Zu Tisch!

„Die Tafel aufheben“ – der Satz ist auch heute noch geläufig. Er hat seinen Ursprung im Mittelalter, als Tische, an denen das gemeinschaftliche Mahl eingenommen wurde, zuweilen keine soliden, fest verfügten Konstruktionen waren, sondern aus Brettern bestanden, die lose auf Böcke oder Untergestelle gelegt wurden und nach der Mahlzeit wieder entfernt werden konnten.
Der große Saal einer Burg, in dem solche mobilen Konstruktionen bevorzugt zum Einsatz kamen, diente – wie viele andere Räume auch – je nach Bedarf mehreren Zwecken. Dort wurde nicht nur gemeinsam gegessen, sondern auch getanzt, zuweilen gefochten oder geschlafen – es war also praktisch, die Tafeln nach Gebrauch entfernen und platzsparend aufbewahren zu können. Auch im bürgerlichen Haushalt oder auf dem Dorf kamen derartige Lösungen zum Einsatz, die nach Ausweis dieser Darstellung einer Bauernhochzeit von Pieter Bruegel d.Ä. wohl auch mit Hilfe eines ausgehängten Türblatts improvisiert werden konnten.

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HistoFakt und Corona

Als ich 2006 mit Gründung von HistoFakt. Historische Dienstleistungen den Schritt in die Selbständigkeit wagte, lag der Fokus noch ganz auf der Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen, Verlagen, Redaktionen, Autorinnen und Autoren, Archiven, Museen etc., etwa durch Recherchen, Transkription und Übersetzung historischer Quellen, Lektorat, Übersetzung moderner Fachliteratur oder das Verfassen von Aufsätzen und Artikeln als Auftragsarbeiten.
Diese Dienstleistungen bilden nach wie vor einen Bestandteil meines Angebots. Doch seit einigen Jahren ist daneben der Bereich „Geschichtserlebnisse“ immer wichtiger geworden. Die Nachfrage nach Erlebnisprogrammen für Schulklassen und andere Kinder- und Jugendgruppen, nach Kursen, Vorführungen mittelalterlicher Praktiken und MItmachaktionen z.B. bei Museumsfesten hat erheblich zugenommen und war alleine schon fast nicht mehr zu bewältigen. Erstmals hatte ich daher in diesem Jahr die Absicht, für die Saison von April bis Oktober Honorarkräfte zu beschäftigen.

Dazu wird es nun leider nicht kommen. Die mit Wirkung zum 18. März beschlossenen Zwangsmaßnahmen der Landesregierung Baden-Württemberg zur Eindämmung der Corona-Epidemie haben zur Folge, dass sämtliche Museen und anderen Veranstaltungsorte bis voraussichtlich mindestens 15. Juni 2020 geschlossen bleiben. Zahlreiche Veranstaltungen, die ein Angebot von HistoFakt gebucht hatten, wurden abgesagt, andere noch zu erwartende Buchungen werden nun nicht zustande kommen. Die Kurse müssen bis einschließlich zum genannten Datum ausfallen.

Für mich bedeutet das einen erheblichen Umsatzverlust. Rund 2,5 Monate der Saison von April bis Oktober fallen einfach komplett weg, und damit auch etwa ein Drittel des zu erwartenden Einkommens. Kosten für Miete, Sozialabgaben, Versicherungen u.ä. laufen unterdessen selbstverständlich unvermindert weiter. Da von November bis März nur sehr wenige Aktivitäten angeboten werden können bzw. nachgefragt werden, können über den Winter kaum Rücklagen gebildet oder die Verulste später im Jahr ausgeglichen werden.
Ähnlich wie mir geht es unzähligen freiberuflichen Kulturschaffenden, Künstlern und DIenstleistern. Wir alle hoffen nun auf die Solidarität unserer Auftraggeber und Kunden, und dass stornierte Buchungen und ausgefallene Aufträge nach Ende des Zwangsmaßnahmen nachgeholt werden.
Aber falls von Bundes- und Landesregierungen keine Programme zur schnellen, unbürokratischen finanziellen Unterstützung von Freiberuflern aufgelegt werden, wird diese Krise zahlreiche Existenzen vernichten – möglicherweise auch meine.

Ich habe keine Angst wegen des Corona-Virus‘. Durch einfache Maßnahmen – vor allem Vermeidung menschlicher Kontakte und regelmäßiges, gründliches Händewaschen – sollte es möglich sein, eine Ansteckung zu vermeiden, und da ich nicht zu einer Risikogruppe gehöre, sollte für mich gegebenenfalls auch eine Infektion relativ harmlos verlaufen.
Große Sorgen mache ich mir aber um die wirtschaftlichen Folgen der Krise. Momentan ist für mich überhaupt nicht absehbar, ob und wie ich die genannten Einkommensverluste auffangen kann, und sollten die bisherigen Maßnahmen noch verschärft oder bis über den 15. Juni hinaus verlängert werden, dürfte dies das Ende meiner nunmehr 14 Jahre währenden, bislang recht erfolgreichen Selbständigkeit bedeuten.

Die einzige positive Nachricht in der gegenwärtigen Situation: Ich habe jetzt viel Zeit und verbringe sie ohnehin zuhause vor dem Rechner. Daher habe ich jede Menge Kapazitäten, um z.B. historische Handschriften zu entziffern und zu übersetzen oder Artikel zu verfassen.
Sollten Sie also Bedarf an meinen Dienstleistungen haben, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, entsprechende Aufträge zu erteilen und damit auch noch ein gutes Werk zu tun, indem Sie einen Beitrag zum Fortbestand von HistoFakt leisten!

In diesem Sinne: Bleiben Sie gesund, bleiben Sie daheim, waschen Sie sich regelmäßig die Hände und unterstützen Sie freiberufliche Kulturschaffende wie mich, sofern Sie können.

Herzlichst,
Jan H. Sachers M.A.

P.S.: Der Online-Shop läuft bislang glücklicherweise ohne größere Einschränkungen weiter. Versand erfolgt allerdings bis auf Weiteres nur noch montags und Donnerstags.

 

Kursangebote 2020

Auch im Jahr 2020 bietet HistoFakt. Historische Dienstleistungen wieder spannende Kursangebote an verschiedenen Standorten.
Für Gruppen ab 4 Personen lassen sich alle Kurse auch zu individuellen Terminen an frei wählbaren, geeigneten Orten durchführen. Sprechen Sie uns an!

NEU! Sie können die Teilnahme an unseren Kursen jetzt ganz bequem online über shop.HistoFakt.de buchen und per Überweisung oder Paypal bezahlen. Einfach auf den Link des gewünschten Termins klicken!

Download: Terminbroschüre und Buchungsformular 2020 (pdf-Dokument, ca. 500 kb)

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Seminar „Hieb – Stich – Schnitt“

Der Verein Burglandschaft e.V. veranstaltet, in Kooperation mit Historisches Fechten Würzburg e. V., ein Seminar zum Thema Historische Europäische Kampfkünste am Wochenende von Freitag, 22.11.2019, bis Sonntag, 24.11.2019.
In verschiedenen Workshops beschäftigen sich die Teilnehmer im Umgang mit dem Langen und dem einhändigen Schwert, Stangenwaffen, Dolchkampf und Ringen. Das Seminar findet auf Burg Rothenfels in Rothenfels statt, sowohl das gesamte Seminarwochenende als auch einzelne Workshops können auch unabhängig voneinander besucht werden.

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(Bis auf Weiteres) Keine Fundstücke mehr

Es begann mit einem guten Vorsatz. Am 1. Januar 2014 schrieb ich hier im Blog:

„Ich habe mir vorgenommen, 2014 mehr und regelmäßiger Beiträge ins Blog zu stellen – z.B. indem ich hier jede Woche Fundstücke aus dem Netz präsentiere. Mal sehen, wie lange ich durchhalte … Heute will ich jedenfalls mal einen Anfang machen.“

Die Idee war, interessante Meldungen, Seiten, Videos und Links zur Geschichte und Archäologie des Mittelalters zu sammeln und Interessierten zugänglich zu machen. Sie stammte ursprünglich nicht von mir: Bis Ende 2013 hatte der „Nachrichtendienst für Historiker“ mehr oder weniger das Gleiche getan, allerdings nicht auf das Mittelalter beschränkt.
Diese nützliche Seite hatte jedoch ihren Dienst aufgrund der Unsicherheiten der (damaligen) europäischen Urheberrechtsreform eingestellt, und ich fühlte mich berufen, zumindest in kleinerem Maßstab für mein Fachgebiet einen ähnlichen Service anzubieten.
Etwas mehr als 5 Jahre habe ich durchgehalten, doch verschiedene Gründe haben mich nun bewogen, die Reihe bis auf Weiteres einzustellen.

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Kursangebote 2019

Auch im Jahr 2019 bietet HistoFakt. Historische Dienstleistungen wieder spannende Kursangebote an verschiedenen Standorten.
Für Gruppen ab 4 Personen lassen sich alle Kurse auch zu individuellen Terminen an frei wählbaren, geeigneten Orten durchführen. Sprechen Sie uns an!

Terminbroschüre und Anmeldeformular zum Download (pdf): Kurstermine 2019_web

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Vortrag: „Wiltu guot fewr pfeil machen“

Herstellung, Einsatz und Wirkung von Brandpfeilen in der Geschichte

„Gott ist ein gerechter Richter und ein Gott, der täglich zürnt. Wenn man nicht umkehrt, so wetzt er sein Schwert, hält seinen Bogen gespannt und zielt und richtet auf jenen tödliche Geschosse; seine Pfeile steckt er in Brand!“ (Psalm 7, 12-14)

Brandpfeil in der sog. "Löffelholz-Handschrift", 1505. (Krakau, Biblioteka Jagiellońska Ms. Berol. Germ. Qu. 132.)

Brandpfeil in der sog. „Löffelholz-Handschrift“, 1505. (Krakau, Biblioteka Jagiellońska Ms. Berol. Germ. Qu. 132.)

Brennende Geschosse waren seit der Antike bei verschiedenen Kulturen im Einsatz. Schon lange vor der Erfindung des Schießpulvers konnten sie verheerende Schäden anrichten, ganze Häuser, Dörfer und Städte in Flammen aufgehen lassen. Brandpfeile und -bolzen, mit Bogen oder Armbrust verschossen, waren daher über Jahrhunderte zu Recht gefürchtete Waffen.

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„Faszination Schwert“ – Eintrittskarten zu gewinnen

Am Samstag, den 13. Oktober 2018 wird im Landesmuseum Württemberg in Stuttgart die neue Sonderausstellung „Faszination Schwert“ eröffnet. Mit 340 Objekten aus 3.600 Jahren – darunter 140 Schwerter, Originale und Reproduktionen – kann die Schau bereits mit einigen Superlativen aufwarten. Hinzu kommt ein umfangreiches und abwechlungsreiches Begleitprogramm mit Führungen, Fechtkursen, Vorträgen und mehr.

Ich werde zu gegebener Zeit über meine Eindrücke von der Ausstellung berichten. Wer sich selbst vor Ort ein Bild machen möchte, hat auf der Facebook-Seite von shop.HistoFakt.de noch bis Freitag Gelegenheit, 2×2 Eintrittskarten zu gewinnen!

Informationen zur Ausstellung, zum Begleitprogramm, zu Eintrittspreisen etc. finden sich auf www.schwert-stuttgart-de.

Berufe im Mittelalter

Zwischen 2007 und 2016 erschienen fast 50 Beiträge meiner Reihe „Berufe im Mittelalter“ in der Zeitschrift „Karfunkel“. Auf knappem Raum (ca. 8.000-9.000 Zeichen) bieten sie einen ersten informativen Einblick in verschiedene typische oder auch ungewöhnliche mittelalterliche Arbeitsfelder in Handwerk, Handel oder Dienstleistung.
Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt dabei naturgemäß auf dem Spätmittelalter – aus mehreren Gründen: Zum Einen ist die Quellenlage für die Zeit etwa ab dem 12./13. Jahrhundert deutlich besser. Zum Zweiten sind viele Gewerbe überhaupt erst in oder seit dieser Zeit entstanden. Und schließlich ist die Entstehung ausgeprägter „Berufe“ selbst ein Phänomen der seit dem Hochmittelalter neu (wieder) aufgekommenen städtischen Lebensform mit den zugehörigen Faktoren einer wachsenden Geldwirtschaft, mehr oder weniger stark ausgeprägter Gewerbefreiheit, zunehmender Arbeitsteilung und Spezialisierung, einer gewissen Unabhängigkeit von den Jahreszeiten etc.
Die professionelle und exklusive Ausübung eines Handwerks etwa ist nur möglich, wenn nicht der größte Teil der zur Verfügung stehenden Zeit der Nahrungsmittelversorgung gewidmet werden muss. Dies setzt wiederum voraus, dass Andere diese Versorgung mit (Grund-) Nahrungsmitteln – gegen Bezahlung – übernehmen. Für das Funktionieren eines differenzierten Wirtschaftssystems ist daher die Existenz lebensmittelherstellender oder -verarbeitender Berufe wie Müller, Bäcker, Metzger etc. von übergeordneter Bedeutung. An zweiter Stelle steht die Versorgung mit wichtigen Dingen des täglichen Bedarfs wie Kleidung und Schuhen, also die Arbeit von Webern, Schneidern, Tuchscherern, Färbern, Gerbern, Schuhmachern und Flickschustern etc.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser „Grundversorger“ spiegelte sich allerdings in der Regel nicht in ihrem gesellschaftlichen Ansehen wider. Das gilt in noch stärkerem Maße für  Dienstleister wie Bader, Straßenreiniger, Rattenfänger, Henker, Lumpensammler (für die Papierherstellung) und dergleichen. Noch geringer geschätzt wurden umherziehende Handwerker oder Dienstleister – Kesselflicker, Spielleute und Gaukler, ambulante Kramhändler etc.

„… hans pheuffer der lang czeit mit der schauffel in dem stat graben geerbet hot“: Hans Pfeifer, ein Tagelöhner. (Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2° fol. 77v.)

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