Dezember

Der Dezember ist der letzte Monat des Jahres. Bis 153 v.Chr. war er der zehnte, wie der Name andeutet (lat. decem = zehn). Wenn sich also in mittelalterlichen Urkunden die Datumsangabe „10ber“ oder „Xbris“ findet, ist damit nicht der Oktober gemeint. Auch die Bezeichnung Julmond kann für Verwirrung sorgen, denn sie bezieht sich auf das germanische Julfest zur Wintersonnenwende am 21. oder 22. Dezember, nicht auf den siebten Monat des Kalenders. Weitere alte Namen sind Christmond oder Heilmonat, da Christus der Heilsbringer am 25. Dezember zur Welt kam.

Geburt Christi. Stundenbuch König Karls VIII., spätes 15. Jahrhundert. (Madrid, BNE VITR/24/1, fol. 36r.)

Geburt Christi. Stundenbuch König Karls VIII., spätes 15. Jahrhundert. (Madrid, BNE VITR/24/1, fol. 36r.)

Die Evangelien sind allerdings sehr sparsam und ungenau in Datumsangaben, und so mussten die wichtigsten Ereignisse im Leben Jesu auf Umwegen erschlossen werden, womit sich verschiedene Kirchenväter auseinandergesetzt haben. Das frühe Christentum war stets mehr am Todesdatum des Herrn interessiert als an seinem Geburtstag, und noch heute nimmt das Osterfest im Kirchenjahr den höchsten Stellenwert ein. Im 4. Jahrhundert scheint sich jedoch der 25. Dezember als Termin für die Geburt Jesu durchgesetzt zu haben, wenngleich die Gründe, die zu dieser Festlegung geführt haben, bis heute nicht abschließend geklärt sind.
Von diesem Datum leiten sich jedoch weitere Feiertage ab, allen voran die Adventszeit (von lat. adventus domini = Ankunft des Herrn), die von Gregor dem Großen im 6. Jahrhundert auf vier Sonntage und damit 22 bis 28 Tage vor dem Hochfest festgelegt wurde. Die Beschneidung des Herrn erfolgte nach jüdischem Ritus am achten Lebenstag, also dem 1. Januar. Die Anbetung durch die Heiligen Drei Könige soll sich am 6. Januar ereignet haben (siehe Januar).

Die Adventszeit galt im Mittelalter noch als Buß- und Fastenzeit, Tanz und ausgelassene Feiern waren verboten. Mit dem Heiligen Abend begann dann die weihnachtliche Freudenzeit, die zwölf Tage, bis zum 6. Januar andauerte. Gefeiert wurde mit Festmählern und Tanzveranstaltungen sowie natürlich mit Messen und Andachten. Auch Krippen- und Weihnachtsspiele mit Laien und/oder Kindern wurden schon mindestens seit dem 10. Jahrhundert aufgeführt. Die Feierlichkeiten umfassten auch die Gedenktage der sogenannten „Begleiter Christi“, des hl. Stephan am 26. Dezember und Johannes‘ des Evangelisten am 27. Dezember sowie der unschuldigen Kinder am 28. Dezember, als an den Kindermord in Bethlehem erinnert wurde. An diesem Tag wurden auch aller im Lauf des Jahres gestorbenen Kinder mit Fürbitten und Messen gedacht.

Die Lebzelter hatten zu dieser Zeit Hochkonjunktur, denn zu den typischen Leckerein der Weihnachtszeit zählten bereits im Hoch- und Spätmittelalter Leb- und Honigkuchen sowie Bretzeln, Kipferl und ähnliche Süßigkeiten. Wann und wo genau der erste geschmückte Weihnachtsbaum aufgestellt wurde, ist umstritten. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts mehren sich jedoch Berichte über die Errichtung immergrüner Bäume in Ratsstuben, Zunfthäusern und bald auch Privathäusern. Der Schmuck bestand im Wesentlichen aus Zucker- und Backwerk, das die Kinder „pflücken“ durften; von Kerzen ist allerdings erst viel später die Rede.

Das Kornwunder, das den hl. Nikolaus zum Schutzpatron der Ernte machte. Teil eines Flügelaltars, um 1475 (St. Mariae, Mühlhausen, Thüringen. Quelle: Wikicommons, User: Friedrichsen.)

Das Kornwunder, das den hl. Nikolaus zum Schutzpatron der Ernte machte. Teil eines Flügelaltars, um 1475 (St. Mariae, Mühlhausen, Thüringen. Quelle: Wikicommons, User: Friedrichsen.)

In den Dezember fielen zahlreiche weitere Gedenktage. Das Todesdatum des hl. Nikolaus von Myra am 6. Dezember erfuhr mindestens seit dem 8. Jahrhundert, im deutschsprachigen Raum seit dem 10. Jahrhundert besondere Verehrung. Der Bischof galt u.a. als Schutzpatron der Kinder, wovon sich zahlreiche Bräuche ableiteten. So wurde vielerorts, besonders in Klosterschulen, ein Kinderbischof gewählt, der Predigten hielt und das Verhalten der Erwachsenen tadeln durfte.
Seit dem 9. Jahrhundert galt der 8. Dezember als Tag der Empfängnis Mariens, als die spätere Gottesmutter im Leib der hl. Anna auserwählt wurde. Trotz ihrer leiblichen Geburt blieb Maria daher von der Erbsünde unbefleckt, was in der lateinischen Bezeichnung immaculata conceptio („unbefleckte Empfängnis„) zum Ausdruck kommt.
In Schweden wurde der Festtag der hl. Lucia von Syrakus am 13. Dezember bereits im Mittelalter mit Lichterprozessionen und anderen Bräuchen gefeiert. Bis zur gregorianischen Kalenderreform fiel der Tag der Wintersonnenwende, also der kürzeste Tag des Jahres, auf dieses Datum.
Der letzte Tag des Jahres war dem hl. Silvester geweiht. Der 335 gestorbene Papst galt als Patron der Haustiere und der Futterernte, daher wurden ihm mancherorts Kerzen gestiftet oder Opfergaben dargebracht, um sich im neuen Jahr der Gesundheit des Viehs und reichen Ernteertrags zu versichern. Die Kirche feierte an diesem Tag allerdings den Vorabend des Festtags der heiligen Gottesmutter Maria.

Wildschweinjagd auf dem Dezember-Blatt im Großen Stundenbuch des Duc de Berry. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol 12r.)

Wildschweinjagd auf dem Dezember-Blatt im Großen Stundenbuch des Duc de Berry. (Chantilly, Musée Condé, Ms. 65, fol 12r.)

Zwar hatten bereits die Römer 153 v.Chr. den Jahresbeginn auf den 1. Januar verlegt. Doch hielten sich in verschiedenen Regionen noch bis ins 13. Jahrhundert verschiedene Daten für den Jahresanfang, z.B. der 1. März oder der astronomische Frühlingsbeginn zur Tag-und Nachtgleiche am 20./21. März. Das Kirchenjahr wiederum begann mit der Vesper zum Vorabend des ersten Adventssonntags.

"Mit wursten und mit praten / will ich mein haws peraten. Also hat das iar ain endt / got uns sein genad sendt.". Kalenderblatt , um 1475 (Wien, ÖNB, Cod. 3085, fol 11r.)

Schlachten im Dezember: „Mit wursten und mit praten / will ich mein haws peraten. Also hat das iar ain endt / got uns sein genad sendt.“. Kalenderblatt , um 1475 (Wien, ÖNB, Cod. 3085, fol 11r.)

Freilich wurde im Dezember nicht nur gefastet und gefeiert, sondern auch gearbeitet. Baustellen allerdings wurden winterfest gemacht und ruhten bis zum Frühjahr, allenfalls wurden noch frisch gefällte Bäume zu Balken gehauen. Das Schlagen von Brenn- und auch von Bauholz erfolgte vornehmlich zu Beginn des Monats, Klaubholzsammler sammelten tote Äste und Zweige. Vieh wurde geschlachtet, um es nicht den ganzen Winter über durchfüttern zu müssen. Das Fleisch wurde zu Wurst und Schinken verarbeitet, in Salz eingelegt und vor allem geräuchert. Der Adel vergnügte sich mit der Jagd auf Wildschweine sowie Reh- und Rotwild.
Schlachten und Saujagd sind die beliebtesten Motive der Kalenderblätter in spätmittelalterlichen Stundenbüchern. Simon Bening hingegen zeigt eine wohlhabende Festgesellschaft, und in einem französischen Kalender von 1541 ist eine Bäckerei zu sehen, in der offenbar Krapfen oder andere kleine, runde und vermutlich süße Gebäckstücke hergestellt werden.
Schnee hingegen ist auf den Dezember-Bildern niemals zu sehen. Die „weiße Weihnacht“ ist eine moderne Wunschvorstellung, über die man im Mittelalter nur verständnislos den Kopf geschüttelt hätte.

Arbeit in der Backstube: Der Dezember im Le Grant Kalendrier et Compost des Bergiers 1541.

Arbeit in der Backstube: Der Dezember im Le Grant Kalendrier et Compost des Bergiers 1541.

Alle Folgen des mittelalterlichen Jahreslaufs.

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