Die Geschichte des Mittelalters ist eine ausgesprochen westeuropäische Veranstaltung. Das betrifft nicht nur die Epochengrenzen, die in anderen Regionen völlig anders gezogen werden müssten, sondern z.B. auch die Betrachtung der Quellen. Schon ost- und südosteuropäische Länder wie Polen, Tschechien oder der Balkan spielen in der westlichen Geschichtsschreibung bestenfalls eine untergeordnete Rolle. Byzanz taucht allenfalls gelegentlich am Rand der Wahrnehmung auf, etwa wenn byzantinische Kunstwerke in angelsächsischen Grablegen auftauchen, ein Kreuzfahrerheer Konstantinopel plündert oder die Osmanen die Stadt schließlich erobern und in Istanbul umbenennen.
Zu diesem Zeitpunkt (1453) hatte „das andere Rom“ jedoch bereits seine eigene mehr als tausendjährige, wechselvolle und prägende Geschichte geschrieben. Sich mit dieser zu befassen kann nicht nur den eigenen geistigen Horizont erweitern, sondern eröffnet auch neue Perspektiven auf überregionale Konflikte, Handelspraktiken, religiöse Entwicklungen und andere Dynamiken.
Doch wo und wie soll diese Beschäftigung am besten beginnen? Die Antwort darauf liefert Johann Preiser-Kapeller mit seinem neuen handlichen Überblick, der – auf den ersten Blick etwas verwirrend – in der Reihe „Geschichte der Antike“ bei C.H. Beck erschienen ist.
Schlagwort-Archive: Byzanz
Fundstücke KW 48
War der Pelzhandel schuld? Theorien zur Ausbreitung der Pest im mittelalterlichen Mitteleuropa gibt es viele. Diese neue These, über die u.a. Der Standard berichtet, hat den Vorteil, auf Genanalysen zu beruhen.
Ekaterini Mitsiou und Johannes Preiser-Kapeller schreiben auf „Das andere Mittelalter“ über Verbrechen und Strafe im mittelalterlichen Byzanz.
Fundstücke KW 43
Beigaben aus awarischen Gräbern sind in einer Ausstellung im MAMUZ Schloss Asparn an der Zaya zu sehen, wie Der Standard meldet.
Ein Beitrag von Max Emanuel Frick auf Geschichte Online widmet sich der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453.
Fundstücke KW 33
Ein Schreibgriffel aus Holz des 14.-15. Jahrhunderts ist der Fund des Monats im Blog des Archäologischen Museums Hamburg.
In Rostock arbeiten Archäologen am Erhalt von hölzernen Konstruktionen aus dem 8. und 9. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um Teile eines frühslawischen Seehandelsplatzes, wie die SVZ meldet.
Ein Altar aus dem 15. Jahrhundert soll für Völkerverständigung und friedliche Beziehungen zu den Muslimen werben – persönlich finde ich die im Südkurier vorgestellte Studie nicht besonders überzeugend.
Fundstücke KW 11
Oh je, oh je – da werden wieder einige Halsschlagadern anschwellen und Geiferdrüsen überlaufen: Der Spiegel meldet die massive Einwanderung von Frauen aus Südosteuropa nach Bayern im Frühmittelalter …
Auch Der Standard berichtet über die Invasion der Frauen mit den „Turmschädeln“, ebenso die Süddeutsche.
„Welche Chance hätte eine #MeToo-Debatte im Mittelalter gehabt?“ fragt Felicia Stichter in der Frankfurter Neuen Presse und gelangt zu der Erkenntnis: Werte gab es auch damals schon, es waren aber andere als heute …
Fundstücke KW 14
Schöner reisen mit Ibn Battuta: Der SPON hat 10 Tipps des Reisenden aus dem 14. Jahrhundert zusammengestellt.
Hieronymus Bosch war ohne Zweifel eienr der originellsten, aber auch düstersten Künstler des ausgehenden Mittelalters. Zu seinem 500. Geburtstag lässt seine Heimatstadt ’s-Hertogenbosch einige seiner bizarren Kreationen dreidimensional auferstehen (via WDR 5).
Am 23. April jährt sich zum 500. Mal ein Erlass der bayerischen Herzöge, der vornehmlich den Bierpreis im Land regeln sollte und seit seiner Wiederentdeckung geschickt als „Deutsches Reinheitsgebot“ vermarktet wird (mehr dazu hier und demnächst).
Aus diesem Anlass widmen sich zahlreiche – jubilierende und kritische – Zeitschriften- und andere Medienbeiträge dem Lieblingsgetränk der Deutschen und seiner Geschichte. Aktuell z.B. die Süddeutsche Zeitung mit einem Artikel über die Craft Beer-Bewegung, die mit der Beschränkung auf Malz, Hefe, Wasser und Hopfen wenig anfangen kann; ein weiterer über eines der traditionsreichsten Biere, das „Zoigl“, das in der nördlichen Oberpfalz im kommunalen Brauhaus von wechselnden Hobbybraumeistern gebraut wird; und über die Bier-Ausstellungen im Münchener Stadtmuseum und im Jüdischen Museum.
Hiltibold schreibt einen offenen Brief an den Geschäftsführer des umstrittenen living history-Projekts „Campus Galli„.
Wiener Byzantinisten erfassen handschriftliche Gebetbücher aus dem Mittelalter in einer Datenbank und machen erstaunliche Entdeckungen, berichtet derstandard.at.
H. Jablonski wies mich freundlicherweise auf eine Crowdfunding-Initiative des Spessartprojekts hin, mit der Ausgrabungen an einer rätselhaften abgegangenen Burg bei Waldaschaff finanziert werden sollen.
Die Bilder der Woche stammen von einer beeindruckenden Burgbelebung auf Haute Koenigsbourg und wurden von Diana Goodwin auf Facebook veröffentlicht:
I only had a couple of hours to shoot on Friday morning as everyone was just getting ready for the arrival of the first…
Posted by Diana Goodwin on Dienstag, 5. April 2016