Fundstücke KW 20

Die in KW 19 erwähnten Fragmente einer altdeutschen Handschrift aus dem 8.-9. Jh. sind wohl erst im 20. Jahrhundert in die Bibliothek des Benediktinerstifts Admont gelangt, wie Der Standard meldet.

Der Standard weiß auch, dass der Finder des 2014 entdeckten größten Wikingerschatzes im Vereinigten Königreich umgerechnet € 2,3 Mio. Finderlohn erhält.

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Fundstücke KW 19

In der Bibliothek der Benediktinerabtei Admont ist ein 1200 Jahre altes Schriftsück aufgetaucht – in deutscher Sprache geschrieben! Hier die Kurzmeldung auf Spiegel Online, hier die kostenpflichtige Langfassung.
Der Standard meldet den Fund des Wörterbuchfragments ebenfalls. Weiterlesen

Fundstücke KW 17-18

Zwei Termintipps: Am Mittwoch, den 10. Mai widmet sich ein kostenloser Vortrag im Historischen Museum Frankfurt Krieg und Kampf der antiken eurasischen Nomaden.
Und am 29.-30. Mai finden die 8. Mannheim-Heidelberger Werkstattgespräche zur Geschichte des Mittelalters statt.

Russische Forscher vermuten, dass das rätselhafte „Voynich-Manuskript“ in mehreren Sprachen verfasst wurde, meldet Der Standard. Weiterlesen

Fundstücke KW 45

Mit Hil­fe ei­nes so­ge­nann­ten Strei­fen­licht­scans konn­te im Dom zu Speyer ei­ne In­schrift ent­zif­fert wer­den, die lan­ge rät­sel­haft ge­blie­ben war: Der Text auf ei­ner Blei­plat­te, die man im Grab der mit­tel­al­ter­li­chen Kai­se­rin Gi­se­la ge­fun­den hat­te, könn­te hel­fen, das Da­tum ei­ner Teil­wei­he des Doms ex­akt zu bestimmen, schreibt das Online-Portal der Zeitschrift „Damals“.
Update: Weitere Links und der entzifferte Text bei archivalia.hypotheses.org.

Eine weitere Meldung von „Damals“: Digitalscans des „Aberdeen Bestiary“ brachten spannende Details über dessen Entstehung und Nutzung zutage. Weiterlesen

Fundstücke KW 34

Das so genannte „Voynich-Manuskript“ stellt die Forschung seit Jahren vor Rätsel: Handelt es sich um eine moderne Fälschung? Das Werk eines Spinners? Und nicht zuletzt: Wovon handelt es eigentlich?
Wer sich selbst einmal mit dem wundersamen Werk auseinandersetzen möchte, hat ab sofort Gelegenheit dazu: Ein bekannter spanischer Verlag hat eine Faksimile-Edition auf den Markt gebracht, wie derstandard.at berichtet.

In Sachsen-Anhalt werden, wie anderswo auch, die Lehrpläne der weiterführenden Schulen überarbeitet. Dabei soll auch das Fach Geschichte gründlich neu konzipiert werden. In diesem Zusammenhang scheint den Verantwortlichen (wie auch dem Autor dieses ZEIT-Artikels) die überraschende Erkenntnis gekommen zu sein, dass es in der Beschäftigung mit Geschichte gar nicht so sehr auf Jahreszahlen, Daten, Biographien ankommt, sondern z.B. auf Recherche, Anylse, Quellenkritik, Abstraktion, Perspektivwechsel, Medienkompetenz und viele weitere Fähigkeiten, die auch im Alltag eine wichtige Rolle spielen (sollten):

„So gesehen ist Geschichte eines der wichtigsten Fächer im Kanon überhaupt“

Das wussten Historiker natürlich schon lange, aber es stimmt hoffnungsvoll, wenn sich diese Erkenntnis nun tatsächlich auch in bildungspolitischen Kreisen durchsetzen sollte …

In der Steiermark sind Teile der ältesten mittelalterlichen Glasmalerei Österreichs entdeckt worden, meldet derstandard.at.

Die größte Gefahr in der mittelalterlichen Stadt, daher auch die größte Angst der Menschen, ging vom Feuer aus. Doch selbst heute sind mittelalterliche Städte nicht vor Großbränden gefeit – selbst wenn es sich nur um Kulissen für eine Fernsehserie handelt, wie in diesem Fall, von dem Spiegel Online berichtet.

Daniel Ossenkop widmet sich in einem Beitrag der sozialen Stellung der Frau im Mittelalter.

vrouwen maere schreibt über die Verarbeitung von Flachs.

In Lausanne hat am Freitag der Historiker Daniel Jaquet seinen Hindernislauf in Rüstung gegen einen Feuerwehrmann und einen Soldaten absolviert. Die Ergebnisse werden im Oktober vorgestellt (und dann mit Sicherheit in diesem Blog verlinkt!), das Schweizer Fernsehen berichtete am Samstag über das Experiment (leider nur auf Französisch):

Fundstücke KW 18

Der LWL berichtet über den Abschluss der Grabungen auf dem Warburger Burgberg, die vielfältige Funde zutage förderte.

Über „Die runden Wappentafeln der Zünfte“ schreibt Jens Kremb auf heraldica. hypotheses.org.

Als „Teilchenbeschleuniger der Geschichte“ bezeichnet ein Artikel auf APA Science das Werkzeug der Netzwerkanalyse.

Wer war der Bamberger Reiter? fragt Florian Welle auf sueddeutsche.de.

Hiltibold veröffentlicht den zweiten Teil seines Intervies mit dem Archäologen Raimund Karl zum Streitthema Sondengänger.

Das Tiroler Blog vrouwe maere gibt Tips zur Recherche von mittelalterlichen Bildquellen im Internet.

Fokus Hndschrift, die informative Facebook-Seite zum mittelalterlichen Schrift- und Buchwesen, feierte diese Woche mehr als 5.000 Fans mit einem kurzen Video: „Die Spur der Hasen II“

(Teil I ist hier zu finden.)

Fundstücke KW 8

Es ist immer wieder erstaunlich, was Archäologen alles finden, bestimmen und auswerten können. Unter dem Rathaus von Wiedenbrück sind es mittelalterliche Fußabdrücke, wie die Neue Westfälische berichtet.

„Vermutlich haben Archäologen Wohnhäusern [sic!] aus der germanischen Eiszeit unter der geplanten Trasse der Pinneberger Westumgehung gefunden.“ So meldet das Hamburger Abendblatt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe informiert über die Ausgrabungen am Paderborner Domplatz.

In Gotha ist die Freilegung des „Herrn von Boilstädt“ abgeschlossen, meldet Archäologie Online.

War eine „kleine Eiszeit“ die Ursache für Pest und Völkerwanderung am Ende der Antike? Noch einmal Archäologie Online.

Daniel Ossenkop schreibt auf seinem Blog über William Marshal, den „größten aller Ritter“.

Fokus Handschrift empfiehlt diese Woche mein Buch „Die Schreibwerkstatt. Schrift und Schreiben im Mittelalter“, Zirndorf: G&S-Verlag 2008. Der Kaufempfehlung kann ich mich natürlich nur anschließen …
Bestellbar auch direkt beim Autor per E-Mail an info@histofakt.de.

Rätsel zum jüdischen Leben im Mittelalter als Material im Geschichtsunterricht von Daniel Bernsen.

Archäologie Online zum Dritten: Ein interessanter Beitrag von Martin Zimmermann zur Glasproduktion im Frühmittelalter.

Am 23. April wird das sogenannte „Deutsche Reinheitsgebot“ 500 Jahre alt. Eigentlich aber auch nicht, denn es handelt sich weder um eine deutsche Regelung, noch um ein Reinheitsgebot. Zu diesem Missverständnis und zur Geschichte des Gerstensafts schreibt Hans-Heinrich Pardey auf FAZ Online.

Im Alter von 84 Jahren verstarb am Freitag nach langem Krebsleiden der italienische Philosoph, Medienwissenschaftler und -kritiker, Kolumnist und Schriftsteller Umberto Eco. Während er in Deutschland vornehmlich durch seine Romane Bekanntheit und Erfolg erlangte, galt er in seiner Heimat Italien auch als engagierter Intellektueller, der pointiert öffentlich Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Fragen bezog.
Nicht nur in seinem Erfolgsroman „Der Name der Rose“ (München 1982) befasste sich Eco ausgbiebig mit dem Mittelalter, sondern auch in zahlreichen kulturhistorischen, philosophischen und semiotischen Abhandlungen und Essays. Auch nach 25 Jahren noch immer besonders zu empfehlen: „Kunst und Schönheit im Mittelalter“, München 1991. Außerdem: „Im Wald der Fiktionen. Sechs Streifzüge durch die Literatur. Harvard-Vorlesungen“, München 1994″ sowie immer wieder seine vergnüglichen Kolumnen-Sammlungen oder „Streichholzbriefe“.
Europa hat einen großen, wichtigen und lautstarken Denker verloren, einen richtungsweisenden Philosophen, einen spitzzüngigen Kritiker und einen bedeutenden Literaten. Möge er in Frieden ruhen.

„Ich bin immer fasziniert von der Rolle, die die Dummheit spielt. Ich habe eine ganze Bibliothek, die nur Bücher enthält, die falsch sind. Die Geschichte ist das Reich der Fälschung, der Lüge und der Dummheit.“

Nachrufe finden sich z.B. in der Süddeutschen Zeitung, der Zeit, auf Spiegel Online und auf medievalists.net (in englischer Sprache).
In diesem Video führt Eco durch seine Privatbibliothek, die nach seinen eigenen Schätzungen ungefähr 50.000 Titel umfasst (und größer zu sein scheint als meine ganze Wohnung …):

Umberto Eco che percorre la sua casa-bibliotecaUmberto Eco che percorre la sua casa-biblioteca.(dal documentario „Sulla memoria“, di Davide Ferrario. Clip via Stefano Crupi)

Posted by La Repubblica XL on Samstag, 20. Februar 2016

Fundstücke KW 40

Die berühmten mittelalterlichen Schachfiguren von Lewis könnten auf Island hergestellt worden sein, wie Jan Osterkamp auf spektrum.de schreibt.

Die Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen.Lippe (LWL) sind mit dem bisherigen Verlauf der Ausgrabungen in der Herforder Innenstadt sehr zufrieden, meldet Archäologie online.

In Norwegen kann man jetzt eine neue, anerkannte Berufsausbildung absolvieren – als Wikinger … André Anwar berichtet in der Sächsischen Zeitung.

Der BR berichtet vom Ökologisch-Botanischen Garten in Bayreuth, der sich u.a. um mittelalterliche Nutzpflanzen kümmert.

Pünktlich zum 1. Oktober: Der Rezensionsüberblick September auf mittelalter.hypotheses.org.

Welches sind die zehn schönsten mittelalterlichen Manuskripte? Eine persönliche Auswahl präsentiert Giovanni Scordioni auf medievalists.net.
Darunter auch dieses einmalige Stück mit 121 schwarzen Blättern:

Black Hours (M. 493 › Morgan Library & Museum)

Black Hours (M. 493 › Morgan Library & Museum)

 

Sütterlin?

„Ich habe hier eine alte Urkunde/Briefe meiner Urgroßmutter/historische Dokumente aus dem 16./17./18./19. Jahrhundert, aber ich kann sie nicht lesen, denn sie sind in Sütterlin geschrieben …“

Mit Anfragen solcher Art werde ich recht häufig konfrontiert. Und auch ohne die fraglichen Texte gesehen zu haben, kann ich jedes Mal von vornherein mit Sicherheit ausschließen, dass sie tatsächlich in Sütterlinschrift abgefasst sind.
Denn diese Zuschreibung beruht auf einem weit verbreiteten Missverständnis.

Ludwig Sütterlin (1865-1917)

Ludwig Sütterlin wurde am 15. Juli 1865 – also heute vor 150 Jahren – in Lahr im Schwarzwald geboren. Als Grafiker, Buch- und Schriftgestalter, Kunstgewerbler und Pädagoge schuf er zahlreiche Plakate, Firmenlogos und unterrichtete an der Preußischen Kunstgewerbeschule in Berlin.

Sütterlinschrift. Quelle: Wikipedia, User: Der Barbar.

Sütterlinschrift. Quelle: Wikipedia, User: Der Barbar.

Im Auftrag des Preußischen Kulturministeriums entwickelte er 1911 eine deutsche und später auch eine lateinische Ausgangsschrift, die im Schreibunterricht an preußischen Schulen Verwendung finden sollte. Diese wurde 1915 offiziell eingeführt und blieb bis zum sogenannten Normalschrifterlass der Nazis 1941 in Gebrauch.

Die sogenannte Sütterlinschrift war also eine künstliche Schöpfung des frühen 20. Jahrhunderts, wurde lediglich 26 Jahre lang unterrichtet, und bis in die 1920er Jahre hinein sogar ausschließlich in Preußen!

Was sind das dann für komische Zeichen?

Ludwig Sütterlin schuf seine Schrift nicht ex nihilo, sondern bediente sich bei den bislang gebräuchlichen Buchstabenformen. Um den Kindern das Lernen zu erleichtern, vereinfachte er deren Formen und rundete sie, um das Schreiben in einem flüssige Zug zu ermöglichen.

Deutsche Kurrentschrift des späten 19. Jahrhunderts.

Deutsche Kurrentschrift des späten 19. Jahrhunderts.

Die vom 16. Jahrhundert bis zur Reform Sütterlins in Deutschland gebräuchlichen Schreibschriften werden meist mit dem Sammelbegriff Deutsche Schrift bezeichnet. Unterschieden wird in der Regel zwischen Kanzleischriften für offizielle Dokumente und Kurrentschriften als flüssigere, weniger formale Formen.
Typographisch zählen die Deutschen Schriften zu den gebrochenen Schriften, die historisch auf die gotischen Schriften seit dem 13. Jahrhundert zurückzuführen sind (Gotische Minuskel, Textura, Rotunda). Die gebrochenen Schriften werden im Allgemeinen gerne kollektiv als „Fraktur“ bezeichnet, bei der es sich jedoch streng genommen nur um eine vom 16. bis zum 20. Jahrhundert verwendete Druckschrift handelt.

Beispiel für eine schöne gotische MInuskel des späten 14. Jahrhunderts.

Beispiel für eine schöne gotische MInuskel des späten 14. Jahrhunderts.

Das charakteristische Merkmal, das den gebrochenen Schriften ihren Namen gab, ist der wiederholte abrupte Richtungswechsel beim Schreiben. Im Gegensatz zu den lateinischen Schriften wie der Antiqua, die sich rund und flüssig schreiben lassen, weisen die Buchstaben der gebrochenen Schriften einen oder mehrere „Knicke“ auf. Gerade diese wurden jedoch von Sütterlin in seiner Neuschöpfung geglättet und so dem im Ausland üblichen Schreibmodus angepasst, wobei jedoch etliche Buchstaben ihre historisch gewachsene, von ihren zeitgenössischen z.B. englischen, französischen oder italienischen Äquivalenten unterschiedenen Formen mehr oder weniger beibehielten.

Und heute?

Aus der Sütterlinschrift wurde nach 1941 zunächst die sogenannte Deutsche Normalschrift entwickelt, aus dieser dann nach dem Krieg die Lateinische Ausgangsschrift (BRD) bzw. die Schulausgangsschrift (DDR). Heute werden in den Bundesländern unterschiedliche Ausgangsschriften unterrichtet, während in einigen anderen Staaten die Schreibschrift im Schulunterricht bereits vollkommen abgeschafft wurde oder abgeschafft werden soll.
Dann werden noch weniger Menschen in der Lage sein, historische Handschriften zu entziffern. Aber das übernehme ich ja gerne für Sie

Buchtipp:

Fundstücke KW 23

Anfang der Woche befasste sich Hiltibold mit der Herstellung von Mörtel im Mittelalter.

Bereits am 17. Mai erschien auf „kurz!-Geschichte“ ein Beitrag von Christina Schröder über das „Buch aller verbotenen Künste“ aus dem 15. Jahrhundert, in dem allerhand magische Praktiken beschrieben werden.

Auf „Das Mittelalter – Der Blog“ befasste sich Daniel Ossenkop zuletzt mit dem mittelalterlichen Münzwesen.

Die Stiftsbibliothek St. Gallen ist eine der schönsten Bibliotheken des Kontinents. Davon kann man sich jetzt auch auf virtuellem Weg überzeugen.

MIt dem Aufsatz „Freund und Favorit. Begrifliche Reflexionen zu zwei Bindungstypen an spätmittelalterlichen Höfen“ setzt Klaus Oschema die Reihe „Aufstieg und Fall an den europäischen Höfen des Mittelalters“ auf mittelalter.hypothses.org fort.
Außerdem fragt Jan Keupp „Wo liegt der Mehrwert des Materiellen?“ und formuliert „Gedanken zur Epistemologie desarchivalischen Originals„.

Das Projekt „Mittelalterliche Geschichte – Eine digitale Einführung“ hat auf seinem Vimeo-Kanal interessante Lehrfilme zu mittelalterliche Schriftgeschichte, Buchwesen und verwandten Themen zusammengestellt. Darunter z.B. auch dieses:

Mittelalterliche Geschichte – Schriftgeschichte des Mittelalters from Mittelalterliche-Geschichte.de on Vimeo.