Mai

Der mens maius war ursprünglich der dritte, seit der julianischen Reform der fünfte Monat des römischen Kalenders. Benannt ist er wahrscheinlich nach der römischen Göttin Maia, doch so ganz sicher war man sich da bereits in der Antike nicht mehr – der Name könnte sich auch von den Altvorderen, den maiores ableiten.
Im Mittelalter war der Mai auch unter anderen Bezeichnungen bekannt. Karl der Große benannte ihn im 8. Jahrhundert als wunnimanot, neuhochdeutsch eigentlich „Weidemonat“, doch ging diese Bedeutung im Zuge der Sprachveränderung verloren und daraus wurde der „Wonnemonat“ im noch heute bekannten Sinn. Wiesen-, Blumen- oder Blühemond waren weitere Namen, die sich auf das Erwachen und Erblühen der Natur bezogen.

Der „Mayen“ war des Minnesängers größte Freudenzeit: In unzähligen Liedern werden die Vertreibung des Winters, die Rückkehr der vogellîn und die Farbenpracht der bluomen besungen. So dichtete z.B. Konrad von Altstetten:

„Der sumer hât den meien
froelich vür gesant,
der sol fröide heien
und daz er si erkant,
wan er vertriben was.
ir kint, ir sint niht laz,
ir brüevent in, er bringt iuch bluomen unde gras. […]“

(„Der Sommer hat den Mai fröhlich vorausgesandt, damit er Freude pflanzt und auch damit der Sommer wiedererkannt wird, der zuvor vertrieben war. Ihr Kinder, ihr seid nicht träge, ihr erkennt ihn, er bringt euch Blumen und Gras.“)
[Vollständiger Text und ein weiteres Maigedicht aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift hier.]

Variante der Maifahrt: Bootstour junger Leute mit Musik inmitten grüner Landschaft. Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 6v.

Variante der Maifahrt: Bootstour junger Leute mit Musik inmitten grüner Landschaft. Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh. München, StB, cod. lat. 23638, fol. 6v.

Das gleiche Thema greifen auch die meisten Monatsbilder der mittelalterlichen Stundenbücher auf. Es dominieren grüne, üppig blühende Landschaften, in denen farbenfroh gekleidete Menschen zu Pferd oder beim Picknick die milden Temperaturen in der Natur genießen. Die Personifikation des Mai ist meist ein junger, hübscher Bursche, der auf einem Schimmel reitend einen symbolischen Blumenstrauß in die Welt trägt (wenngleich ein Fresco in Sta. Maria del Castello in Mesocco, Kanton Graubünden bereits den April in dieser Weise darstellt – im Süden begann der Frühling eben etwas früher).

Im Mai begann auch wieder die Reisezeit, die Wege waren wieder trocken und begehbar, die Saison der Pilgerfahrten begann. Kaufleute machten sich auf den Weg zu den großen Messen und Märkten, wo die ersten landwirtschaftlichen Produkte des Frühlings und die über den Winter angefertigten Handwerkserzeugnisse, allen voran Wolltuche gehandelt wurden.
Wie der Name „Weidemonat“ schon andeutet, wurde nun das Vieh auf die Weiden getrieben, außerdem standen umfangreiche Gartenarbeiten an. Insbesondere Hülsenfrüchte mussten gesät werden, zudem brachte das Erwachen der Natur auch eine Menge Unkraut mit sich.

Ein junges Paar reitet zur Falkenjagd: Darstellung des Monats Mai in einer Wandmalerei der Kirche Sta. Maria del Castello, 13. Jh.

Ein junges Paar reitet zur Falkenjagd: Darstellung des Monats Mai in einer Wandmalerei der Kirche Sta. Maria del Castello, 13. Jh.

Der Beginn des Wonnemonats wurde vielerorts mit Prozessionen, Umritten, Umgängen und verschiedenen Feierlichkeiten begangen, die in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert dokumentiert sind. Dazu zählen auch die Errichtung von Maibäumen, deren Ursprung in germanischen Fruchtbarkeitsriten umstritten ist, und der Tanz in den Mai.
Traditionell überreichten junge Burschen ihrer Auserwählten am 1. Mai ein Zeichen ihrer Zuneigung in Form eines Blumenstrauß‘, Blumenkranzes oder geschmückten Schößlings (meist einer Birke). Mancherorts war es Brauch, unter den unverheirateten Mädchen eine Maikönigin zu wählen.
In der Zeit zunehmender Marienverehrung seit dem späten Hochmittelalter wurde der Mai von der Kirche zum „Marienmond“ erklärt und die Gottesmutter mit der „himmlischen Maikönigin“ gleichgesetzt. Die auf diese Tradition gegründeten Maiandachten wurden jedoch erst zur Zeit des Barock populär.

Der 1. Mai war auch der Tag der Heiligsprechung der aus England stammenden Äbtissin und Missionarin Walburga (ca. 710-779/80), die zunächst in Tauberbischofsheim, später in Heidenheim wirkte. Daher ist der Vorabend ihres Feiertags auch als „Walpurgisnacht“ bekannt, doch deren Verbindung mit dem „Hexensabbat“ auf dem Blocksberg ist neuzeitlichen Ursprungs. Ihr Gedenktag wurde später auf dem 25. Februar, das mutmaßliche Datum ihres Todes verlegt.

Das Fest der Aufnahme Christi in den Himmel wurde (und wird) 40 Tage nach dem Ostersonntag begangen, also stets an einem Donnerstag zwischen dem 30. April und dem 3. Juni. An den drei Bitttagen vor Christi Himmelfahrt wurde mit Prozessionen und Feldumgängen für eine gute Ernte gebetet.
Mit Pfingsten am 50. Tag nach Ostern (frühestens 10. Mai, spätestens 13. Juni) endet der Osterfestkreis. Gefeiert wurde die Entsendung des Heiligen Geistes, die mit dem Missionsauftrag an die Jünger verbunden war. Auch an Pfingsten waren im Mittelalter vielerorts Prozessionen, Umritte, Feldumgänge und verschiedene Fruchtbarkeitsrituale verbreitet.

Die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Hortus Delicarum der Herrad von Landsberg, um 1180.

Die Aussendung des Heiligen Geistes auf die Apostel. Hortus Delicarum der Herrad von Landsberg, um 1180.

Ein wichtiger Termin war außerdem der Tag des hl. Urban am 25. Mai, an dem üblicherweise der Obst- und Weinzehnt fällig war. Der Lämmerzehnt musste meist am Tag der hl. Walburga geleistet werden. Als sogenannte Eisheilige galten die Tage vom 11. bis zum 15. Mai, an denen der volkstümlichen Überlieferung zufolge noch einmal mit Frostnächten zu rechnen sei.

Alle bisherigen Monate des mittelalterlichen Jahreslaufs.

2 Gedanken zu „Mai

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