Fundstücke KW 7-8

[Dank eines wirklich fiesen Virusinfekts heute die extradicke Zwei-Wochen-Ausgabe …]

Das Schweizer Fernsehen sucht für eine Art historische Doku-Soap namens „Leben wie vor 500 Jahren“ Bauern und Pilger, die einige Zeit unter Beobachtung auf einer Burg leben wollen.

Das Max Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte untersucht, mit welchen Medien die spanische Krone ihre Herrschaft in Südamerika zu festigen versuchte.

Der neueste Beitrag auf kurz!-Geschichte befast sich mit der sechsten Ehefrau König Heinrichs VIII., Catherine Parr.

Noch einmal Fernsehen: Wenn man den gleichen alten Sch**ß mit einer neuen Verpackung versieht, dann … wird das Publikum ihn wohl trotzdem wieder voller Genuss ausöffeln – ach, es ist zum Heulen!
Die „Wanderhure“ heißt jetzt jedenfalls „Ketzerbraut“, basiert wieder einmal auf dem Pseudo-Mittelalter-Kitsch von „Iny Lorentz“, läuft auf Sat1 und sieht genauso schrottig aus wie alle anderen Historien-Produktionen im deutschen Fernsehen. Mehr zum Elend auf Süddeutsche Online.

Was sind Museen? Touristische Attraktionen, Bildungseinrichtungen, Forschungsstätten oder Sammeldepots? Altbackene, unzeitgemäße Tempel wissenschaftlicher Arroganz oder spannende multimediale Erlebnis- und Erfahrungsräume für Generationen? Was sollen sie in Zukunft sein?
Ein Thema, zu dem ich mir eine aufgeschlossene, breite gesellschaftliche Diskussion wünschen würde. Aber ich wünsche mir ja auch seit Jahren ein Pony …
Immerhin beschert der Streit um freien Eintritt in öffentlich-rechtliche Museen in Baden-Württemberg Fragen wie diesen derzeit ein wenig Aufmerksamkeit und sorgt für lesenswerte Leitartikel in der Stuttgarter Zeitung.

Das Solinger Tagblatt berichtet über Richtschwerter im Deutschen Klingenmuseum und Kurator Sixt Wetzler legt Wert darauf zu betonen, dass der Gebrauch des schwachsinnigen Begriffs „Blutrinne“ weder von ihm stammt noch von ihm legitimiert wurde.

Wie vermittelt man Erkenntnisse, Methoden, Aufgaben der Archäologie auf spannende Weise für verschiedene Generationen? Eine nicht immer ganz einfache Aufgabe, wie Petra Schneidhofer im Blog des Standard schreibt.

Die Universitäten Bamberg und Bayreuth gründen in Thurnau ein gemeinsames Institut für fränkische Geschichte, wie die Süddeutsche meldet.

Die Bildungs- und insbesondere Hochschulpolitik in diesem Land ist und bleibt eine Katastrophe, die akademische Forschung wird zu Tode gespart und unter Bürokratie erstickt – egal, wie sehr Bildungsministerin Wanka das durch die rosarote Brille schielend schönreden mag. Nun hat eine Studie (wieder einmal) festgestellt, was a) jede/r Akademiker/in weiß und b) mit einer einfachen Umfrage und Statistik zu erfahren gewesen wäre: Der wissenschaftliche Nachwuchs zählt zum wirtschaftlichen Prekariat, hat kaum Karriereaussichten oder Chancen, eine Familie zu ernähren. Der Spiegel fasst die ernüchternden Ergebnisse zusammen.
Das es auch anders geht, zeigen Vergleichswerte, die die Süddeutsche anführt.

Ist Selbständigkeit die Alternative? Eine Kolumne in der Zeit bringt den Alltag als Freiberufler auf den Punkt, der Beitrag „Freie Knechte“ fasst die nicht minder prekäre Situation freischaffender Dienstleister mit akademischem Abschluss treffend zusammen.

Herr Buchwald wies mich freundlicherweise auf eine spannende Meldung auf archaeologie-online.de hin: In Warendorf und Telgte wurden bei Ausgrabungen Spuren mittelalterlicher Marktpätze gefunden.

Der Standard berichtet, dass der älteste (um 1370 entstandene) erhaltene Flügelaltar des Alpenraums einer neuen gründlichen Untersuchung unterzogen wird. Dazu gibt es sogar ein eigenes Blog.

Wie die Wikinger einmal fast ganz England erobert hätten beschreibt Daniel Ossenkop auf Das Mittelalter – Der Blog.

Die böse Fasnacht in Basel 1376 war ein Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen Bischof und Habsburgern um Macht und Einfluss (was sonst?) in der Stadt. Curiositas erzählt die Geschichte.

Sich auf erfundene Traditionen zu berufen hat selbst schon wieder Tradition. Schon so mancher Gründungsmythos hat sich als neuzeitliche Erfindung erwiesen – nun auch jener von der Entstehung des Münchner Schäfflertanzes im „Pestjahr“ 1517, schreibt die SZ nicht ohne Bedauern.

Im „lebendigen Mittelalter“ scheint es zwei Gruppen von Menschen zu geben: die „GroMis“ (von GRObMIttelalter) und die „A-Päpste“ (A wie Authentizität) – dazwischen eigentlich nichts, und schon gar nicht ist es möglich, vom Einen zum Andern aufzusteigen.
Oder doch? Vielleicht, mit ein wenig Ambition, Engagement, Recherche, … Das legt zumindest der Beitrag von Ann auf Sorores Historiae nahe.

Bewerbungstips für Wikingerkrieger gibt Kaptorga in einer Reihe von Videos:

Ein Gedanke zu „Fundstücke KW 7-8

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