April

Während die meisten Monate nach römischen Gottheiten benannt sind (z.B. Januar, März) oder auf ihre ehemalige Rangfolge im Jahreslauf verweisen (z.B. September – der Siebte, Oktober – der Achte etc.), ist der Ursprung des Namens „April“ ungeklärt. Ein Bezug zur Liebesgöttin Aphrodite erscheint unwahrscheinlich, da deren römischer Name Venus lautete. Möglich ist eine Verbindung zum lateinischen Verb aperire, öffnen und damit zum Aufblühen der Natur, doch wäre eine solche Bezeichnung die Ausnahme im römischen Kalender.

Personifikation des April, Wandmalerei in Sta. Maria del Castello (Mesocco, Kanton Graubünden, Schweiz), um 1560.

Personifikation des April, Wandmalerei in Sta. Maria del Castello (Mesocco, Kanton Graubünden, Schweiz), um 1560.

Nicht durchsetzen konnte sich der von Karl dem Großen eingeführte Name „Ostermond“. Der Ostersonntag als Tag der Auferstehung Christi war und ist der wichtigste Feiertag des Christentums. Sein Termin war 325 auf dem Konzil von Nicäa auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt worden und liegt daher zwischen dem 22. März und dem 25. April, das Osterfest fällt also in den meisten Jahren in den vierten Monat des Jahres. An Ostern endete die vierzigtägige Fastenzeit und begann die fünfzigtägige österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten andauerte (siehe auch März).

Wenngleich das Wetter im April bekanntlich noch recht unbeständig sein kann („April, April, der macht, was er will“), erwacht in diesem Monat die Natur und lockt die Menschen endgültig wieder vor die Tür. Darauf bezieht sich der alte Monatsname „Wandelmond“: Er hat nichts mit der Verwandlung zu tun, sondern mit dem Wandeln, also Spazierengehen im Freien. Mittelalterliche Monatsbilder insbesondere aus Italien und Frankreich zeigen häufig wohlgekleidete Damen und Herren, die sich im Grünen ergehen oder ein Picknick abhalten. Ebenfalls recht häufig dargestellt werden Lämmer, die meist zu Beginn des Monats zur Welt kommen.

Auf den grünen Teppich, der nun nach und nach wieder die Brachflächen bedeckte, bezieht sich der alte Name „Grasmond“. Das Vieh konnte allmählich wieder auf die Weide getrieben werden. Weitere typische landwirtschaftliche Tätigkeiten umfassten das Beschneiden und Pfopfen der Weinreben, Beschnitt der Obstbäume und Ausbringen von Dung, der sich über den Winter im Stall angesammelt hatte. Ferner wurde der Nutzgarten gejätet und die ersten Gemüsesorten gepflanzt.
Wenn nicht schon im März, so konnte spätestens im April der Baubetrieb wieder aufgenommen werden. Das im Herbst geschlagene Holz war über den Winter zu Pfosten und Balken gehauen worden und konnte nun zugerichtet und auf der Baustelle zu einem Pfosten- oder Ständerbau zusamengefügt werden. Auch Maurerarbeiten waren wieder möglich, der frostempfindliche Kalkmörtel ließ sich bei den wärmeren Temperaturen gefahrlos verarbeiten.

Reiche Paare ergehen sich in der erwachenden Natur. Aus einem fläm. Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh.

Reiche Paare ergehen sich in der erwachenden Natur. Aus einem fläm. Stundenbuch von Simon Bening, 1. Hälfte 16. Jh.

Ein wichtiger Feier- und Gedenktag des Monats war der Tag des hl. Georg am 23. April. Der Märtyrer zählte zu den 14 Nothelfern, galt als Schutzpatron zahlreicher Berufe (u.a. Bauern, Böttcher, Sattler, Schmiede), Adelsfamilien, Städte, Ritterorden, Schützengesellschaften und Länder. Besonders ausgeprägt war seine Verehrung in England, wo er 1222 zum Nationalheiligen erhoben wurde.
Auch im deutschsprachigen Raum fanden am Georgstag zahlreiche Kirchweih- und andere Feste statt, oft verbunden mit Prozesionen oder Umritten. In mittelalterlichen Verträgen ist oft die Rückzahlung von Krediten oder Zinsen auf diesen Tag datiert. Außerdem endete am Georgstag die Brausaison, bis zu St. Michaeli am 29. September wurde kein mehr Bier gebraut, da es mangels Kühlmöglichkeiten während der Sommermonate zu schnell verdorben wäre.
Am 23. April 1516 wurde die bayerische Landordnung erlassen, welche einen Passus zu erlaubten Zutaten des Bierbrauens enthält und heute meist als „Reinheitsgebot“ zitiert wird:

„Item wir ordnen / setzen / und wöllen mit Rathe unnser Lanndtschaft / das füran allennthalben in dem Fürstenthumb Bayrn / auff dem Lande / auch in unnsern Stettn unn Märckthen / da deßhalb hieuor kain sonndere ordnung ist / von Michaelis biß auff Georij / ain mass oder kopffpiers über ainen pfenning Müncher werung / unn von sant Jorgentag / biß auff Michaelis / die mass über zwen pfenning derselben werung / und derenden der kopff ist / über drey haller / bey nachgesetzter Pene / nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. Wo auch ainer nit Mertzn / sonder annder pier prawen / oder sonst haben würde / sol Er doch das / kains wegs höher / dann die maß umb ainen pfenning schencken / und verkauffen. Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn. […]“

Seit 1994 gilt der 23. April daher als „Tag des deutschen Bieres“.

Der April als Narr. Kopie (17. Jh.) einer Zeichnung des spätantiken Kalligraphen Filocalus von 354.

Der April als Narr. Kopie (17. Jh.) einer Zeichnung des spätantiken Kalligraphen Filocalus von 354.

Der Brauch, jemanden in den April zu schicken, ist erst seit dem 17. Jahrhundert belegt. Als „närrischer Monat“ war der April jedoch schon deutlich länger bekannt, wenngleich die Gründe dafür im Dunklen liegen.

4 Gedanken zu „April

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