März

Zur Zeit der römischen Republik war der März der erste Monat des Jahres, woran heute noch der September („der Siebte“, von lat. septem = sieben), Oktober (lat. octo = acht), November (lat. novem = neun) und Dezember (lat. decem = zehn) erinnern. Bis im Jahr 153 v.Chr. der Jahresanfang auf den 1. Januar verlegt wurde, traten die römischen Konsuln am 1. März ihr Amt an. Im März fand außerdem die Musterung der waffenfähigen Bürger der Republik statt, was wahrscheinlich die Ableitung des Namens von dem des Kriegsgottes Mars erklärt.

Alte deutsche Bezeichnungen waren Lenzmond, Lenzmonat oder Lenzing. Der Lenz bezeichnet den Frühling, der in diesem Monat beginnt – meteorologisch am 1. März, astronomisch mit dem Frühlingsäquinoktium, der Tag- und Nachtgleiche um den 19.-21. März.
Für die Bauern im Mittelalter bedeutete dies, dass der nach dem Winter feuchte, schwere Boden der Felder umgepflügt werden musste. Dann wurde das Sommergetreide ausgesät, vorwiegend Gerste (zum Bierbrauen) und Hirse, daneben auch Sommerweizen und -roggen sowie Hafer, der allerdings vorwiegend als Winterfutter für Pferde genutzt wurde. Durch die kürzere Reifezeit von nur rund sechs Monaten und den geringeren Feuchtigkeitsgehalt der Erde war der Ertrag des Sommergetreides meist geringer als der des Winterkorns.
Pflügen und Aussaat sind auch die Tätigkeiten, die auf den meisten mittelalterlichen Kalenderbildern mit dem März assoziiert werden. Mitunter sind auch Beschnitt und Pfropfen der Weinreben sowie das Schneiden der Obstbäume dargestellt, doch fielen diese Arbeiten in Mitteleuropa meist eher in den April.

Pflügen und Rebschnitt im Stundenbuch des Duc de Berry, Anfang 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms.65, fol.3v.

Pflügen und Rebschnitt im Stundenbuch des Duc de Berry, Anfang 15. Jh. Chantilly, Musée Condé, Ms.65, fol.3v.

Die ersten Lämmer des Jahres kamen im März zur Welt, Hühner begannen nach der Kälte des Winters wieder Eier zu legen. Bei den Hasen beginnt die Brunftzeit, in der sich die männlichen Exemplare zuweilen etwas toll gebärden. Im englischen Sprachraum ist noch heute der Ausspruch „Mad as a March hare“ („verrückt wie ein Märzhase“) gebräuchlich, die Figur des Märzhasen ist aus Lewis Carrolls Roman „Alice im Wunderland“ bekannt.
Vielerorts wurde nun ein besonders starkes und damit länger haltbares Bier gebraut, das heute noch als „Märzen“ bekannt ist. Die Brausaison dauerte in der Regel von Michaelis (29. September) bis St. Georg (23. April). Um also auch während der Sommermonate mit dem flüssigen Grundnahrungsmittel versorgt zu sein, wurde das Starkbier nach Möglichkeit in kühlen Felsen- oder Gewölbekellern gelagert.

Im März lebte auch der Fernhandel wieder auf, Händler rüsteten sich für die anstehenden Frühjahrsmessen. Zwar kam die See- und Flussschiffahrt während des Winters wohl nie vollständig zum Erliegen, doch mit den beseren Wetterbedingungen nahm ihr Umfang jetzt wieder deutlich zu, nachdem Schiffe und Segel gegebenenfalls während der Wintermonate gewartet und ausgebesert worden waren. Die Nachfrage nach Meeres- und Flussfischen war während der vorösterlichen Fastenzeit naturgemäß besonders groß.
Überhaupt dürften die mittelalterlichen Verkehrswege nun wieder regeren Betrieb erlebt haben, denn auch fahrende Spielleute, Wallfahrer und andere Reisende zogen ab März wieder verstärkt durch die Welt. Die „Feldzugsaison“ begann meist ebenfalls im März.

Der wichtigste kirchliche Gedenktag war die Verkündigung des Herrn, auch als Mariä Verkündigung oder lat. Annuntiatio Domini bekannt (25. März). An diesem Tag exakt neun Monate vor der Geburt Christi soll Maria durch den Engel Gabriel über die Empfängnis des Herrn informiert worden sein.

Die Verkündigung in einer bürgerlichen Stube des 15. Jahrhunderts. Quelle: wikicommons, Urheber: PaulineM

Die Verkündigung in einer bürgerlichen Stube des 15. Jahrhunderts. Maître de Flémalle (Robert Campin?). Quelle: wikicommons, Urheber: PaulineM

Das Datum für das Osterfest war 325 auf dem Konzil von Nicäa auf den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt worden. Der früheste Termin für den Ostersonntag war daher der 22. März. Ostern, das Fest der Kreuzigung und Auferstehung Christi, war und ist das wichtigste Fest des katholischen Glaubens.
Neben der feierlichen kirchlichen Liturgie hielten sich im Mittelalter auch noch zahlreiche vorchristliche Bräuche, die meist mit der Begrüßung des Frühlings, Segnung der Aussaat, dem Austreiben böser Wintergeister u.ä. in Zusammenhang standen. So wurden etwa beim Feld- oder Flurumgang (meist am Ostermontag) Opfergaben in die Erde gebracht oder Weiden- und Haselruten gepflanzt, die böse Einflüsse vom Getreide fernhalten sollten.
Mit dem Osterfest steht auch der Palmsonntag, der letzte Sonntag der Fastenzeit in Verbindung, an dem des Einzugs Jesu in Jerusalem gedacht wurde. Es fanden Bittprozessionen statt, in denen z.T. wiederum heidnische Elemente christlich überformt wurden.
An Ostern endete die vierzigtägige Fastenzeit und begann die fünfzigtägige österliche Freudenzeit, die bis Pfingsten andauerte. Der Brauch der Ostereier hängt u.a. damit zusammen, dass die Hühner nun bereits seit einigen Wochen wieder Eier legten, diese jedoch während der Fastenzeit (eigentlich) nicht verzehrt werden durften, daher zum Osterfest in großer Zahl zur Verfügung standen. Der Eierzehnt war in der Regel am Gründonnerstag fällig. Gefärbte Ostereier sollen in Deutschland seit dem 13. Jahrhundert verbreitet gewesen sein.

Siehe auch Februar und Januar.

2 Gedanken zu „März

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