille des Betreibers Herrn Geurten und seines Kompagnons, des Messkircher Bürgermeisters Arne Zwick, sich mit seriöser Kritik und den Vorwürfen der Steuerverschwendung auch nur auseinanderzusetzen. Hier (mal wieder) ein Beitrag von Hiltibold:

Armbanduhr mit Taschenrechner? Mobiltelefon mit Zusatzfunktionen? Alte Hüte! Bereits im 17. Jahrhundert beschäftigte man sich mit der Idee von wearable technology:

http://fashionablygeek.com/jewelry/the-nerdiest-ring-of-the-17th-century/#!ECGYE

 

Copyright – Ein Kommentar aus dem Mittelalter

Colum Cille, auch genannt Columban der Ältere oder Columban von Iona, war ein irischer Mönch und Missionar des 6. Jahrhunderts. Geboren 521 oder 522 im heutigen County Donegal, wurde er einer von zwölf Schülern des heiligen Finnian, die später als „Zwölf Apostel Irlands“ werden sollten. Über seinen Vater war er mit dem mächtigen und kriegerischen Clan der Uí Néill verwandt, die damals über die Provinz Ulster herrschten und den Titel des Hochkönigs von Irland beanspruchten.

Darstellung des hl. Columba in einem Buntglasfenster in St. Margaret's Chapel, Edinburgh Castle.

Darstellung des hl. Columba in einem Buntglasfenster in St. Margaret's Chapel, Edinburgh Castle. (Quelle: Wikipedia/Wikicommons)

Um das Jahr 560 besuchte Colum Cille seinen alten Lehrmeister Finnian in dessen Kloster Drumm Finn. In dessen Bibliothek entdeckte er einen prächtigen Psalter und bat seinen Besitzer, ihn abschreiben zu dürfen. Bücher waren zu jener Zeit in Irland noch überaus rar, und es war üblich, dass einzelne Werke von einem Kloster an das nächste ausgeliehen wurden, um Kopien anzufertigen, oder dass Mönche von Kloster zu Kloster reisten, um Abschriften zu erstellen.

Finnian allerdings verweigerte seinem ehemaligen Schüler die Genehmigung, den betreffenden Psalter zu kopieren. Daraufhin entschloss sich dieser, es heimlich dennoch zu tun, und ging im Skriptorium des Klosters sogleich ans Werk. Finnian jedoch entdeckte die Abschrift und ließ sie konfiszieren, da Colum Cille gegen seinen ausdrücklichen Willen gehandelt habe. Dieser jedoch argumentierte, dass es sich bei der Kopie um sein eigenes Werk handele und er ja nicht das Original zu entwenden trachtete.

Der Disput zog sich einige Zeit lang hin, und schließlich wurde der Fall dem König von Tara, Diarmait mac Cerbaill vorgelegt und dieser um eine Entscheidung gebeten. Das Urteil des Herrschers lautete: „Die Kopie gehört zum Buch wie das Kalb zur Kuh.“

Seite aus dem Buch "Cathach", bei dem es sich um den von St. Columba widerrechtlich kopierten Psalter handeln soll. (Quelle: Wikipedia/Wikicommons)

Seite aus dem Buch "Cathach", bei dem es sich um den von St. Columba widerrechtlich kopierten Psalter handeln soll. (Quelle: Wikipedia/Wikicommons)

Colum Cille war mit dieser Entscheidung erwartungsgemäß alles andere als zufrieden und verfluchte den König. Wahrscheinlich ist es daher mehr als Zufall, dass sich die Familie des streitbaren Mönchs 561 bei Cúl Dreimne eine erbitterte Schlacht mit dem Clan des Königs lieferte, bei der auf beiden Seiten zahlreiche Krieger ums Leben kamen.

Eine Synode verurteilte Colum Cille daraufhin und drohte, ihn zu exkommunizieren. Doch der heilige Brendan setzte sich für ihn ein und erwirkte, dass das Urteil in Verbannung umgewandelt wurde. Colum Cille erklärte sich bereit, als Missionar nach Schottland zu gehen und so viele Menschen zu bekehren, wie in der Schlacht getötet worden waren. Er begann seine Missionstätigkeit im Jahr 563 und kehrte nur einmal für einen kurzen Besuch in sein Heimatland Irland zurück.

Colum Cille starb 597 in dem von ihm gegründeten Kloster auf Iona. Er gilt heute als einer der erfolgreichsten Missionare und bedeutendsten Heiligen Irlands. Wenig verwunderlich, dass er auch als Schutzpatron der Buchbinder Verehrung findet …

Bei der von Colum Cille angefertigten Kopie soll es sich übrigens um das Buch „Cathach“ („Krieger“) handeln, dass sich heute in der Royal Irish Academy in Dublin befindet.