Bier zählt zu den ältesten Kulturgetränken der Menschheit. Älteste Hinweise stammen aus dem Neolithikum, bierähnliche Getränke sind z.B. aus Babylon und Ägypten belegt. In germanischer Zeit und im Frühmittelalter lag das Bierbrauen als Teil der bäuerlichen Selbstversorgung vorwiegend in Händen der Frauen. Doch nicht zuletzt der hohe Arbeitsaufwand sowie der Platz- und Gerätebedarf sorgten seit dem Aufkommen der Städte für einen Übergang zu gewerblicher Produktion, wodurch der eigenständige Beruf des Bierbrauers entstand.
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Alte Berufe und Familiennamen, Teil III
Zahlreiche alte, heute meist ausgestorbene Berufe haben ihre Spuren in Form von Familiennamen hinterlassen. Doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkenntlich, welches historische Gewerbe sich hinter dem Klingelschild des Nachbarn verbirgt.
Nach Teil I und Teil II hier nun die dritte Folge von Erläuterungen historischer Berufsbezeichnungen, die einem im Telefonbuch* begegnen können.
Armbruster waren diejenigen, die Armbruste herstellten, nicht die, welche sie benutzten. So wie auch Bogner keine Bogenschützen waren, sondern Hersteller von Bögen.
Als Pielsticker bezeichnete man im Norden Deutschlands die Hersteller von Pfeilen und Bolzen für Bogen und Armbrust. Eine ebenfalls norddeutsche Variante ist der Pilemaker, anderswo wurde das Gewerbe als Pfeilschäfter oder einfach Pfeil(e)macher bezeichnet. Im Englischen hießen sie Fletcher, was ebenfalls ein weit verbreiteter Nachname ist.
(Mehr zum pilestikker oder pilemaker gibt es hier.)
Reider stellten Messer- und Schwertgriffe her, montierten die Klingen und übernahmen manchmal auch das Schärfen, was andernfalls Aufgabe der Schwertfeger war. Die Bezeichnung Reider war vor allem im Bergischen Land (um das Klingenzentrum Solingen) verbreitet, aber auch andernorts belegt.
Der Reider hat jedenfalls nichts mit dem Reiter oder dem Reut(h)er zu tun. Über die unterschiedlichen Ursprünge dieser Namen gibt es einen interessanten kurzen Beitrag in „Die Welt“.
Wer das Krugrecht innehatte, also eine Gastwirtschaft betrieb, wurde im Norddeutschen als Krüger bezeichnet. Im Dialekt konnte er auch Kröger heißen. Die gleiche Bedeutung haben die Nachnamen Krug, Krüg, Krog, Krügel oder Krugmann.
Binder ist eine der zahlreichen Bezeichnung des Böttchers, Bötti(n)gers, Küfers, Büttners – also dessen, der Fässer herstellte. Die Vielzahl und weite Verbreitung der Namen verweist auf die Bedeutung, die Fässer als universales Verpackungs- und Transportmittel im Mittelalter hatte. Nicht alle waren mit Eisenringen eingefasst, häufiger wurden die Dauben mit Weiden- oder Haselnussruten zusammengebunden – daher die Bezeichnungen Binder, Fassbinder, Fassbender.
Die Bedeutung der Bezeichnung Büttel ist vielfältig. Im Mittelalter wurden so Gerichtsdiener, Amts- und Fronboten sowie alle Arten von niederen Exekutivbeamten bezeichnet, also z.B. Feld-, Forst- oder Weinberghüter.

Ein "bütel" mit Amtsstab und Schwert im Hausbuch der Mendelschen Zwöflbrüderstiftung (1429). Nürnberg, Stadtbibliothek Amb. 317.2° fol. 50r.
Der Hafen bezeichnet in Österreich und Teilen Bayerns eine Schale oder Schüssel aus Keramik. (Der Nachthafen ist ein Nachttopf.) Der Töpfer ist daher in diesen Regionen als Hafner oder Häfner bekannt.
Da Hafner die Kacheln früher Kachelöfen anfertigten und diese zuweilen gleich selbst installierten, konnte auch ein Ofenbauer oder -setzer als Hafner bezeichnet werden.
Ebenfalls aus Österreich und Bayern stammt der Weinzierl, der anderswo als Winzer, Wingerter, Wengerter, Weingärtner, Weinbauer oder Weinmann bekannt ist – also als jemand, der Weinbau betreibt und einen Weinberg oder Wingert besitzt.
Die Reihe wird (bei Gelegenheit ganz bestimmt irgendwann) fortgesetzt!
* Gibt es überhaupt noch Telefonbücher? Früher waren das gedruckte Verzeichnisse mit den Namen und Telefonnummern aller Einwohner eines Ortes.
Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2016
Welche bedeutenden Geschehnisse ereigneten sich vor 500, 750 oder 1000 Jahren? Welche Jahrestage der mittelalterlichen Geschichte kommen 2016 auf uns zu? Auf welche Feiern, Gedenktage, Debatten müssen wir uns einstellen?
Ein kurzer, keineswegs vollständiger und schamlos eurozentrischer Überblick:
Vor mehr als 1.000 Jahren:
- 516: Sigismund wird König der Burgunder, die daraufhin den katholischen (statt des arianischen) Glauben annehmen
- 616: Raedwald von East Anglia besiegt in der Schlacht am Idle Æthelfrith von Northumbria
- 716: Karl Martell besiegt bei Amblève Raganfrid, Hausmeier von Neustrien, und den Merowingerkönig Chilperich II.
- 816: In Reims wird Ludwig der Fromme von Papst Stephan IV. erneut zum Kaiser gekrönt
- 916: Am 20. September wird die Synode von Hohenaltheim einberufen, die das Bündnis der ostfränkischen Bischöfe mit dem Königtum stärken sollte
1016 – Vor 1.000 Jahren:
- Byzantiner und Rus vernichten das jüdische Chasarenreich
- Belagerung von London durch Knut den Großen und Tod des englischen Königs Æthelred (23. April); Beginn der dänischen Herrschaft über England (bis 1042)
- 6. Juli: Schlacht bei Pontlevoy
1066 – Vor 950 Jahren:
- 5. Januar: Der englische König Eduard der Bekenner stirbt ohne klare Nachfolgeregelung. Die englischen Witan wählen daraufhin Harald Godwinson zu seinem Thronfolger
- 25. September: In der Schlacht von Stamford Bridge (Yorkshire) schlägt König Harald II. von England den Eroberungsversuch Harald Hardrades von Norwegen zurück, der von Haralds Bruder Tostig Godwinsonunterstützt wird. Die englische Armee eilt in einem zweiwöchigen Gewaltmarsch nach Süden
- 14. Oktober: In der Nähe des heutigen Ortes Battle kommt es zur Schlacht von Hastings. Wilhelm der Eroberer besiegt den englischen König Harald II. und erobert England
- 25. Dezember: Wilhelm der Eroberer wird in der Westminster Abbey zum König von England gekrönt
1116 – Vor 900 Jahren:
- Zweiter Italienzug Heinrichs V.
- 25. April: Tod Bernhards von Tiron, Einsiedler und Klostergründer (* um 1046)
- 29. August: Geburt des späteren französischen Königs Philippe († 1131)
1216 – Vor 800 Jahren:
- 26. Mai: Kronprinz Ludwig von Frankreich landet in England und nimmt in der St Paul’s Cathedral die Huldigung der Barone wie auch des schottischen Königs Alexander II. entgegen. Im Verlauf des Jahres gelingt es ihm, den Osten England zu erobern
- 19. Oktober: Nach dem Tod seines Vaters Johann Ohneland (* 1167) wird Heinrich III. im Alter von neun Jahren König von England, die Krönung erfolgt am 28. Oktober
- 22. Dezember: Mit der Bulle Religiosam vitam bestätigt Papst Honorius III. die Ordensregel der Dominikaner
- Ersterwähnung der Stadt Dresden (slaw: „Sumpfwald“)
- Fertigstellung der Benediktiner-Abtei Laach
1266 – Vor 750 Jahren:
- 6. Januar: In Rom wird Karl I. von Anjou von fünf Kardinälen mit Zustimmung, aber in Abwesenheit des Papstes Clemens IV. zum König von Sizilien und Fürsten von Tarent gekrönt
- 26. Februar: In der Schlacht bei Benevent besiegt der frisch gekrönte König ein deutsch-sizilianisches Heer unter Manfred von Sizilien. Mit Manfreds Tod in der Schlacht endet die Herrschaft der Stauferin Süditalien
- 15. Mai: In der Schlacht von Chesterfield besiegt Henry of Almain, ein Neffe des englischen Königs Heinrich III., eine Gruppe von Anhängern des Simon de Montfort, und beendet damit endgültig den Zweiten Krieg der Barone
- Juni bis Dezember: Belagerung von Kenilworth Castle
- 2. Juli: Nach jahrelangen Kämpfen verkauft König Magnus VI. von Norwegen im Frieden von Perth die Insel Man und die Hebriden an Schottland und erhält dafür 4.000 Mark Sterling sowie eine jährliche Abgabe von 100 Mark. Im Gegenzug erkennt Schottland die norwegische Herrschaft über Orkney und die Shetlandinseln an
- Thomas von Aquin beginnt die Arbeit an seinem Hauptwerk, der Summa theologica, die den Höhepunkt der Scholastik darstellt
1316 – Vor 700 Jahren:
- 10. Februar: Großfürst Michail von Twer erzwingt die Unterwerfung Nowgorods, das sich während seiner Abwesenheit mit Juri I. Daniilowitsch von Moskau verbündet hatte
- 14. Mai: Geburt Karls IV., römisch-deutscher König († 1378)
- 5. Juni: Der überraschende Tod Ludwigs X. löst in Frankreich Erbfolgestreitigkeiten aus
Zeitgenössische Darstellung Papst Johannes' XXII. Avignon, Archives iconographiques du palais du Roure.
- 7. August: Nach einer Sedisvakanz von über zwei Jahren einigen sich die sechzehn französischen und acht italienischen Kardinäle auf den siebzigjährigen Jacques Duèze als Kompromisskandidaten, der als Johannes XXII. als erster Papst ständig in Avignon residiert
- August: Das Reiterheer Waldemars des Großen von Brandenburg unterliegt in der Schlacht bei Gransee während des Norddeutschen Markgrafenkrieges den verbündeten Truppen des Fürstentums Mecklenburg, der Herrschaft Werle und des Königreichs Dänemark
- Ramon Llull (* 1232), katalanischer Philosoph, stirbt
- In ganz Europa kommt es zu starken Überschwemmungen, die Hungersnöte und Epidemien zur Folge haben
1346 – Vor 670 Jahren:
- 11. Juli: König Edward III. von England überquert mit einer Flotte von Südengland aus den Ärmelkanal und landet am nächsten Tag in Saint-Vaast-la-Hougue, etwa 25 km von Cherbourg entfernt. Von hier aus beginnt er im Hundertjährigen Krieg seinen Feldzug durch die Normandie. Seine Truppen plündern und brandschatzen auf ihrem Weg die Städte Carentan, Saint-Lô und Torteval, wodurch die französische Moral und Kampfkraft zerstört werden soll
- 26. Juli: In der Schlacht von Caen erleiden die französischen Verteidiger eine vernichtende Niederlage. Anschließend erobern und plündern die englischen Truppen die Stadt
- 24. August: Die Schlacht von Blanchetaque ist ein weiterer Sieg für Edwards Truppen, der ihm erlaubt, die Somme zu überqueren
- 26. August: Die Franzosen unter Philipp VI. werden von den zahlenmäßig stark unterlegenen Engländern unter Edward III. in der Schlacht bei Crécy schwer geschlagen. Die englischen Bogenschützen sind mit ihren Langbögen den französischen Rittern überlegen. In dieser Schlacht stirbt Johann von Böhmen
- 4. September: Nach ihrem Sieg belagern die englischen Truppen für elf Monate die Stadt Calais
- 17. Oktober: Englands König Edward III. nimmt in der Schlacht von Neville’s Cross den schottischen König David II. gefangen und lässt ihn im Tower of London einkerkern
1416 – Vor 600 Jahren:
- 19. Februar: Savoyen wird zum Herzogtum
- 3. März: Geburt Sigismunds von Sachsen, Bischof von Würzburg († 1471)
- 15. März: Jean de Valois, duc de Berry (*1340) sowie die Künstlerbrüder Paul, Johan und Herman von Limburg sterben an einer Seuche, das Stundenbuch Très Riches Heures bleibt dadurch unvollendet (bis 1489)
- 27. März: Geburt des Franz von Paola, Gründer des Paulanerordens und Heiliger († 1507)
- 30. Mai: Hieronymus von Prag, Weggefährte von Jan Hus, wird auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer verbrannt, nachdem er den Widerruf seiner Aussagen zurückgenommen hat

Hieronymus von Prag wiird zum Scheiterhaufen geführt. Richenthal-Chronik, Rosgartenmuseum Konstanz, Hs. 1, fol. 59v.
- Frühjahr: König Sigismund versucht erfolglos, im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich zu vermitteln. In der Folge verschlechtert sich das Verhältnis zwischen dem Heiligen Römischen Reich und Frankreich
- Als sich die Rückkehr des 1408 gestürzten Alten Rates nach Lübeck abzeichnet, organisiert der Goldschmied Heyno Sobbe als Mitglied des Neuen Rats erfolglos einen Handwerkeraufstand, um das zu verhindern. Er wird verhaftet und am 11. Juni hingerichtet
- 15. August: Der Vertrag von Canterbury wird als Bündnisvertrag im Rahmen des Hundertjährigen Krieges zwischen König Henry V. von England und König Sigismund geschlossen. Der Vertrag wird bis September ratifiziert, erhält aber in den folgenden Kriegsjahren kaum mehr als symbolische Bedeutung
- Oktober: In Olmütz kommt es zu einem Aufstand, nachdem der von König Wenzel und dem Prager Erzbischof ernannte Administrator Albrecht von Březí an einer hussitischen Messe teilgenommen hat. Das Konzil von Konstanz benennt am 14. Dezember einen Nachfolger, der jedoch von König und Erzbischof nicht anerkannt wird
1516 – Vor 500 Jahren:
- 23. Januar: Nach dem Tod Ferdinands II. wird sein Sohn Karl I. König von Spanien. Damit beginnt der Jahrhunderte währende Gegensatz zu Frankreich, das sich von den Habsburgern „umzingelt“ sieht
- 18. Februar: Geburt Marias I. von England (Maria Tudor, Bloody Mary), Königin von England († 1558)
- März: Die Orte Uri, Schwyz, Zürich, Basel und Schaffhausen, die den im Vorjahr nach der Schlacht bei Marignano geschlossenen Frieden von Genf ablehnen, stellen dem römisch-deutschen Kaiser Maximilian I. 15.000 Mann für seinen Feldzug nach Oberitalien zur Verfügung. Ein neuerlicher Bruderkrieg mit den anderen eidgenössischen Orten, die Frankreich unterstützen, wird nur vermieden, weil Maximilian I. den vereinbarten Sold nicht aufbringen kann
- 23. April: In Ingolstadt erlassen die bayerischen Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. eine neue bayerische Landesordnung. Darin werden u.a. die Zutaten und Höchstpreise für Bier geregelt, weswegen sie im 20. Jahrhundert als bayerisches bzw. deutsches „Reinheitsgebot“ nachhaltige Wirkung entfaltet
- 23. April: Geburt des Georg Fabricius, protestantischer deutscher Dichter, Historiker und Archäologe († 1571)
- 8. Juni: Tod des Elefanten Hanno, der Lieblingstiers von Papst Leo X., das dieser von König Manuel I. von Portugal zwei Jahre zuvor geschenkt bekommen hatte. Wenig später kursiert ein satirisches Testament des Elefanten, in dem die Zustände in der römischen Kurie angeprangert werden
- Im August stirbt der niederländische Maler Hieronymus Bosch (* um 1450)
- 13. August: Gegen den Willen Kaiser Maximilians I. schließen Karl I. von Spanien als Herzog von Burgund und Franz I. von Frankreich den Vertrag von Noyon. Maximilian muss daraufhin seine letzten Positionen in Italien aufgeben
- 12. November: König Karl I. von Spanien schließt mit Franz von Taxis und seinem Neffen Johann Baptista einen erneuerten Postvertrag. In diesem Vertrag bezeichnet König Karl die beiden als seine Hauptpostmeister (capitaines et maistres des postes) und einzige Post- und Kuriermeister. Franz und Johann Baptista verpflichten sich, Postreiter von Brüssel unter anderem zum französischen Königshof sowie zum Hof Kaiser Maximilians zu stationieren. Auf jeder Wechselstation mit Ausnahme von abgelegenen Routen sollten zwei Pferde gehalten werden. Es dürfen im Rahmen bestimmter Zeitvorgaben ausnahmslos nur königliche Briefe befördert werden. Der Vertrag tritt am 15. November in Kraft
- 29. November: Der französische König Franz I. schließt mit den Eidgenossen die „ewige Richtung“, in der alle früheren Feindschaften aufgehoben werden und für künftige Konflikte ein Schiedsgericht eingesetzt werden soll. Kein Vertragspartner soll die Feinde des anderen unterstützen, und die Eidgenossen dürfen ihre Eroberungen in Italien mit Ausnahme des Eschentals behalten. Das Tessin fällt damit endgültig an die Schweiz. Als Kriegsentschädigung zahlt Franz I. 700.000 Kronen an die dreizehn Orte der Eidgenossenschaft
- 19. Dezember: Der französische König Franz I. und Papst Leo X. schließen das Konkordat von Bologna. Franz erkennt darin die Superiorität des Papstes (über die Konzilien) und die Annaten (Abgaben für Übertragung eines geistlichen Amtes) an. Dafür erhält er das Recht, die wichtigen Positionen in der französischen Kirche ohne Einmischung des Papstes zu besetzen
- Dezember: Thomas Morus‚ staatstheoretisches Werk „Utopia“ wird auf Betreiben Erasmus‘ von Rotterdam in Löwen in lateinischer Sprache erstmals veröffentlicht
- Götz von Berlichingen ruft angeblich dem Kurmainzischen Amtmann in Krautheim an der Jagst den „Schwäbischen Gruß“ zu
- In Augsburg wird im Auftrag des Kaufmanns und Bankiers Jakob Fugger unter Baumeister Thomas Krebs mit dem Bau der Fuggerei begonnen, der ältesten noch heute bestehenden Sozialsiedlung der Welt. Die Arbeiten dauern bis 1521
- Die erste Fassung des aus 40 Gesängen bestehenden Versepos Orlando furioso von Ludovico Ariosto erscheint
- Lucas Cranach der Ältere malt den Bilderzyklus „Die 10 Gebote„
- Der Spanier Juan Díaz de Solís erreicht vermutlich als erster Europäer mit seiner aus drei Karavellen bestehenden Expedition die Mündung des Río de la Plata und damit das Gebiet der heutigen Staaten Uruguay und Argentinien
St. Georg und das deutsche Bier
Der 23. April ist der Tag des heiligen Georg, eines spätantiken Märtyrers, der vor allem als Drachentöter Bekanntheit erlangt und Darstellung gefunden hat.
Traditionell markierte der Georgstag das Ende der Brausaison, die am 29. September, dem Tag des Erzengels Michael begonnen hatte. Aufgrund mangelnder Kühlmöglichkeiten war es im Mittelalter praktisch unmöglich, während der heißen Sommermonate ein qualitativ hochwertiges Bier herzustellen. Vielerorts wurde daher im Frühjahr noch einmal ein besonders starkes und damit lange haltbares „Lagerbier“ gebraut, regional z.B. als Märzen bekannt.
Das meiste Bier wurde im Mittelalter frisch gebraut getrunken, d.h. wenige Tage bis Wochen nach Abschluss der Gärung. Wiederum verhinderten fehlende Kühlmöglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten des Transports und der Unterbringung eine allzu lange Lagerung.

Bierbrauer im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung (Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2°, fol. 20v.)
Gleichwohl wurde auch während der braufreien Sommermonate Bier ausgeschenkt und konsumiert. Dabei galten, wie bei den meisten Lebensmittel, obrigkeitlich festgesetzte Höchstpreise. So heißt es etwa in einem Mandat Herzog Wilhelms IV. von Bayern:
„Item wir ordnen / setzen / und wöllen mit Rathe unnser Lanndtschaft / das füran allennthalben in dem Fürstenthumb Bayrn / auff dem Lande / auch in unnsern Stettn unn Märckthen / da deßhalb hieuor kain sonndere ordnung ist / von Michaelis biß auff Georij / ain mass oder kopffpiers über ainen pfenning Müncher werung / unn von sant Jorgentag / biß auff Michaelis / die mass über zwen pfenning derselben werung / und derenden der kopff ist / über drey haller / bey nachgesetzter Pene / nicht gegeben noch außgeschenckht sol werden. „
Eine Maß Winterbier sollte also für einen Münchner Pfennig, die Maß Sommerbier für nicht mehr als zwei Pfennig zu haben sein.
Derartige Höchstpreistaxen waren seit dem 13. Jahrhundert weit verbreitet und regelten den Verkaufspreis von Fisch, Fleisch, Brot, Wein, Wachs und zahlreichen anderen Produkten. Um jedoch zu verhindern, dass Hersteller ihren Gewinn zu Lasten der Qualität zu maximieren versuchten, wurden oft auch gleich die zulässigen Zutaten geregelt.
Und so heißt es auch in der bayerischen Bierpreisordnung weiter:
„Wir wöllen auch sonderlichen / das füran allenthalben in unsern Stetten / Märckthen / unn auf dem Lannde / zu kainem Pier / merer stückh / dann allain Gersten / Hopfen / unn wasser / genommen unn gepraucht sölle werdn.“
Das war allerdings keine revolutionäre Neuerung. Das zitierte Gesetz war keineswegs das erste, weder in Bayern noch in anderen deutschen Herrschaften, welches die Zutaten des Bieres auf Gerste, Hopfen und Wasser beschränkte. Schon seit dem 14. Jahrhundert wurden Versuche unternommen, die Beimischung billigeren Getreides, verschiedener Ersatzstoffe, vor allem aber aller erdenklichen Kräutermischungen (der sogenannten Grut) zu unterbinden, von denen manche – wie etwa das beliebte Bilsenkraut – gesundheitsschädliche Wirkungen haben konnten.
Doch dank der Zufälle und Willkür der Quellenüberlieferung war es jenes Mandat WIlhelms IV., das im 19. Jahrhundert von romantisch und regionalpatriotisch gesinnten Historikern wiederentdeckt wurde und seither als „bayerisches“, später „deutsches Reinheitsgebot“ eine ebenso erstaunliche wie fragwürdige Karriere erlebt hat. Was als Höchtspreistaxe erlassen worden war, diente deutschen Bierbrauern 500 Jahre später als Marketinginstrument, als Schutzmaßnahme gegen ausländische Konkurrenz, als traditions- und damit identitätsstiftendes Werkzeug der Image-Pflege.
Erlassen wurde diese bayerische Bierpreistaxe am 23. April 1516. Konsequenterweise wurde der Tag des hl. Georg daher vom Deutschen Brauer-Bund 1994 zum „Tag des deutschen Bieres“ erhoben. Als solcher dürfte er zumindest hierzulanden den Gedenktag des Drachentöters an Beliebtheit deutlich übertreffen …
Zur Feier dieses Bier-Festtags hier ein Rezept für ein mittelalterliches Festtags-Bier, garantiert NICHT nach dem „Reinheitsgebot“ gebraut:
Grut-Bier nach einem Rezept des 14. Jahrhunderts
- 4,5 l Wasser
- 1,5 Pfund Malz („English Pale“)
- 1,5 Pfund Karamellmalz
- Flüssige Bierhefe („Pale Ale“)
- 1,5 g Gagel
- 1,5 g Sumpfporst
- 1,5 g Schafgarbe
Wasser auf 75°C erhitzen. Soviel davon auf das geschrotete Malz gießen, bis eine steife Maische entsteht. Abgedeckt drei Stunden lang stehen lassen.
Langsam mit 75°C heißem Wasser besprenkeln, bis 4,5 l Gesamtmenge erreicht sind. Kräuter zufügen und Würze 1,5 h lang kochen lassen.
Auf ca. 20°C abkühlen lassen, dann in Gärbehälter abseihen. Hefe zufügen und mit Gärstopfen verschließen. Bei Zimmertemperatur gären lassen, bis der Gärvorgang vollständig abgeschlossen ist.
In Flaschen abfüllen, verschließen und vor Genuss vier Monate reifen lassen.
Prost!
Hinweis: Die Verwendung dieses Rezepts erfolgt auf eigene Gefahr und Verantwortung! Grundregeln der Küchenhygiene und gesetzliche Regelungen zur Hausbrauerei beachten. Der Autor übernimmt keine Verantwortung. Maßvoll konsumieren!
Wiederentdeckung historischer Praktiken des (militärischen) Bogenschießens?
In den sozialen Netzwerken macht derzeit folgendes, mehr als 10 Millionen mal angesehenes (Stand: 25. Januar 2015) Video eines gewissen Lars Andersen die Runde, der sich nicht nur rühmt, mit gängigen Hollywood-Mythen und -Klischees über Pfeil und Bogen aufzuräumen, sondern auch die authentischen, historischen Praktiken des militärischen Bogenschießens wiederentdeckt, studiert und schließlich gemeistert, wenn nicht gar übertroffen zu haben:
Jahrestage mittelalterlicher Geschichte 2015
Welche bedeutenden Geschehnisse ereigneten sich vor 500, 750 oder 1000 Jahren? Welche Jahrestage der mittelalterlichen Geschichte kommen dieses Jahr auf uns zu? Auf welche Feiern, Gedenktage, Debatten müssen wir uns einstellen?
Ein kurzer, keineswegs vollständiger und schamlos eurozentrischer Überblick:
Vor mehr als 1.000 Jahren:
- 515: Gründung der Abtei Saint-Maurice im schweizer Kanton Wallis – des ältesten bis heute bestehenden Klosters im Abendland.
- 615: Pippin der Ältere wird Hausmeier des Frankenkönigs Chlothar II.
- 715: In Neustrien wird nach dem Tod des karolingischen Hausmeiers Pippin (der Mittlere) zunächst der 6jährige Theudoald, der Sohn Grimoalds des Jüngeren und Enkel der Plektrudis und Pippins, zum Hausmeier bestimmt, doch setzt sich Raganfrid in der Schlacht von Compiègne (26. September) gegen ihn durch. Zugleich lässt Plektrudis Karl Martell, den illegitimen Sohn von Pippin und Chalpaida, in Köln gefangensetzen.
- 815: Gründung des Bistums Hildesheim, erster Bischof wird Gunthar.
- 915: Krönung Berengars von Friaul zum römischen Kaiser (Dezember).
1015 – Vor 1.000 Jahren:
- Im Sommer fällt Knut der Große in England ein, um den von seinem verstorbenen Vater Sven Gabelbart geerbten Herrschaftsanspruch gegen König Æthelred durchzusetzen.
- Weihe der Michaeliskirche in Hildesheim durch Bischof Bernward (29. September).
- Olav II. Haraldsson wird König von Norwegen (Herbst).
- Erste urkundliche Erwähnung von Leipzig (20. Dezember).
- Baubeginn des Straßburger Münsters (fertiggestellt 1028, 1190 durch einen Neubau ersetzt).
- Geboren: Andreas I., König von Ungarn († 1060); Harald III. Hardråde, König von Norwegen († 1066)
1115 – Vor 900 Jahren:
- Schlacht am Welfesholz (11. Februar)
- Gründung des Klosters Clairvaux durch den Zisterziensermönch Bernhard
- Geboren (?): John of Salisbury, englischer Theologe und Bischof von Chartres († 1180); Raimund II., Graf von Tripolis († 1152)
1215 – Vor 800 Jahren:
- Der englische König Johann Ohneland wird von seinen Baronen gezwungen, die Magna Charta libertatum zu unterzeichnen (15. Juni)
- Der Staufer Friedrich II. wird zum zweiten Mal (nach 1212) zum deutschen König gewählt; Absetzung Ottos IV. (23. Juli)
- Überführung der Gebeine Karls des Großen in den Aachener Karlsschrein durch Friedrich II. (27. Juli)
- Beginn des vierten Laterankonzils (11. November)
- Thomasîn von Zerclaere verfasst sein monumentales Lehrgedicht „Der wälsche Gast„
- Geboren: Kublai Khan, mongolischer Herrscher (23. September, † 1294)
1265 – Vor 750 Jahren:
- Das von Simon de Montfort einberufene erste englische Parlament tritt erstmals in London zusammen (20. Januar)
- Prinz Eduard gelingt die Flucht aus der Gefangenschaft Simons de Montfort (28. Mai)
- In der Schlacht von Evesham besiegen die königlichen Truppen unter Kronprinz Eduard ein Heer aufständischer Barone unter Simon de Montfort, der dabei ums Leben kommt (4. August)
- Papst Clemens IV. belehnt Karl von Anjou mit dem Königreich Sizilien (28. August)
- In Spanien werden die Städte Alicante und Murcia endgültig von den Mauren zurückerobert
- Im böhmischen Budweis wird erstmals ein Bier gebraut, das noch heute hergestellt wird
- Geboren: Dante Alighieri, italienischer Dichter und Philosoph (Mai oder Juni, † 1321)
1315 – Vor 700 Jahren:
- König Robert the Bruce eröffnet das erste schottische Parlament (26. April)
- In der Schlacht am Morgarten werden die Habsburger von den Truppen der schweizer Eidgenossenschaft besiegt (15. November)
- Schweres Erdbeben in L’Aquila (3. Dezember)
- In ganz Europa kommt es aufrgund anhaltender Regenfälle zu einer schweren Hungersnot, die bis 1317 andauert
1415 – Vor 600 Jahren:
- Johannes XXIII., der einzige der drei Päpste des Abendländischen Schismas, der am Konstanzer Konzil (1414-1418) teilgenommen hat, flieht aus der Stadt (20. März). Am 29. April wird er in Freiburg gefasst und an König Sigismund ausgeliefert. Am 29. Mai wird er für abgesetzt erklärt, zwei Tage später stimmt er der Entscheidung zu.
- Mit dem Dekret Haec sancta reklamiert das Konzil von Konstanz höhere Autorität als der Papst (6. April)
- Mit der Ernennung Friedrichs, des Burggrafen von Nürnberg, zum Kurfürsten von Brandenburg beginnt die bis 1918 andauernde Herrschaft des Hauses Hohenzollern (30. April)
- Das Konzil von Konstanz erklärt den 1384 verstorbenen englischen Kirchenreformator John Wyclif zum Ketzer und befiehlt, seine Gebeine zu verbrennen, was im Jahr 1428 erfolgt (4. Mai).
- Auf Drängen des Konzils tritt Papst Gregor XII. zurück und wird dafür zum päpstlichen Legaten auf Lebenszeit ernannt, Der drite Papst, Benedikt XIII., wird für abgesetzt erklärt (4. Juli).
- Der böhmische Reformator Jan Hus wird nach fast einjähriger Gefangenschaft als Ketzer verbrannt (6. Juli).
- Geburt von Friedrich III., ab 14140 römisch-deutscher König, ab 1452 Kaiser († 1493).
- König Henry V. von England besiegt dank seiner Langbogenschützen ein fast doppelt so großes französisches Heer in der Schlacht von Agincourt (25. Oktober)
- Bei der Eroberung des Aargaus fällt den schweizer Eidgenossen auch die Stammburg der Habsburger in die Hände.
1515 – Vor 500 Jahren:
- Tod Ludwigs XII., König von Frankreich (1. Januar, * 1462)
- Krönung des französischen Königs Franz I. (25. Januar)
- Vertrag von Paris: Vereinbarung über die künftige Verlobung des 15jährigen spanischen Infanten Carlos, zugleich Graf von Flandern, mit Prinzessin Renée de France, der vierjährigen Tochter von König Ludwig XII. und von Anne de Bretagne (24. März).
- Windischer Bauernaufstand in Österreich (März bis August).
- Ein Nashorn, das König Manuel I. von Portugal als Geschenk erhalten hat, trifft in Lissabon ein und wird zur Attraktion. Albrecht Dürer und andere bedeutende Künstler fertigen Abbildungen davon an (20. Mai)
- Mary Tudor, Schwester Heinrichs VIII., heiratet heimlich Charles Brandon, 1. Duke of Suffolk (13. Mai).
- Für 100.000 Rheinische Gulden verkauft Georg von Sachsen seine Herrschaft Friesland an die Habsburger (19. Mai).
- Wiener Fürstentag: Im Wiener Stephansdom findet die von Maximilian I. und Vladislav II. von Böhmen und Ungarn arrangierte Wiener Doppelhochzeit von Maximilians Enkeltochter Maria mit Vladislavs Sohn Ludwig und Enkelsohn Ferdinand mit Vladislavs Tochter Anna statt (22. Juli).
- Die Franzosen unter Franz I. besiegen die Eidgenossen in der Schlacht bei Marignano in Norditalien. Daraufhin beenden die Eidgenossen ihre Eroberungspolitik um das Herzogtum Mailand und erklären sich „auf ewig“ für neutral (13.-14. September).
- Anonyme Veröffentlichung der sogenannten Dunkelmännerbriefe, mit der Humanisten die Scholastik kritisierten (Oktober).
- Soziale Unruhen in Zürich, der sogenannte Lebkuchenkrieg (Dezember).
- Mülhausen tritt aus dem elsässischen Zehnstädtebund aus und wird zugewandter Ort der Alten Eidgenossenschaft.
- Geboren: Sebastian Boetius, deutscher evangelischer Theologe (19. Januar, † 1573); Friedrich III., Kurfürst von der Pfalz (14. Februar, † 1576); Teresa von Ávila, spanische Nonne, Kirchenlehrerin und Heilige (28. März, † 1582); Anna von Kleve, später vierte Ehefrau des englischen Königs Heinrich VIII. (22. September, † 1557); Lucas Cranach der Jüngere, deutscher Maler und Graphiker (4. Oktober, † 1586); Roger Ascham, englischer Pädagoge und Schriftsteller (wahrscheinlich, † 1568)
- Gestorben: Aldus Manutius, venezianischer Buchdrucker und Verleger (Februar, * 1449)
Fundstücke KW 47
Die Max-Planck-Gesellschaft hat ein Institut für Geschichte und Naturwissenschaften gegründet. Dort soll die Anwendbarkeit biologischer Modelle auf geschichtswissenschaftliche Fragestellungen erforscht bzw. erprobt werden. Unter dem Titel „Die DNA der Geschichte“ hat der Heidelberger Mediävist Jörg Feuchter am 5. November in der F.A.Z. seine Gedanken zu diesem Ansatz und zur „genetischen Herausforderung“ der Geschichtswissenschaft veröffentlicht.
Darauf antwortet nun sein Kollege Prof. Jan Keupp aus Münster auf mittelalter.hypotheses.org: „Kein Wunder nirgendwo – die genetische Herausforderung der Geschichte„.
Wo würde man wohl eine Koranhandschrift aus der Frühzeit des Islam vermuten? Wahrscheinlich nicht unbedingt in der Universitätsbibliothek Tübingen – doch genau dort hat sich nun tatsächlich ein Exemplar als älter herausgestellt als bislang angenommen und wird nun auf das 7. Jahrhundert, etwa 20-40 Jahre nach dem Tod des Propheten datiert.
Noch eine Handschrift, diesmal aus dem 16. Jahrhundert, Brügge: Der sogenannte Cambrai Chansonnier, eine Notenhandschrift mit einmaligen, spannenden, rätselhaften und sehr unterhaltsamen Miniaturen, vorgestellt von classicfm.com.
A propos Video: Der sogenannnte „History Channel“ ist schon seit langem eher für Autos, Ufos und Aliens bekannt als für Geschichtsdokumentationen. Nicht zuletzt die angeblich so aufwändig recherchierte und authentisch ausgestattete Serie „Vikings“ sorgt immer wieder für Spott und Empörung unter Historikern, living history-Darstellern, Wikinger-Fans und anderen Geschichtsinteressierten.
Nachdem sich Matt Easton von der britischen Fechtschule Schola Gladiatoria zuletzt über die in der Serie verwendeten Rüstungen ausgelassen hatte (Video 1, Video 2, Video 3), scheinen die Macher nun mit Ankündigung der 3. Staffel endgültig jeden Versuch aufgegeben zu haben, der Ausstattung auch nur den Schatten eines Hauchs des Anscheins von historischer Authentizität zu verleihen: Man beachte allein die Profilsohlen der Stiefel im Bildvordergrund …

Wikinger mit Gummisohlen: Werbeposter zur 3. Staffel der Fernsehserie "Vikings". (c) History Channel.
Ist das nun Dreistigkeit („Das merkt eh keiner!“) oder Resignation („Die merken eh alles!“)?
Alte Berufe und Familiennamen II
Das Mittelalter kannte eine Vielzahl von Gewerben, die heute weitgehend oder ganz verschwunden sind. Mitunter leben solche Berufsbezeichnungen in Familiennahmen weiter, die aber nicht immer ohne weiteres zu entschlüsseln sind.
Einige Beispiele wurden an dieser Stelle bereits vorgestellt, hier nun eine weitere Auswahl.
Meier (Meyer, Maier, Mayer, Mayr – von lat. maior) war die Bezeichnung für einen Verwalter von Gütern einer Grundherrschaft. Insbesondere in Westfalen und Teilen Niedersachsens sind heute noch Namen verbreitet, die auf die Hofstelle verweisen, die ein Vorfahr einst innegehabt hatte, wie z.B. Meyer zu Heepen, Meyer zum Gottesberge etc.
Pfister (auch Pfisterer) hießen im süddeutschen Raum die Bäcker (von lat. pistor), insbesondere jene, die vornehmlich das feine, weiße Brot und die Semmeln für die Oberschicht buken – anderswo als Schön(e)beck bekannt, im Gegensatz zum Schwarzbeck, der das dunkle, grobe Roggenmehl verarbeitete. Weiterlesen
Fundstücke KW 32
Auf www.monumente-online.de hat Dr. Bettina Vaupel einen interessanten Artikel über die Herstellung von Farben und den Handel mit Pigmenten im Mittelalter veröffentlicht: Wie das Blau übers Meer kam. Vom Wert der Farbe
Dazu gibt es noch ein Interview mit Dr. Doris Oltrogge, Expertin für mittelalterliche Farben und Maltechniken: Das Geheimnis der Pigmente
Passend hierzu ein Beitrag aus dem Buch „Die Macht der Toga“ über die Gewinnung von Purpur in der antiken Welt des Mittelmeers (academia.edu via Hiltibold): Carmen Alfaro: Purpur und Macht an den Küsten des Mittelmeerraums
Gleich zwei Podcasts des Bayerischen Rundfunks zum Thema Mittelalter (Download als mp3):
Und eine schwedische Dokumentation (mit engl. Untertiteln) über living history, das Leben als Reenactor und die Darstellung der Schlacht von Visby (von flygfisk.de, via medievalists.net):
Fundstücke KW 31
Wer oder was war „Ulfberht„? Die mit diesem Namen bezeichneten Schwertklingen stellten zur Zeit der Karolinger und Ottonen das Maß aller Dinge europäischer Schwertschmiedekunst dar. Zumindest die echten, denn offenbar verleitete der Ruf dieses „Markennamens“ bereits damals schamlose Plagiatoren dazu, ihre mindertwertigen Produkte ebenso zu kennzeichnen.
Mit der Entdeckung und Untersuchung einer weiteren Klinge in Niedersachsen ist die Forschung der Beantwortung der Frage nach Herkunft der Schwerter nun wieder ein Stückchen näher gekommen, wie die SZ berichtet: http://www.sueddeutsche.de/wissen/ulfberht-schwerter-wunderwaffen-aus-dem-kloster-1.2067956
In der Steiermark ist einer der ältesten erhaltenen Höfe, der wohl historisch bis auf das 9. Jahrhundert zurückging, wegen eines Formfehlers abgerissen worden: http://steiermark.orf.at/news/stories/2660377/
Bei Ascha im bayerischen Landkreis Straubing hat ein 14jähriger mehr als 2.100 Münzen aus dem Mittelalter entdeckt, wie der Bayerische Rundfunk berichtet: http://www.br.de/nachrichten/niederbayern/muenzschatz-straubing-100.html
In Sachsen-Anhalt haben Archäologen Belege für die Produktion von Salz und das Pökeln von Fleisch in der Bronzezeit gefunden: http://www.archaeologie-online.de/magazin/nachrichten/produktion-von-salz-und-poekelfleisch-in-der-bronzezeit-31234/
Die schweizer Universität Freiburg bietet auf ihrer Website die Schrifttafeln zur lateinischen Palägraphie von Franz Steffens – ein wunderbares Hilfsmittel zum Lernen und Üben von Transkriptionen: http://www.paleography.unifr.ch/index.htm (funktionieren leider nicht in Firefox)









