Sonja Ulrike Klug: Zauberer des Zirkels

Klug: Zauberer des Zirkels, Nünnerich-Asmus-Verlag

Klug: Zauberer des Zirkels, Nünnerich-Asmus-Verlag

„Ein bemerkenswertes Phänomen mittelalterlicher Baukunst ist das völlige Fehlen von Bau- und Konstruktionsplänen, die so gestaltet sind, dass sich Gebäude damit vollständig planen lassen. Für etliche Bauwerke gibt es zwar Teilpläne einzelner Bauelemente, aber Gesamtpläne haben sich niemals gefunden.“

Dieses auffällige Fehlen von Bau- und Konstruktionsplänen beschäftigt Kunsthistoriker*innen, Bauforscher*innen, Architekt*innen und andere Wissenschaftler*innen und Pragmatiker*innen schon seit dem 19. Jahrhundert, als das (romantische) Interesse am Mittelalter und seinen Bauwerken seinen Anfang nahm.
Sollte es tatsächlich möglich sein, dass die Meisterwerke der gotischen Kathedralen und Klöster oder auch weltliche Großbauwerke wie Rat- und Warenhäuser, Steinbrücken u.a. komplett ohne zeichnerische Planung errichtet wurden? Das schien und scheint vielen Experten kaum vorstellbar.
Doch falls es sie gab: Wohin sind diese Pläne, Zeichnungen, Skizzen, Entwürfe und Ansichten dann verschwunden? Wurden sie nach Fertigstellung der Bauwerke abgeschabt und wiederverwendet – oder schlicht vernichtet, wie etliche Autoren annehmen?
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HistoFakt und Corona

Als ich 2006 mit Gründung von HistoFakt. Historische Dienstleistungen den Schritt in die Selbständigkeit wagte, lag der Fokus noch ganz auf der Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen, Verlagen, Redaktionen, Autorinnen und Autoren, Archiven, Museen etc., etwa durch Recherchen, Transkription und Übersetzung historischer Quellen, Lektorat, Übersetzung moderner Fachliteratur oder das Verfassen von Aufsätzen und Artikeln als Auftragsarbeiten.
Diese Dienstleistungen bilden nach wie vor einen Bestandteil meines Angebots. Doch seit einigen Jahren ist daneben der Bereich „Geschichtserlebnisse“ immer wichtiger geworden. Die Nachfrage nach Erlebnisprogrammen für Schulklassen und andere Kinder- und Jugendgruppen, nach Kursen, Vorführungen mittelalterlicher Praktiken und MItmachaktionen z.B. bei Museumsfesten hat erheblich zugenommen und war alleine schon fast nicht mehr zu bewältigen. Erstmals hatte ich daher in diesem Jahr die Absicht, für die Saison von April bis Oktober Honorarkräfte zu beschäftigen.

Dazu wird es nun leider nicht kommen. Die mit Wirkung zum 18. März beschlossenen Zwangsmaßnahmen der Landesregierung Baden-Württemberg zur Eindämmung der Corona-Epidemie haben zur Folge, dass sämtliche Museen und anderen Veranstaltungsorte bis voraussichtlich mindestens 15. Juni 2020 geschlossen bleiben. Zahlreiche Veranstaltungen, die ein Angebot von HistoFakt gebucht hatten, wurden abgesagt, andere noch zu erwartende Buchungen werden nun nicht zustande kommen. Die Kurse müssen bis einschließlich zum genannten Datum ausfallen.

Für mich bedeutet das einen erheblichen Umsatzverlust. Rund 2,5 Monate der Saison von April bis Oktober fallen einfach komplett weg, und damit auch etwa ein Drittel des zu erwartenden Einkommens. Kosten für Miete, Sozialabgaben, Versicherungen u.ä. laufen unterdessen selbstverständlich unvermindert weiter. Da von November bis März nur sehr wenige Aktivitäten angeboten werden können bzw. nachgefragt werden, können über den Winter kaum Rücklagen gebildet oder die Verulste später im Jahr ausgeglichen werden.
Ähnlich wie mir geht es unzähligen freiberuflichen Kulturschaffenden, Künstlern und DIenstleistern. Wir alle hoffen nun auf die Solidarität unserer Auftraggeber und Kunden, und dass stornierte Buchungen und ausgefallene Aufträge nach Ende des Zwangsmaßnahmen nachgeholt werden.
Aber falls von Bundes- und Landesregierungen keine Programme zur schnellen, unbürokratischen finanziellen Unterstützung von Freiberuflern aufgelegt werden, wird diese Krise zahlreiche Existenzen vernichten – möglicherweise auch meine.

Ich habe keine Angst wegen des Corona-Virus‘. Durch einfache Maßnahmen – vor allem Vermeidung menschlicher Kontakte und regelmäßiges, gründliches Händewaschen – sollte es möglich sein, eine Ansteckung zu vermeiden, und da ich nicht zu einer Risikogruppe gehöre, sollte für mich gegebenenfalls auch eine Infektion relativ harmlos verlaufen.
Große Sorgen mache ich mir aber um die wirtschaftlichen Folgen der Krise. Momentan ist für mich überhaupt nicht absehbar, ob und wie ich die genannten Einkommensverluste auffangen kann, und sollten die bisherigen Maßnahmen noch verschärft oder bis über den 15. Juni hinaus verlängert werden, dürfte dies das Ende meiner nunmehr 14 Jahre währenden, bislang recht erfolgreichen Selbständigkeit bedeuten.

Die einzige positive Nachricht in der gegenwärtigen Situation: Ich habe jetzt viel Zeit und verbringe sie ohnehin zuhause vor dem Rechner. Daher habe ich jede Menge Kapazitäten, um z.B. historische Handschriften zu entziffern und zu übersetzen oder Artikel zu verfassen.
Sollten Sie also Bedarf an meinen Dienstleistungen haben, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, entsprechende Aufträge zu erteilen und damit auch noch ein gutes Werk zu tun, indem Sie einen Beitrag zum Fortbestand von HistoFakt leisten!

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, bleiben Sie daheim, waschen Sie sich regelmäßig die Hände und unterstützen Sie freiberufliche Kulturschaffende wie mich, sofern Sie können.

Herzlichst,
Jan H. Sachers M.A.

P.S.: Der Online-Shop läuft bislang glücklicherweise ohne größere Einschränkungen weiter. Versand erfolgt allerdings bis auf Weiteres nur noch montags und Donnerstags.

 

Tillmann Bendikowski: „Ein Jahr im Mittelalter“

Bendikowski: "Ein Jahr im Mittelalter", München 2019.

Bendikowski: „Ein Jahr im Mittelalter“, München 2019.

Vor einigen Jahren veröffentlichte ich in diesem Blog eine Reihe namens „Mittelalterlicher Jahreslauf„, in der – basierend auf zeitgenössischen Kalenderbildern – die landwirtschaftlichen Tätigkeiten, sonstigen saisonalen Arbeiten, Feiertage und ganz allgemein das Leben der Menschen in den Monaten des Jahres in aller gebotenen Kürze zusammengefasst wurden.
Eine ähnliche, wenngleich deutlich ausführlichere Darstellung erwartete ich von Tillmann Bendikowskis Buch „Ein Jahr im Mittelalter“, von dem es heißt:

„In zwölf Kapiteln mit über 100 farbigen Illustrationen schildert er Monat für Monat, wie das Leben im 12. Jahrhundert organisiert war – auf dem Land wie in den neu entstehenden Städten, im Kloster wie auf der Burg.“

Meine Vermutung erwies sich weitestgehend als Irrtum – eine Enttäuschung war die Lektüre des Werks aber zum Glück dennoch nicht.

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Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2020

Die 20er Jahre stehen vor der Tür, und angesichts der sich verschärfenden Klimakrise, internationaler Konflikte und weiterer Entwicklungen dürfte sich im kommenden Jahrzehnt wohl nichts geringeres entscheiden als das Schicksal der Menschheit …
Aber welche bedeutenden Geschehnisse ereigneten sich vor 500, 750 oder 1000 Jahren? Welche Jahrestage der mittelalterlichen Geschichte kommen 2020 auf uns zu? Auf welche Feiern, Gedenktage, Debatten müssen wir uns einstellen?

Voilá – der jährliche kurze, keineswegs vollständige und schamlos eurozentrische Überblick: Weiterlesen

Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2019

Welche bedeutenden Geschehnisse ereigneten sich vor 500, 750 oder 1000 Jahren? Welche Jahrestage der mittelalterlichen Geschichte kommen 2019 auf uns zu? Auf welche Feiern, Gedenktage, Debatten müssen wir uns einstellen?

Der jährliche kurze, keineswegs vollständige und schamlos eurozentrische Überblick: Weiterlesen

Ralf Grabuschnig: Endstation Brexit

Ralf Grabuschnig: Endstation Brexit, Tectum Verlag 2018.

Ralf Grabuschnig: Endstation Brexit, Tectum Verlag 2018.

Die Briten und Europa – das ist die Geschichte einer langen, komplexen und wechselvollen Beziehung. Seit vor rund 7.000 Jahren – erdgeschichtlich betrachtet also vor gar nicht allzu langer Zeit – die letzte Landverbindung zwischen dem Kontinent und den britischen Inseln buchstäblich unterging, der Ärmelkanal zur nassen Grenze und zugleich zur wichtigsten Verkehrsverbindung zwischen den beiden Landmassen wurde, seither pendelt auch das Verhältnis der Inselbewohner zu ihren festländischen Nachbarn zwischen Abschottung und Annäherung. Der sogenannte „Brexit“ stellt da nur die jüngste Manifestation der Ablehnung dar.

Seine Vorgeschichte zu erzählen hat sich Ralf Grabuschnig in dem vorliegenden Buch zur Aufgabe gemacht, nicht in der Absicht, ein gelehrtes Werk über britische Geschichte, Massenpsychologie, die Mängel der Europäischen Union oder das Wiedererstarken der Nationalstaaterei zu verfassen, sondern um den traurigen Ereignis mit einer gehörigen Portion Galgenhumor zu begegnen.

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Fundstücke KW 36

Allenthalben entstehen in Europa seit einigen Jahren mittelalterliche Burgen, Keltendörfer, Bajuwarenhöfe und karolingische Klosterstädte. Die Zeit geht in einem Beitrag der Frage nach, wie viel Wissenschaft tatsächlich in solchen Rekonstruktionsversuchen steckt.

Der Begriff „Mittelalter“ ist (wieder einmal) in Verruf geraten. Nachdem unlängst Thomas Bauer in der FAZ für seine Abschaffung plädierte, schlägt nun Michael Borgolte im selben Medium eine (recht unhandliche) Alternative vor.

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Fundstücke KW 35

Medizin und Ernährung im Mittelalter waren diese Woche Thema im Blog historische Kulinarik des Standard.

Im Blog des Baden-Württembergischen Landesmuseums geht es um Dreharbeiten für die neue Sonderausstellung „Faszination Schwert“ (ab 13. Oktober).

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Johann Baier: „Scots Wha Hae“

Johann Baier:

Johann Baier: „Scots Wha Hae“, Ludwigshafen: Verlag Angelika Hörnig 2018.

Zeitgenössische Chroniken mittelalterlicher Ereignisse sind oftmals zäh und schwierig zu lesen. „Historische Romane“ wiederum nehmen es mit der Geschichte meistens nicht allzu genau.
Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich seit vielen Jahren der österreichische Autor, Jurist und Bogenschütze Johann Baier: Er will spannend und unterhaltsam erzählen, wie es (wahrscheinlich) gewesen ist. Waren seine drei bisherigen Publikationen („Krähen über Crécy„, „Der Schwarze Prinz und die Schlacht bei Poitiers„, „Die Schlacht bei Agincourt„, alle im Verlag Angelika Hörnig) den drei großen Schlachten des Hundertjährigen Krieges gewidmet, nimmt er sich in seinem neuesten Werk der sogenannten Schottischen Unabhängigkeitskriege an, in denen viele der später so erfolgreichen englischen Strategien und Taktiken entwickelt wurden.

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Fundstücke KW 17

Zu den nachhaltigsten Erfindungen des Mittelalters zählt die Brille, der Theodor Kissel auf spektrum.de einen Beitrag widmet.

Was – oder wer – ist eigentlich ein Historiker? Dieser Frage geht Anja Kircher-Kannemann in einem anregenden Blog-Beitrag nach.

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