Leo Vogt: „Das Luther-Melanchthon-Kochbuch“

Leo Vogt: Das Luther-Melanchthon-Kochbuch. Bretten: Info-Verlag 2015.

Leo Vogt: Das Luther-Melanchthon-Kochbuch. Bretten: Info-Verlag 2015.

„Kochen & Backen zu Zeiten der Reformation“

Martin Luther, der Genussensch.
Philipp Melanchthon, der Asket.
Sie begegneten einander in Wittenberg und scheinen, trotz aller Differenzen in Ansichten und Lebenswandel, gut miteinander ausgekommen zu sein. Zahlreiche Mahle dürften sie gemeinsam eingenommen haben – was kam dabei wohl auf den Tisch?
So ähnlich lautete die Frage, die Leo Vogt bewog, historische Rezepte der Reformationszeit zu sammeln, zu erproben und das vorliegende Kochbuch zusammenzustellen. Die Erprobung erfolgte dabei mit zeitgenössischen Mitteln, wie zahlreiche Fotos in dem Band belegen. Das Nachkochen kann aber auch in modernen Küchen erfolgen …

Die 128 Rezepte umfassen viel Bodenständiges, von der Bratwurst über Gänseklein, Schwartenmagen, Rehkeule oder gebackene Rüben bis zu sauren Bohnen. Es fehlt weder die Herstellung von Bier noch von Hagebutten- und Heidelbeerwein oder von Likör, Limonade, Most, Wein und mehr aus Holunderbeeren. Grieß- und Hirsebrei, verschiedene Brote, Omelette und Pfannkuchen, Linsensuppe, Maultaschen, Gemüse- und Hühnerbrühe fallen in den Bereich der Grundnahrungsmittel, Kaninchen, Rebhuhn, Fasan, Schneckenrahmsuppe, Rosmarin-Marinade für Ziegenkäse, Kalbfleisch in Weißwein und andere Rezepte zählen eher zu den Festtagsgerichten.
Leo Vogt beschreibt das Trocknen, Einlegen in Essig oder Öl, Pökeln und weitere Methoden der Haltbarmachung. Woher die Angaben stammen ist leider meist nicht nachzuvollziehen, denn es fehlen konkrete Quellenangaben. Aus Spätmittelalter und Renaissance sind jedoch etliche Kochbücher überliefert, von denen viele in den vergangenen 10-20 Jahren neu herausgegeben wurden. An Vorlagen herrschte also kein Mangel, aber es stellt sich die Frage: Warum ein weiteres Kochbuch?

Nicht zuletzt durch die zahlreichen Fotos und historischen Abbildungen gelingt es dem Autor, die Küche des Spätmittelalters und der beginneneden Renaissance anschaulich zu machen. Neben den eigentlichen Rezepten bietet Vogt außerdem knappe, aber wertvolle Informationen zu Zutaten, Zubereitungsformen, Begriffen und anderen Details.
Zwischen den Rezepten finden sich 13 kurze Texte, die auf fiktionale, erzählerische Weise Einblicke in Leben und Arbeit eines Bäckers, das Studentenleben in Heidelberg, Luthers Hochzeit oder die Belagerung Brettens geben – literarische Vignetten, die dem Werk einen zusätzlichen Hauch von Kulturgeschichte verleihen. Insgesamt sind die knapp 190 Seiten unterhaltsam zu lesen und bieten viele Anregungen. Rezeptverzeichnis und Hinweise auf weiterführende Literatur fehlen nicht. Mit seiner ansprechenden Gestaltung ziert das Buch jede Kochbuchsammlung und eignet sich besonders als Geschenk für historisch interessierte Hobbyköche und -köchinnen.

Bretten: Lindemanns Bibliothek im Info-Verlag 2015. 192 S., zahlr. Fotos und zeitgen. Abb. ISBN 978-3-88190-842-9. € 19,80.

 

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