Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2019

Welche bedeutenden Geschehnisse ereigneten sich vor 500, 750 oder 1000 Jahren? Welche Jahrestage der mittelalterlichen Geschichte kommen 2019 auf uns zu? Auf welche Feiern, Gedenktage, Debatten müssen wir uns einstellen?

Der jährliche kurze, keineswegs vollständige und schamlos eurozentrische Überblick:

Vor mehr als 1.000 Jahren:

1019 – vor 1000 Jahren:

1119 – vor 900 Jahren:

1219 – vor 800 Jahren:

  • 16. Januar: Eine schwere Sturmflut trifft die Nordseeküste: Bei der Ersten Marcellusflut kommen rund 36.000 bis 50.000 Menschen ums Leben. Besonders schwer ist Westfriesland betroffen. Hier durchbricht die Nordsee einen natürlich entstandenen Sanddeich, wodurch die Meeresbucht Zuiderzee entsteht, das heute künstlich von der Nordsee getrennte IJsselmeer. Sie ist die erste große Sturmflut an der Nordsee, von der ein Augenzeugenbericht existiert: Der Prämonstratenser-Chorherr Emo von Wittewierum erklärt das Naturereignis als „Sintflut“ als Strafe „für unsere Verbrechen“.
  • ab Februar: Sultan Al-Kamil Muhammad al-Malik legt den Kreuzfahrern, die die ägyptische Stadt Damiette belagern, mehrfach ein Friedensangebot vor, das unter anderem die Rückgabe Jerusalems und der umgebenden Gebiete sowie einen 30-jährigen Waffenstillstand beinhaltet. Doch der neue Anführer des Kreuzzuges von Damiette, Kardinal Pelagius von Albano, lehnt eine Verhandlung mit den Sarazenen aus prinzipiellen Gründen ab.
  • Frühjahr: Der Albigenserkreuzzug unter seinem neuen Anführer, dem französischen Kronprinzen Ludwig, erleidet bei Baziège eine schwere Niederlage gegen die okzitanischen Truppen der Grafen Raimund VI. von Toulouse und Raimund Roger von Foix.
  • 5. Mai: Herzog Leopold VI. von Österreich verlässt den Kreuzzug und tritt die Heimreise an.
  • 14. Mai: William Marshal, englischer Ritter normannischer Abstammung, Regent und Lord Marshal von England, stirbt (* 1144).
  • Abbildung aus dem Armorial Gelre mit der ältesten bekannten Darstellung des Dannebrogs (um 1400)

    Abbildung aus dem Armorial Gelre mit der ältesten bekannten Darstellung des Dannebrogs (um 1400)

    15. Juni: Unter dem Vorwand, den Fünften Kreuzzug in Palästina zu unterstützen, siegt in der Schlacht von Lyndanisse ein königlich-dänisches Kreuzfahrerheer unter Waldemar II. über ein Aufgebot der heidnischen Esten und errichtet um die Festung Castrum Danorum die Stadt Tallinn. Der Legende nach fällt während der Schlacht der Danebrog vom Himmel und verheißt den Dänen den Sieg. Angeblich wird im Anschluss an die Schlacht auch der Danebrogorden gestiftet.

  • Die Kreuzfahrer verüben nach der Eroberung der Stadt Marmande ein Massaker an der Bevölkerung.
  • 17. Juni: Die Kreuzzugstruppen erreichen Toulouse. Nach einer mehrwöchigen Belagerung bricht Ludwig am 1. August den Kreuzzug ab und tritt die Rückreise nach Nordfrankreich an. Raimund VI. und sein Sohn Raimund VII. greifen daraufhin die verbliebenen Kreuzfahrer an und machen sich an die Rückeroberung des Languedoc.
  • Während des Kreuzzugs von Damiette predigt Franz von Assisi im Lager des Sultans Malik al-Kamil.
  • Juli: Nachdem Graf Sancho von Roussillon im Vorjahr die Regentschaft für die Krone Aragón zurückgelegt hat, bestimmt Papst Honorius III. einen neuen Regentschaftsrat für den minderjährigen König Jakob I. von Aragón. Diesem steht nun Vizegraf Wilhelm II. von Béarn als Prokurator vor. Um dieselbe Zeit verlässt der zehnjährige Jakob aus eigenem Willen die Burg von Monzón und schließt sich in Saragossa einer der konkurrierenden Adelsfraktionen des Landes an, in deren Gefolge er erste Kampferfahrungen sammelt.
  • September: Kaiser Friedrich II. wiederholt in Hagenau gegenüber Papst Honorius III. sein 1216 gemachtes Versprechen, einen Kreuzzug durchzuführen.
  • 4./5. November: Nach 19-monatiger Belagerung erobert der Fünfte Kreuzzug die ägyptische Hafenstadt Damiette. Die meisten Einwohner der Stadt sind während der Belagerung an Hunger und Krankheiten gestorben, die Verbliebenen werden nun getötet oder versklavt.
  • Pedro de Montaigu folgt dem am 26. August des Vorjahres vor Damiette vermutlich an Typhus verstorbenen Guillaume de Chartres als Großmeister des Templerordens.
  • Die lateinische Regentin Jolante von Flandern sucht einen friedlichen Ausgleich mit dem verfeindeten griechischen Kaiser von Nicäa, Theodor I. Laskaris, und verheiratet ihre Tochter Maria von Courtenay an diesen. Als Jolante wenig später stirbt, fordert Theodor die Herrschaft über Konstantinopel ein, was ihm die lateinischen Barone allerdings verwehren. Daraufhin kommt es zu neuerlichen Kämpfen zwischen den beiden Kaiserreichen. Jolantes Sohn Philipp II., Graf von Namur, lehnt die ihm angebotene Kaiserkrone ab und empfiehlt seinen jüngeren Bruder Robert, der sich auf den Weg in den Osten macht.
  • Beginn des Krieges der Mongolen gegen das Choresmische Reich
  • Dschingis Khan erobert Kirgisistan und Kasachstan.
  • Kaiser Friedrich II. erklärt Nürnberg zur freien Reichsstadt und verleiht Annweiler am Trifels die Stadtrechte.
  • Der dänische König Waldemar II. gründet das Bistum Reval.

1269 – vor 750 Jahren:

  • April: Nach dreijähriger Reise ins Mongolenreich treffen Niccolò Polo und sein Bruder Maffeo in Akkon ein.
  • 16. Juni: Bei seinem letzten Aufenthalt im Reich heiratet der gewählte deutsche König Richard von Cornwall in Kaiserslautern in dritter Ehe die sechzehnjährige Beatrix von Falkenburg. Richard ist zu diesem Zeitpunkt 60 Jahre alt.
  • 8. August: Pierre de Maricourt beschreibt in einem Brief mit dem Titel Epistola Petri Peregrini Maricurtensis de Magnete ein Perpetuum mobile auf magnetischer Grundlage. Der Brief gilt auch als erste auf experimentellen Untersuchungen beruhende Abhandlung über den Erdmagnetismus.
  • Im August empfängt der französische König Ludwig IX. in Paris den englischen Prinzen Edward Plantagenet, um mit ihm die Organisation des kommenden Kreuzzuges zu planen. Dabei wird der Hafen von Aigues-Mortes als Sammlungspunkt für die Flotte und der 15. August 1270 als Termin für die Abreise in die Levante festgelegt. Anlässlich dieses Kreuzzuges lässt der französische König erstmals eigene Schiffe bauen, während noch zwanzig Jahre zuvor Schiffe aus Genua und Marseille den Transport des Heeres übernommen hatten.
  • Während Ludwig IX. noch mit dem Bau seiner Flotte beschäftigt ist, sticht am 1. September König Jakob I. von Aragón mit seinen Schiffen von Barcelona aus in See. Aber noch in Küstennähe gerät er in einen Sturm und seine Flotte wird an die Küste zurückgedrängt, worauf er seinen Kreuzzug wieder beendet. Nur eine Schwadron unter der Führung zweier unehelicher Söhne des Katalanen erreicht im Dezember Akkon und geraten dort in erste Scharmützel mit den Mamluken.
  • Ottokar II. Přemysl (Codex Gelnhausen, 15. Jh.).

    Ottokar II. Přemysl (Codex Gelnhausen, 15. Jh.).

    27. Oktober: Als Herzog Ulrich III. aus dem Adelsgeschlecht der Spanheimer ohne Nachkommen stirbt, übernimmt der böhmische König Ottokar II. Přemysl aufgrund eines im Vorjahr in Podiebrad unterzeichneten Erbvertrages das Herzogtum Kärnten und die Mark Krain. Er gerät dadurch in Konflikt mit Ulrichs Bruder Philipp von Spanheim, der ebenfalls Anspruch auf das Erbe erhebt.

  • Der Begriff ‚Uhrmacher‘ taucht urkundlich erstmals in einer Bierrechnung des Zisterzienserklosters Beaulieu auf.
  • Thomas von Aquin erhält eine zweite Berufung auf einen der beiden Lehrstühle für Nichtfranzosen an der Universität Paris (bis 1272). Zu seinen Schülern gehören u. a. Petrus von Dacien, der das Studium generale am Konvent der Dominikaner in Köln verlässt und für ein Studienjahr nach Paris kommt, sowie der Augustiner-Eremit Aegidius Romanus (ebenfalls bis 1272). Aufgrund der 1267 von Gerhard von Abbeville veröffentlichten Streitschrift gegen die Bettelorden schreiben Thomas von dominikanischer und Bonaventura und Johannes Peckham von franziskanischer Seite Widerlegungen, auf die Gerhard wiederum mit Repliken antwortet, was sich bis 1271 hinziehen wird.

1319 – vor 700 Jahren:

  • 14. März: Mit der Bulle Ad ea ex quibus bestätigt Papst Johannes XXII. den von König Dionysius von Portugal gegründeten Christusorden und legt fest, dass alle Güter des von ihm verbotenen Templerordens an den neuen Orden übertragen werden und der Christusorden gemäß den Regeln des Ritterordens von Calatrava zu leben habe. Dem Abt des Zisterzienserklosters von Alcobaça wird die Jurisdiktion übertragen, weiterhin erhält er das Recht zur Abnahme des Treueids für den Hochmeister des Christusorden. Als Ordenshaus bestimmt Johannes XXII. die Festung von Castro Marim im Südwesten Portugals.
  • 8. Mai: In Norwegen stirbt das Geschlecht von Harfagr mit Håkon V. im Mannesstamm aus. Nachfolger wird sein dreijähriger Enkel Magnus Eriksson, der noch im selben Jahr auch zum König von Schweden gewählt wird. Seine Mutter Ingebjørg Håkonsdatter übernimmt die Vormundschaft, wobei es zu Spannungen mit der norwegischen und der schwedischen Ratsaristokratie kommt.
  • 14. August: In Brandenburg stirbt Markgraf Waldemar. Damit endet die Landesherrschaft der askanischen Markgrafen von Brandenburg. Mit dem Tod seines minderjährigen und deswegen noch nicht regierungsfähigen Neffen Heinrich das Kind ein Jahr später (1320) stirbt die Dynastie der askanischen Markgrafen von Brandenburg aus.
  • 7. September: In der Schlacht von Wöhrden vernichten die Dithmarscher ein holsteinisches und mecklenburgisches Invasionsheer, das unter Gerhard III. von Holstein in das Land einmarschiert ist. Es dauert 85 Jahre, bis wieder jemand versucht, Dithmarschen zu erobern.
  • Im Krieg mit Schottland belagert der englische König Eduard II. ab dem 7. September die Grenzstadt Berwick, deren Verteidigung von Walter Stewart, 6. High Steward of Scotland, und John Crab organisiert wird.
  • 12. September: Ein schottisches Heer umgeht die Belagerer und schlägt in der Schlacht bei Myton ein englisches Aufgebot, was schließlich am 17. September zum Abbruch der Belagerung von Berwick führt. Edward II. zieht sich bis zum 20. September nach Newcastle zurück. Ende Oktober überschreitet ein schottisches Heer die englische Grenze und plündert mehrere englische Städte. Im Dezember schließen die Kriegsparteien einen Waffenstillstand auf zwei Jahre.
  • 13. November: König Erik VI. von Dänemark stirbt. Als sein wahrscheinlichster Nachfolger wird sein Bruder Christoph gehandelt, der allerdings erst ein Jahr später vom Reichsrat zum König gewählt wird, nachdem er in einer Handfeste gegenüber dem Adel seine Rechte auf Steuereintreibung eingeschränkt hat.

1419 – vor 600 Jahren:

1519 – vor 500 Jahren:

  • Das Grossmünster in Zürich auf dem Murerplan (1576).

    Das Grossmünster in Zürich auf dem Murerplan (1576).

    Ulrich Zwingli kommt am 1. Januar nach drei Jahren in Einsiedeln als Leutpriester ans Grossmünsterstift in Zürich, wo er mit seinen Predigten das Volk und den Rat der Stadt von der Reformation überzeugt.

  • 12. Januar: Im Heiligen Römischen Reich stirbt Kaiser Maximilian I., dem sein Enkel Karl I., König von Spanien, unter dem Namen Karl V. auf den Thron nachfolgt. Karl, der bei der Wahl den französischen König Franz I. schlägt, wird damit in den nächsten Jahren zum Herrscher, „in dessen Reich die Sonne nicht untergeht“.
  • 28. Januar: Herzog Ulrich von Württemberg überfällt die Freie Reichsstadt Reutlingen und handelt sich damit einen Krieg mit dem Schwäbischen Bund ein.
  • 21. Februar: Der Regensburger Stadtrat ordnet die Vertreibung der Juden aus der Stadt an, nachdem christliche Handwerker das gefordert haben. Die Regensburger nutzen damit das Machtvakuum nach dem Tode Kaiser Maximilians I. Das alte Judenviertel wird zerstört und es entsteht die lukrative Wallfahrt „Zur schönen Maria“ auf dem heutigen Neupfarrplatz. Binnen zweier Wochen müssen alle Juden die Stadt verlassen. Das Ghetto wird samt Synagoge und Schule niedergebrannt, Pfänder werden beschlagnahmt, kostbare Pergamenthandschriften als Einbindematerial für Akten und Bücher missbraucht. Der Friedhof wird geschändet, die über viertausend Grabsteine meist zerstört, teilweise aber auch von Regensburger Bürgern mit Billigung des Rates entwendet und als sichtbare makabre Trophäe des „Sieges“ über die Juden in Hauswände eingemauert. Noch heute sind einige dieser sogenannten Judensteine erhalten.
  • Am 2. Mai stirbt Leonardo da Vinci, italienischer Universalgelehrter, Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph (* 1452).
  • In der Pleißenburg in Leipzig findet zwischen dem 27. Juni und dem 16. Juli unter der Vermittlung von Petrus Mosellanus ein theologisches Streitgespräch zwischen dem katholischen Theologen Johannes Eck und den führenden Vertretern der reformatorischen Bewegung, Martin Luther, Andreas Karlstadt und Philipp Melanchthon statt. Bei der Leipziger Disputation werden die wesentlichen Unterschiede zwischen katholischer und reformatorischer Lehre dokumentiert. Außerdem gelingt es Eck, Luther zu der Aussage zu verleiten, dass nicht alle Thesen des Jan Hus ketzerisch seien. Dies bedeutet den endgültigen Bruch zwischen Luther und Rom. Nach dem Ende der Disputation, deren Abschlussrede der Rektor der Universität Leipzig, Johann Langius Lembergius, hält, beanspruchen beide Seiten den Sieg für sich.
  • 28. Juni: Der spanische König Karl I. gewinnt gegen Franz I. von Frankreich die Wahl zum römisch-deutschen König. Kurz vor der Wahl ist Friedrich III. (der Weise) als Kandidat zurückgetreten.
  • 21. April: Der spanische Konquistador Hernán Cortés landet an der Küste Mexikos in der Nähe der heutigen Stadt Veracruz.
  • Zwischen dem Hochstift Hildesheim und den welfischen Fürstentümern Braunschweig-Wolfenbüttel und Calenberg bricht die Hildesheimer Stiftsfehde aus. Nach vergeblichen Belagerungen der Festungen in Calenberg und in Hildesheim durch hildesheimische beziehungsweise braunschweigische Truppen sowie zahlreiche Verwüstungen und Plünderungszüge beider Seiten gegen die Zivilbevölkerung, wobei unter anderem auch die Burg Peine vergeblich belagert und die Stadt Peine abgebrannt wird, erlebt die Fehde am 28. Juni ihren Höhepunkt mit der Schlacht bei Soltau, der letzten bekannten Ritterschlacht. Die Hildesheimer unter Fürstbischof Johannes IV. von Sachsen-Lauenburg besiegen die braunschweigischen Truppen vernichtend, töten 3.500 Männer und nehmen Erich von Calenberg sowie viele Adlige gefangen. Fürst Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel ruft daraufhin den neuen Kaiser Karl V., mit dem er gute Beziehungen pflegt, als Schiedsrichter an.
  • Nachbau der Victoria.

    Nachbau der Victoria.

    10. August: Von Sevilla aus beginnt Ferdinand Magellan seine geplante Weltumsegelung. Seine Flotte, bestehend aus den Schiffen Trinidad, San Antonio, Concepción, Victoria und Santiago, segelt den Guadalquivir hinab in Richtung Ozean. In Sanlúcar de Barrameda muss Magellan erst einmal fünf Wochen warten, da die spanischen Behörden versuchen, die Fahrt des gebürtigen Portugiesen zu behindern. Erst am 20. September kann die Flotte in See stechen.

  • 11. August: Johann Tetzel, seit 1504 Ablassprediger in verschiedenen deutschen Ländern, stirbt (* 1465).
  • 15. August: Der spanische Konquistador Pedro Arias Dávila gründet den Ort Panama-Stadt.
  • 31. Dezember: Der Reiterkrieg zwischen dem Deutschen Orden und Polen beginnt mit dem Überfall auf die ermländische Stadt Braunsberg durch den Großmeister Albrecht von Brandenburg-Preußen. Es ist der letzte militärische Versuch des Ordens, den Deutschordensstaat in Ostpreußen von der Vormundschaft Polens zu befreien.
  • Ende des Jahres: Auf Anweisung der Grafen Schlik werden noch ohne Genehmigung in der Münzstätte Sankt Joachimsthal in Böhmen vermutlich die ersten Joachimstaler geschlagen.
Joachimstaler, 1525.

Joachimstaler, 1525.

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