Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2022

Willkommen im Jahr 2022 – dem dritten, in dem uns die Corona-Pandemie begleiten und unseren Alltag prägen wird. Bleibt zu hoffen, dass es nicht das dritte Jahr wird, in dem Veranstaltungen, Kurse etc. weitestgehend ausfallen müssen …

2022 ist auch das Jahr, in dem sich die Ersterwähnung meiner Wahlheimat Neunstetten zum 800. Mal jährt, wenngleich der Ort vermutlich schon etwas älter ist.
Welche Ereignisse, Orte und Personen der mittelalterlichen Geschichte können in diesem Jahr sonst noch ein Jubiläum begehen? Hier wieder der jährliche, unvollständige, subjektive und schamlos eurozentrische Überblick.

Vor mehr als 1.000 Jahren

1022 – vor 1.000 Jahren

1122 – vor 900 Jahren

  • Geboren um 1122: Friedrich Barbarossa, Herzog von Schwaben, römisch-deutscher König, später Kaiser: ein Anführer des dritten Kreuzzugs († 1190).
  • Geboren um 1122: Eleonore von Aquitanien, Herzogin von Aquitanien, Königin von England und Königin von Frankreich († 1204).
  • Der byzantinische Kaiser Johannes II. Komnenos besiegt die über die Donau eingefallenen Petschenegen in der Schlacht bei Beroe (Berrhoia) und zerschlägt damit die Petschenegen als unabhängige Nationalität.
  • Georgier erobern Tiflis von den Seldschuken. Ihr König Dawit IV. der Erbauer verlegt seine Residenz daraufhin von Kutaissi nach Tiflis.
  • Geburt von Wilhelm I., König von Sizilien, König von Neapel und Fürst von Tarent († 1166).
  • Meinhard wird als Nachfolger des am 17. September verstorbenen Hermann zum Bischof von Prag gewählt. Noch im selben Jahr schließt er sich einem Kreuzzug nach Jerusalem an.

    Kaiserliche Urkunde (Heinricianum) des Wormser Konkordats, ausgestellt am 23. September 1122 (Città del Vaticano, Archivio Segreto Vaticano, A. A., Arm. I-XVIII, 62.)

    Kaiserliche Urkunde (Heinricianum) des Wormser Konkordats, ausgestellt am 23. September 1122 (Città del Vaticano, Archivio Segreto Vaticano, A. A., Arm. I-XVIII, 62.)

  • 23. September: Mit dem Wormser Konkordat wird der Investiturstreit zwischen Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II. beigelegt. Die Kompromisslösung des als Pactum Calixtinum sive Heinricianum bezeichneten Konkordats geht unter anderem auf Ivo von Chartres zurück, der jedoch den Abschluss nicht mehr selbst erlebt. Kaiser Heinrich V. akzeptiert den Anspruch der Kirche auf die Investitur mit Ring und Stab, den Symbolen für die geistliche Ehe mit der Kirche und das priesterliche Hirtentum. Die Bischöfe werden durch die Domkapitel gewählt. Im Gegenzug räumt Papst Calixt II. ein, dass die Wahl der deutschen Bischöfe und Äbte in Gegenwart kaiserlicher Abgeordneter verhandelt, und der Gewählte dann mit den Hoheitsrechten, die mit seinem geistlichen Amt verbunden sind, vom Kaiser durch das Zepter als weltlichem Investitursymbol belehnt werden soll („Zepterlehen“).

1222 – vor 800 Jahren

1322 – vor 700 Jahren

1422 – vor 600 Jahren

1522 – vor 500 Jahren

  • 9. Januar: Der Deutsche Adrian von Utrecht wird auf dem Konklave 1521–1522 als Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Leo X. zum Papst gewählt. Er nimmt den Namen Hadrian VI. an.
  • Februar: Der Comuneros-Aufstand in Spanien wird endgültig niedergeschlagen.
  • 11. Februar: Die Victoria, eines der beiden letzten verbliebenen Schiffe der Weltumsegelung des im Vorjahr ums Leben gekommenen Ferdinand Magellan, sticht unter dem Befehl von Juan Sebastián Elcano von Timor aus in See und macht sich an die Überquerung des Indischen Ozeans. Die Heimreise ist von schwierigen Wetterbedingungen gekennzeichnet.
  • 9. März: Der Bruch des Fastengebots mit einem Wurstessen am ersten Sonntag des Fastenmonats im Haus des Druckers Christoph Froschauer in Zürich gilt als „Urdatum“ für die Reformierte Kirche. Ulrich Zwingli verteidigt die Aktion mit dem Argument, dass Fasten kein göttliches Gesetz sei. Bereits am Aschermittwoch, dem 5. März, ist ein Bruch des Fastengebots als Ordnungswidrigkeit in Zürich aktenkundig geworden.
  • 9. bis 16. März: Martin Luther hält acht Invokavitpredigten.
  • 28. März: Albrecht Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach († 1557) geboren.
  • 27. April: In der Schlacht bei Bicocca setzen sich in Norditalien die Truppen Kaiser Karls V. gegenüber dem vom französischen König Franz I. entsandten Heer durch. Arkebusen und Artillerie der kleineren spanisch-habsburgischen Streitmacht sind entscheidend im Waffengang. Das Herzogtum Mailand gerät nach der Schlacht in den kaiserlichen Machtbereich.
  • 19. Juni: Im Vertrag von Windsor vereinbaren der englische König Heinrich VIII. und Kaiser Karl V. einen gemeinsamen Angriffsplan gegen Frankreich. Infolge des Vertrags greifen die Engländer im Juli von Calais aus die Bretagne und die Picardie an. König Franz I. von Frankreich kann aus Geldmangel keine großen Söldnerheere aufstellen, um Widerstand zu leisten, und die englische Armee brandschatzt und plündert in diesen Regionen.

    Angreifende Janitscharen und verteidigende Johanniter bei der Belagerung von Rhodos 1522. Zeitgenössische Darstellung.

    Angreifende Janitscharen und verteidigende Johanniter bei der Belagerung von Rhodos 1522. Zeitgenössische Darstellung.

  • Das Osmanische Reich beginnt unter dem Befehl von Çoban Mustafa Pasha am 26. Juni mit der Belagerung von Rhodos. Die Insel wird von den Johannitern verteidigt, die seit dem Jahr 1306 im Besitz der Insel sind. Die osmanische Flotte besteht aus fast 300 Schiffen, das Invasionsheer ist möglicherweise bis zu 160.000 Mann stark und umfasst eine Elite-Truppe von etwa 10.000 Janitscharen. Die osmanischen Kriegsschiffe beginnen die Belagerung mit der Blockade des Hafens von Rhodos.
  • 30. Juni: Johannes Reuchlin, deutscher Philosoph und Humanist (* 1455) gestorben.
  • 9. Juli: Die Victoria erreicht die Kapverdischen Inseln. Die Portugiesen versuchen, die Heimkehr des Schiffes zu verhindern und nehmen 13 spanische Besatzungsmitglieder gefangen. Wegen des schlechten Zustands des Schiffes verzichtet Elcano auf eine Befreiungsaktion und segelt Richtung Heimat.
  • August: Beim Wiener Neustädter Blutgericht werden führende Mitglieder der Ständeopposition, der Wiener Bürgermeister Martin Siebenbürger, die Adeligen Michael von Eytzing und Hans von Puchheim, wie auch die Ratsherren Hans Rinner, Stefan Schlagindweit, Friedrich Pietsch, Martin Flaschner und Hans Schwarz, nach einer Anklage durch Markus Beck von Erzherzog Ferdinand I. hingerichtet. Wien und Wiener Neustadt unterstehen jetzt direkt kaiserlicher Kontrolle. Das Vermögen der Hingerichteten wird konfisziert.
  • Im August wählt eine Versammlung von 600 oberrheinischen und fränkischen Rittern, die am Ende des Mittelalters mit wirtschaftlichen Problemen und sozialem Abstieg zu kämpfen haben, in Landau den berühmten Ritter und Söldnerführer Franz von Sickingen zu ihrem Bundeshauptmann.
    Angeheizt von der aggressiven Polemik Ulrichs von Hutten, der zum „Pfaffenkrieg“ gegen Fürsten und Klerus aufruft, greift von Sickingen zu den Waffen und beginnt den Ritterkrieg. Allerdings überschätzt er offenbar die Solidarität des Ritteradels; zwar zieht er durch sein wagemutiges Auftreten und die territoriale Machtbasis, auf die er sich stützen kann, zahlreiche Ritter an sich, eine reichsweite Erhebung bleibt indessen aus. Die meisten Adelsfamilien verhalten sich abwartend und machen ihre spätere Teilnahme vom vorherigen Erfolg des Unternehmens abhängig.
    Rasch bildet sich gegen Sickingens Aufstand eine Fürstenkoalition, bestehend aus dem Trierer Erzbischof und Kurfürsten Richard von Greiffenklau zu Vollrads, Pfalzgraf Ludwig V. und Landgraf Philipp I. von Hessen. Im September muss die Belagerung von Trier durch die Aufständischen abgebrochen werden, Sickingen muss sich auf seine Burg Nanstein bei Landstuhl zurückziehen.
  • 24. August: Gaspard I. de Coligny, seigneur de Châtillon, französischer Adeliger und Marschall von Frankreich, Gouverneur der Champagne sowie der Picardie (* 1465 oder 1470) gestorben.
  • 7. September: Mit der Ankunft im Ausgangshafen Sanlúcar de Barrameda vollendet die Expedition von Juan Sebastián Elcano die erste Weltumsegelung. Von den ursprünglich 237 Besatzungsmitgliedern kehren nur 18 wieder zurück. Trotz sorgfältiger Buchführung fehlt der Mannschaft außerdem ein Tag im Kalender. Erst viel später wird die Notwendigkeit einer Datumsgrenze erkannt.
  • September: Auf der Leipziger Buchmesse veröffentlicht Luther das Septembertestament, eine Übersetzung des Neuen Testaments.
  • Am 27. Oktober stellen die Johanniter auf Rhodos fest, dass der Großkanzler des Ordens, André do Amaral, einen seiner Diener damit beauftragt hat, insgeheim Botschaften in das osmanische Lager zu feuern. Beide Männer werden deshalb des Hochverrats bezichtigt und hingerichtet. Für den 11. bis 13. Dezember wird ein Waffenstillstand vereinbart, um so Verhandlungen zu ermöglichen. Die von den Osmanen geforderte Kapitulation der Stadt wird jedoch abgelehnt, so dass die Kämpfe wieder aufflammen.
  • 14. November: Anne de Beaujeu, Herzogin von Bourbon und Regentin von Frankreich (* 1461) gestorben.
  • Den Osmanen vor Rhodos gelingt am 17. Dezember die Eroberung des „Turms von Spanien“, was die Verteidigung der Stadt praktisch unmöglich macht. Die Johanniter kapitulieren daraufhin am 22. Dezember unter der Bedingung, dass ihnen freier Abzug gewährt wird. Am 1. Januar 1523 verlassen sie und mit ihnen mehrere Tausend Einheimische die Insel.
    Die Eroberung von Rhodos ist für das Osmanische Reich ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur vollständigen Herrschaft über das östliche Mittelmeer. Die Johanniter lassen sich nach ihrer Vertreibung von Rhodos zunächst auf Kreta nieder.
  • In Nizza läuft am 21. Dezember die Karacke Santa Anna vom Stapel, eines der größten und modernsten Schiffe seiner Zeit. Ihre Besonderheit ist ihr teilweise mit Bleiplatten beschlagener Rumpf, den einige Autoren als eine frühe Form der Schiffpanzerung betrachten, während andere die Verringerung der Wasserdurchlässigkeit als Hauptzweck ansehen. Die Bewaffnung der Santa Anna ist für 500 Soldaten ausgelegt. Im Schiff ist eine Schmiede untergebracht, in der mehrere Waffenschmiede auch auf hoher See ihrer Arbeit nachgehen können. Das Schiff hat sogar eine eigene Windmühle und Backöfen an Bord, mit denen die Besatzung mit frischem Brot versorgt wird. Darüber hinaus besitzt die Santa Anna einen Garten mit Pflanzen, die in Blumenkästen entlang der Heckgalerie aufgehängt sind.

    Die Santa Anna, Zeichnung aus dem 18. Jh.

    Die Santa Anna, Zeichnung aus dem 18. Jh.

  • Die Burg Peine wird während der Hildesheimer Stiftsfehde neuerlich vergeblich belagert. Das Hochstift Hildesheim wird durch Kaiser Karl V. mit der Reichsacht belegt.
  • Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen lässt den Schautaler Friedrichs des Weisen prägen. Dieser zeigt auf der Vorderseite das Porträt des sächsischen Kurfürsten mit Barett und auf der Rückseite ein Blumenkreuz, in dessen Winkeln die Anfangsbuchstaben der Worte seines Wahlspruchs stehen. Den Prägestempel der Vorderseite schneidet Hans Krafft der Ältere in Nürnberg nach einem Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren.
  • Eleonora von Toledo, Herzogin von Florenz, Ehefrau von Cosimo I. Medici († 1562) geboren.
  • Leonhard Wagner, deutscher Kalligraph, Mönch des Benediktinerordens (* 1453) gestorben.

 

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