Fundstücke KW 44

Mit einer Woche Verspätung haben nun auch deutschsprachige Medien wie z.B. die SZ die Meldung vom in Norwegen von einem Wanderer gefundenen „Wikingerschwert“ aufgenommen. Doch wenngleich es sich dabei um einen tollen Zufallsfund handelt: Ein Sax ist kein Schwert, sondern eine einschneidige Klingenwaffe und damit streng genommen ein Messer. (Ungeachtet dessen übrigens, was Wikipedia schreibt!)

Der Streit um den sogenannten Welfenschatz mit Reliquien des 11. bis 15. Jahrhunderts zwischen Nachfahren jüdischer Kunsthändler und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz geht in eine neue Runde, wie derstandard.at berichtet.

Nachbau zerstörter oder gefährdeter archäologischer Stätten mit Hilfe von 3D-Druckern, um das kulturelle Erbe und „die Geschichte für kommende Generationen [zu] bewahren“? Noch einmal derstandard.at.

Auf mittelalter.hypotheses.org gibt es den Rezensionsüberblick Oktober 2015.

Was ist das Leben? Die FB-Seite Discarding Images hat eine schöne mittelalterliche Bildmetapher dafür gefunden:

Augustinus, La Cité de Dieu. Frankreich, ca. 1450 (Strasbourg, Bibliothèque nationale et universitaire, ms. 523, fol. 54r.)

Augustinus, La Cité de Dieu. Frankreich, ca. 1450 (Strasbourg, Bibliothèque nationale et universitaire, ms. 523, fol. 54r.)

Fundstücke KW 43

Am 25. Oktober jährte sich zum 600. Mal die Schlacht von Azincourt. Dazu erschien ein Artikel in der Welt – und jede Menge Beiträge online:
Die Royal Armouries haben eine Art virtuelle Ausstellung kreiert (engl.). Außerdem wurde ein riesiges Diorama mit Zinnfiguren geschaffen und am Freitag installiert.
Es gibt eine offizielle Seite zum Jubiläum der Schlacht sowie zahlreiche Veranstaltungen (engl.).
Medieval Histories empfiehlt die wichtigste Literatur zum Thema (engl.).
Die BBC hat allerdings auch eine Liste von 9 Schlachten, die historisch bedeutender waren als jene am 25. Oktober 1415 (engl.).
Auf medievalists.net räumt die britische Historikerin Anne Curry mit einigen Mythen zur Schlacht auf (engl.). Ihren Ablauf präsentiert Matthew Bennett in einem Vortrag (engl.).

Der Langbogen spielte in Agincourt eine entscheidende Rolle, und daher ist es nicht verwunderlich, dass vergangene Woche auch zu diesem Thema eine Menge Beiträge erschienen. „Warum war der Langbogen so effektiv?„, fragt etwa Danièle Cybulskie auf medievalists.net und schiebt gleich noch „5 Fun Facts“ über mittelalterliche Bogenschützen hinterher (engl.).
Die Rolle der Langbogenschützen des Hundertjährigen Krieges bei der „Infanterie-Revolution“ beleuchtet John J. Mortimer (engl.).

Sonst noch etwas? Ja, im Mittelalter vergifteten sich reiche Dänen mit Bleigeschirr, wie derstandard.at schreibt.

Das Schlachtschiff Heinrichs VIII., die „Holigost“, soll mit modernsten technischen Methoden untersucht werden, berichtet Angelika Franz im Spiegel.

Kriegsschwert, Passau 1350-1400. (c) Royal Armouries, Leeds/UK.

Bild der Woche: Kriegsschwert, Passau 1350-1400. (c) Royal Armouries, Leeds/UK.

Fundstücke KW 42

In einem Fluss in England sind vermutlich die Überreste eines Schiffs aus der Flotte Henrys V. gefunden worden. Hier geht es zur Meldung auf derstandard.at, hier zur originalen Mitteilung von Historic England.

Und noch zwei Meldungen zur Archäologie von derstandard.at: Bei Hannover wurde ein römisches Marschlager entdeckt.
Die bei den Bauarbeiten zu Stuttgart 21 gemachten Funde konnten inzwischen in die Bronzezeit datiert werden
.

Im AFM Oerlinghausen wurden auf frühmittelalterliche Weise Garne und Tuche gefärbt, die NW berichtet.

A propos FrühMi: Was passiert eigentlich derweil auf dem „Campus Galli“? Hiltibold fasst den dortigen Stillstand und Pfusch der vergangenen Monate zusammen.

Daniel Ossenkop schrieb diese Woche über die soziale Stellung der Frau im Mittelalter – kein einfaches Thema, denn natürlich gab es weder DAS Mittelalter, noch DIE Frau oder DIE soziale Stellung.

Das Konzept "Gleichberechtigung" wäre den Menschen im Mittelalter unsinnig und widernatürlich erschienen.

Das Konzept "Gleichberechtigung" wäre den Menschen im Mittelalter unsinnig und widernatürlich erschienen.

Fundstücke KW 41

Vortrag von Andreas Sturm auf der EXAR-Jahrestagung: „Ärgernis Authentizität: Antrieb der Performativen Geschichtsdarstellung“ (Download, pdf-Dokument).

Wie wir im Mittelalter lebten“ – Video aus der Reihe „Geschichte im Südwesten“ im Rahmen der ARD-Themenwoche „Heimat“ (SWR-Mediathek).

Im Erfurter Ursulinenkloster haben Archäologen bei Ausgrabungen Hinweise auf die älteste Brauerei der Stadt gefunden, wie Angelika Franz im Spiegel berichtet. Dass Bierbrauen Frauensache war, ist allerdings keine neue und schon gar keine überraschende Erkenntnis …

Woher kam das Baumaterial für das Ulmer Münster? Die Bauforscherin Anne-Christine Brehme hat neue Erkenntnisse, wie die Südwest-Presse vermeldet (mit Dank an Herrn Jablonski für den Hinweis!).

Spiegel Online gratuliert der Prager Rathausuhr zum 605. Geburtstag.

Mittelalterlicher Humor: „K“-Initialein einer illuminierten Handschrift von 1516 …

Cambrai, Bibliothèque municipale, MS. 125B, fol. 110r.

Cambrai, Bibliothèque municipale, MS. 125B, fol. 110r.

Fundstücke KW 40

Die berühmten mittelalterlichen Schachfiguren von Lewis könnten auf Island hergestellt worden sein, wie Jan Osterkamp auf spektrum.de schreibt.

Die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen.Lippe (LWL) sind mit dem bisherigen Verlauf der Ausgrabungen in der Herforder Innenstadt sehr zufrieden, meldet Archäologie online.

In Norwegen kann man jetzt eine neue, anerkannte Berufsausbildung absolvieren – als Wikinger … André Anwar berichtet in der Sächsischen Zeitung.

Der BR berichtet vom Ökologisch-Botanischen Garten in Bayreuth, der sich u.a. um mittelalterliche Nutzpflanzen kümmert.

Pünktlich zum 1. Oktober: Der Rezensionsüberblick September auf mittelalter.hypotheses.org.

Welches sind die zehn schönsten mittelalterlichen Manuskripte? Eine persönliche Auswahl präsentiert Giovanni Scordioni auf medievalists.net.
Darunter auch dieses einmalige Stück mit 121 schwarzen Blättern:

Black Hours (M. 493 › Morgan Library & Museum)

Black Hours (M. 493 › Morgan Library & Museum)

 

Oktober

Wie schon der September verweist auch der Oktober mit seinem Namen auf die alte römische Zählweise, die das Jahr mit dem März beginnen ließ. Entsprechend war der mens october der achte Monat (lat. octo = acht), was sich mitunter in historischen Datumsangaben niederschlägt: 8ber, VIIIbris oder 8bris bezeichnen den Oktober, und nicht, wie man meinen könnte, den August.

Im Mittelalter war der Oktober vornehmlich als Weinmond bekannt, seltener ist seine Bezeichnung als Gilbhart, aufgrund der Vergilbung des Laubs (ahd. hart = viel).
In den Weinbaugebieten, die im Mittelalter noch ausgedehnter waren als heute, waren nun Weinlese und Keltern in vollem Gange. Die roten und blauen Trauben reifen schneller und konnten oft schon Ende September geerntet werden, die weißen profitierten von sonnigen Tagen Anfang Oktober. Weiterlesen

Fundstücke KW 39

„Geschichte zieht“ – so der Titel eines Beitrags in der SZ. Gemeint sind in diesem Fall die bayerischen Landesausstellungen, die von Jahr zu Jahr mehr Besucher anziehen. Das ist sicherlich eine erfreuliche Entwicklung – aber auch eine gefährliche. Seit Jahren ist zu beobachten, dass Ausstellungen zu historischen Theman an ihrer Spektakularität gemessen werden. Sie müssen immer größer, bunter, lauter sein, und sie müssen immer neue Besucherrekorde aufstellen.
Bezeichnend ist die Aussage des Direktors des Hauses der Bayerischen Geschichte am Ende des SZ-Beitrags: „Ohne populäre Verpackung und stimmige Inhalte hast du auf dem Unterhaltungsmarkt kaum noch Chancen“. Geschichtsausstellungen werde also dem „Unterhaltungsmarkt“ zugerechnet, sollen mit Superhelden-Kinofilmen, Computerspielen, Freizeitparks, Achterbahnen und was nicht allem konkurrieren.
Das geht natürlich nur, wenn man sich populären Themen zuwendet, die möglichst breite Bevölkerungsschichten ansprechen. Sicher, vielleicht gelingt es auf diese Weise, einen wachsenden Teil des Publikums für Geschichte im Allgemeinen zu interessieren. Doch besteht zugleich die Gefahr des Entstehens (bzw. der Förderung) einer Mainstream-Geschichte: Populäre, möglichst unkontroverse Themen, die möglichst breite Bevölkerungsschichten ansprechen werden erforscht, ausgestellt, auf allen Kanälen präsentiert, finanziell gefördert; „Wohlfühlgeschichte“ für Alle!
Die weniger spektakulären, markttauglichen, vielleicht sogar kontroversen Themen fallen hingegen zunehmend unter den Tisch.
Und niemand erzähle mir, dieser Prozess sei nicht bereits seit Jahrzehnten im Gange – in Museen ebenso wie an den Fakultäten, in den Verlagen, von den Fernsehsendern ganz zu schweigen!

Im Keller eines Hauses in Pirna wurden mittelalterliche Wandmalereien zum Motiv der „Verkehrten Welt“ entdeckt – Meldung via dpa im Westfalen-Blatt.

„Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum es geregelte Sitzordnungen in allen Bereichen unseres gesellschaftlichen Lebens gibt?“ Auf kurz!-Geschichte widmete sich Christoph Gwisdeck diese Woche dem Ritual des Sitzens.

Niklas Hofbauer schreibt auf seinem Blog „Neues aus der Gotik“ zum Thema „Gewandschließen im 14. Jahrhundert„.

RP-Online berichtet über die Ausstellung „Das Schwert – Gestalt und Gedanke“, die am Wochenende im Deutschen Klingenmuseum Solingen eröffnet wurde.

 

Fundstücke KW 38

Ein Brite erklärt den Deutschen ihre Geschichte: Weil es sich um den wunderbaren Neil MacGregor handelt, sollte man sich anhören, was er zu sagen hat. Die taz hat mit ihm gesprochen.

Bei einer Notgrabung ist im schweizerischen Winterthur eine frühmittelalterliche Siedlung zutage gekommen, wie die Handelszeitung vermeldet.

Nürnberg ist wohl 100 Jahre älter als bislang angenommen – das legt zumindest der Fund einer Scherbe nahe, über den vergangene Woche zahlreiche Medien berichteten, u.a. Der SPON.

Zur SWR-Themenwoche „Heimat“ ab dem 4. Oktober gibt es bereits jetzt ein „Webspecial“ zur Geschichte des Südwestens mit „Empathy Game“ und weiteren „cross-medialen“ Angeboten voller Denglisch.

Auf mittelalter.hypotheses.org berichten Muriel Wegner und Catharina Lahme über den 4. Mittelaltertag der Universität Heidelberg.

Der Niederländer Roeland Paardekooper soll eigentlich nur den Direktor des AFM Oerlinghausen Karl Banghardt während dessen Forschungsauszeit vertreten – und macht nun bereits seit mehr als einem Jahr einen entschieden besseren Job als sein Vorgänger je zu leisten im Stande war, wäre oder sein würde.
Für seine Leistungen „zur Professionalisierung der Archäologischen Freilichtmuseen auf den Gebieten Finanzmanagement, Interpretation und Öffentlichkeitsarbeit“ wird Paardekooper nun verdientermaßen mit dem Museum-Horizon-Preis ausgezeichnet, wie die NW schreibt.
Eine solche Auszeichnung ruft auch mal eine Bildungsministerin auf den Plan, die sich prompt von – nein, nicht dem frisch geehrten, sondern dem zu Forschungszwecken beurlaubten Museumsleiter Banghardt über das Gelände führen und über die Rolle des Freilichtmuseums zur Zeit des NS aufklären ließ, was der Lippischen Zeitung einen Beitrag wert war.

Hier gibt es jetzt die offizielle Bildergalerie der IG14 von ihrer Aktion „Kindheit im Mittelalter“ am 17.-19. Juli auf der Bachritterburg Kanzach.

Kindheit im Mittelalter (c) Ig14.at

Kindheit im Mittelalter (c) Ig14.at

Fundstücke KW 37

Was bedeutet eigentlich der Begriff „Völkerwanderung“? Und kann angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingsbewegungen tatsächlich von einer „neuen Völkerwanderung“ gesprochen werden? Der Historiker Dr. Christian Scholl geht für die Gerda Henkel-Stiftung diesen und weiteren Fragen nach.

Neuer Beitrag zur Reihe “Aufstieg und Fall an den europäischen Höfen des Mittelalters“ auf mittelalter.hypotheses.org: „Der Günstling global? Favourites and Faction at Early Modern Courts“ von Jeroen Duindam.

Im Main-Tauber-Kreis informierte sich Finanzstaatssekretär vor Ort unter dem schönen Motto „Zukunft braucht Herkunft“ über Fragen von Archäologie, Denkmalschutz, historischem Gedenken etc. Die Fränkischen Nachrichten haben Details zur Reise.

Im Alamannenmuseum Ellwangen wurde am Wochenende die Ausstellung „Bernstein – Gold der Germanen“ eröffnet. Die Schwäbische hat schon einmal einen Blick darauf geworfen und dabei gleich die Kamera laufen lassen.
Zum Tag des offenen Denkmals konnte man dort auch einem Bernsteinschleifer bei der Arbeit zusehen, wie ebenfalls Die Schwäbische berichtet.

Wer sich für das Limesmuseum in Aalen interessiert, sollte sich mit einem Besuch beeilen: Im November schließt die Einrichtung bis 2018 wegen Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen.

Der niederländische Buchhistoriker Erik Kwakkel befasste sich in seinem jüngsten Blog-Eintrag mit mittelalterlichen Postern – leider nur auf Englisch, aber dafür mit vielen schönen Bildern:

Ebstorfer Weltkarte, um 1300.

Ebstorfer Weltkarte, um 1300.

Fundstücke KW 36

Die Gerda Henkel-Stiftung veröffentlichte vergangene Woche eine Hausarbeit (!) im Fach Germanistik über „Vorsatz, Erbsünde und Erlösung bei Hartmann von Aue„. Zwar inhaltlich durchaus gehaltvoll, sind die sprachlichen Fehler allein in der kurzen Vorschau bereits abschreckend …

Das Amtsgericht Detmold hat das Hausverbot eines bekannten Rechtsextremisten im AFM Oerlinghausen bestätigt, wie die Lippische Zeitung berichtet. Schön, dass das Freilichtmuseum hier so klare Kante zeigt und (hoffentlich!) als Vorbild für andere Museen und öffentliche Kultureinrichtungen dient!

Das Mittelalter-Blog ist aus den Sommerferien zurück und liefert als erstes einen Rezensionsüberblick für den Monat August.

Dank Hiltibold stieß ich diese Woche auf dieses tolle Diorama des Deutschen Ordens 1329. Auch ein Weg, Geschichte anschaulich zu machen!

Und gleich noch eine originelle Form der Geschichtsvermittlung: Die LEGO-Verfilmung des angelsächsischen Gedichts „The Battle of Maldon“ … Zugegeben, die Verfügbarkeit und Ausstattung der Figuren setzen hier der Authentizität sehr enge Grenzen, aber Idee und Umsetzung finde ich überaus originell!