Fundstücke KW 17

Lässt sich nach Rezepten aus dem alten Ägypten noch heute Bier brauen? Video eines Praxistests in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks.

Wurden frühmittelalterliche Krisen durch Vulkanausbrüche ausgelöst? derstandard.at berichtet über aktuelle Forschungsergebnisse.

Als „mit öffentlichen Geldern bezahlte Schädigung des Berufsstandes“ bezeichnet der Verband der Restauratoren eine neue Sendereihe des ZDF.

Die Wienischen Hantwercliute rezensieren ein Buch über mittelalterliche Frauenheilkunde, sie berühmte (und umstrittene) „Trotula“

Im Blog des LWL Landesmuseums berichten Herner Historiker über ihre Erfahrungen als Grabungshelfer am Paderborner Dom.

Isidor berichtet im Blog der Ottonenzeit über den 10. Heerbann in Berlin Brandenburg.

„Die Außenpolitik des Deutschen Ordens unter Hochmeister Konrad von Jungingen (1393-1407)“ – 1.000 Worte Forschung auf mittelalter.hypotheses.org.

Zum ewigen (?) Streit zwischen Sondengehern und Archäologen hat Hiltibold ein Interview mit dem Archäologen Raimund Karl geführt.

Und wer schon immer wissen wollte, wie Archäologen eigentlich an ihre Erkenntnisse gelangen – hier die Auflösung:

(c) DirkJan (www.dirkjan.nl)

(c) DirkJan (www.dirkjan.nl)

(Ja, OK, ich weiß auch, dass das hier eher ein Fall der Paläontologie als der Archäologie ist. Aber das Prinzip ist ähnlich. (Natürlich nicht! Ich mache nur Witze …))

Fundstücke KW 16

Sensation! Ui – eine Meldung aus der Archäologie, die ohne die Begriffe „Sensation“ und „spektakulär! auskommt, das ist ja schon fast eine spektakuläre Sensation für sich …
Die Existenz eines frühmittelalterlichen Gräberfeldes in Pasing war wohl jedenfalls schon länger bekannt, nun wird es durch eine private Grabungsfirma freigelegt, wie die SZ meldet.

Am Samstag, den 23. April feierte eine Bierpreisordnung 500. Jubiläum, die nun bereits seit mehr als 100 Jahren als „bayerisches“ bzw. „deutsches Reinheitsgebot“ gefeiert wird. (Mehr dazu hier im Blog. Und hier.)
Woher Herr Unterstöger von der SZ die Kenntnis hat, dass vor dem Erlass dieses Mandats u.a. Pech und Ochsengalle (!) unter die Würze gemischt wurden, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Aber ansonsten ist sein Beitrag recht informativ.

Auf derstandard.at berichtet die Archäologin Petra Schneidhofer über ihren Arbeitsalltag ohne Spaten, Kelle und Pinsel.

Daniel Ossenkop rezensiert auf dasmittelalterderblog.com das Buch von Wand-Wittkowski, Christine: elegant, kultiviert, beschränkt. Höfische Kultur im Mittelalter. Aisthesis-Verlag, Bielefeld, 2016.

Manchmal offenbaren archäologische Funde auch Einblicke in historische Kriminalfälle oder Spionagegeschichten, wie im Fall eines Seidenkleides aus dem 17. Jahrhundert, über das Der Spiegel berichtet.

Die Volkswagen-Stiftung unterstützt das Wikinger-Museum Haithabu und berichtet über abgeschlossene, andauernde und bevorstehende Projekte in einem laaaaaangen, aber lesenswerten Blogpost.

Ein Stück lebendige mittelalterliche Alltagsgeschichte von Niklas Hofbauer auf „Neues aus der Gotik“: das Salzfass in Fund und Rekonstruktion.

Für die Augen gibt es diese Woche das Album „Medieval People“ von Günter Ludwig Design – fantastische, stimmungsvolle Porträt von Spätmittelalter-Darstellern, dazwischen dann aber plötzlich wenig authentische Show-Ritter, und mit dieser Mischung irgendwie auch sinnblidlich für das Mittelalterbild großer Teile der Bevölkerung …

500 Jahre "Reinheitsgebot"

Bier zählt zu den ältesten Kulturgetränken der Menschheit. Älteste Hinweise stammen aus dem Neolithikum, bierähnliche Getränke sind z.B. aus Babylon und Ägypten belegt. In germanischer Zeit und im Frühmittelalter lag das Bierbrauen als Teil der bäuerlichen Selbstversorgung vorwiegend in Händen der Frauen. Doch nicht zuletzt der hohe Arbeitsaufwand sowie der Platz- und Gerätebedarf sorgten seit dem Aufkommen der Städte für einen Übergang zu gewerblicher Produktion, wodurch der eigenständige Beruf des Bierbrauers entstand.

Bierbrauer im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, um 1425 (Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2°, fol. 20v.)

Bierbrauer im Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung, um 1425 (Nürnberg, Stadtbibliothek, Amb. 317.2°, fol. 20v.)

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Fundstücke KW 15

Jürgen Sarnowsky auf mittelalter.hypotheses.org: „Was sind und zu welchem Ende studiert man Geisteswissenschaften?

Der Deutschlandfunk ist der Meinung, die Geschichtswissenschaft entdecke gerade die „schriftlose Geschichte“. Das tut sie zwar schon seit 30 oder 40 Jahren, aber der Beitrag ist trotzdem nicht uninteressant.

„Wenn Braveheart sein Netzwerk aktiviert“ – derstandard.at über eine Tagung zur Erforschung sozialer Netzwerke im Mittelalter.

Sie haben in den vergangenen zwei Jahren eine „hervorragende mediävistische Dissertation von interdisziplinärer Bedeutung“ verfasst? Dann bewerben Sie sich doch für den (mit immerhin € 2.000,- dotierten) Nachwuchspreis des Mediävistenverbandes.

Die Süddeutsche berichtet über die Eröffnung der dreiteiligen Ausstellung „Bilderwelten. Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit“ in der Bayerischen Staatsbibliothek – ohne eine einzige Abbildung im Artikel! Auch irgendwie eine Leistung …

Nach längerer Pause meldet sich Daniel Ossenkop auf dasmittelalterderblog.com mit einem Beitrag über Wappen in der Bildwelt des Mittelalters zurück.

Wikinger sind offenkundig nicht das Spezialgebiet der Archäologin Angelika Franz. Dennoch enthält ihr Beitrag auf Spiegel Online auch einige interessante neue Informationen.

Am Freitag hielt ich einen Vortrag über Herstellung, Einsatz und Wirkung von Brandpfeilen in der europäischen Geschichte.* Dazu passend das Video der Woche von Nick Birmingham / der Free Company of Aquitaine:

*Interessiert? Nur eines von zahlreichen möglichen Vortragsthemen. Weitere Infos hier, Anfragen willkommen!

 

Fundstücke KW 14

Schöner reisen mit Ibn Battuta: Der SPON hat 10 Tipps des Reisenden aus dem 14. Jahrhundert zusammengestellt.

Hieronymus Bosch war ohne Zweifel eienr der originellsten, aber auch düstersten Künstler des ausgehenden Mittelalters. Zu seinem 500. Geburtstag lässt seine Heimatstadt ’s-Hertogenbosch einige seiner bizarren Kreationen dreidimensional auferstehen (via WDR 5).

Am 23. April jährt sich zum 500. Mal ein Erlass der bayerischen Herzöge, der vornehmlich den Bierpreis im Land regeln sollte und seit seiner Wiederentdeckung geschickt als „Deutsches Reinheitsgebot“ vermarktet wird (mehr dazu hier und demnächst).
Aus diesem Anlass widmen sich zahlreiche – jubilierende und kritische – Zeitschriften- und andere Medienbeiträge dem Lieblingsgetränk der Deutschen und seiner Geschichte. Aktuell z.B. die Süddeutsche Zeitung mit einem Artikel über die Craft Beer-Bewegung, die mit der Beschränkung auf Malz, Hefe, Wasser und Hopfen wenig anfangen kann; ein weiterer über eines der traditionsreichsten Biere, das „Zoigl“, das in der nördlichen Oberpfalz im kommunalen Brauhaus von wechselnden Hobbybraumeistern gebraut wird; und über die Bier-Ausstellungen im Münchener Stadtmuseum und im Jüdischen Museum.

Hiltibold schreibt einen offenen Brief an den Geschäftsführer des umstrittenen living history-Projekts „Campus Galli„.

Wiener Byzantinisten erfassen handschriftliche Gebetbücher aus dem Mittelalter in einer Datenbank und machen erstaunliche Entdeckungen, berichtet derstandard.at.

H. Jablonski wies mich freundlicherweise auf eine Crowdfunding-Initiative des Spessartprojekts hin, mit der Ausgrabungen an einer rätselhaften abgegangenen Burg bei Waldaschaff finanziert werden sollen.

Die Bilder der Woche stammen von einer beeindruckenden Burgbelebung auf Haute Koenigsbourg und wurden von Diana Goodwin auf Facebook veröffentlicht:

I only had a couple of hours to shoot on Friday morning as everyone was just getting ready for the arrival of the first…

Posted by Diana Goodwin on Dienstag, 5. April 2016

Fundstücke KW 13

Nach längerer Pause – für die ich mich hiermit ausdrücklich entschuldige! – hier endlich eine neue Folge der Fundstücke der Woche. Es hat sich einiges angesammelt, daher eine Auswahl lohnender aktueller Links zu Archäologie, Geschichte, Mittelalter u.ä.:

Hiltibold hat sich u.a. mit Holzgefäßen in den Funden aus Haithabu beschäftigt.

Archäologie und Computer-Spiele – wie passt das zusammen? Dieser Frage geht ein Beitrag von DRadio Wissen nach.

Regelmäßig spannende Beiträge zum Leben im mittelalterlichen Tirol bietet das Blog „vrouwe maere“, aktuell zum Glaube und Gebräuchen der einfachen Landbevölkerung.

Friedrich Barbarossa und die zweimalige Unterwerfung Mailands“ lautet der Titel eines Beitrags auf kurz!-Geschichte.
Außerdem widmet man sich dort in einer Reihe den sechs Ehefrauen Heinrichs VIII. Die aktuelle Folge handelt von Gattin Nr. 5, Catherine Howard.

Martin Zimmerman veröffentlichte auf archaeologie-online.de einen Beitrag zum Glashandwerk im Frühmittelalter.

Zahlreiche Fachbücher zu mittelalterlichen Themen wurden im März rezensiert; mittelalter.hypotheses.org gibt den Überblick.

Auf den interessanten YouTube-Kanal von Rainer Leng hatte ich bereits einmal hingewiesen. Derzeit widmet sich der Würzburger Mediävist dem Thema Universitätsgeschichte(n), die aktuelle, vierte Folge widmet sich der Frage: Was kostete im Mittelalter ein Studium und woher kam das Geld dafür?

Fundstücke KW 9

Im Alamannenmuseum Ellwangen fanden zum zweiten Mal die Tage der lebendigen Geschichte statt, worüber ostalb.net berichtet.

damals.de schreibt über die Untersuchung der Gewänder Heinrichs II. und seiner Frau Kunigunde in Bamberg.

Hiltibold erzählt die „grausliche Geschichte vom Blinden und dem Herrn von Châteauroux“.

kurz!-Geschichte widmet sich der Schädelchirurgie im Mittelalter.

Sensation! (Ohne den Superlativ kommt heutzutage keine Meldung aus der Archäologie mehr aus!)
In Innsbruck wurde bei Grabungsarbeiten eine mittelalterliche Brücke entdeckt, melden (u.a.) die Tiroler Tageszeitung, der ORF und derstandard.at.

Archäologie online schrieb diese Woche über den Würzburger Geschichtsprofessor Rainer Leng, der mit Online-Seminaren, Kurzvideos und anderen multimedialen Methoden die Geschichte des Mittelalters einem möglichst breiten Publikum auf spannende Weise näher zu bringen versucht.
Die Beiträge auf seinem YouTube-Kanal sind kurz, informativ, anregend und absolut zu empfehlen, wie z.B. diese hier zum Begriff des Mittelalters:

Fundstücke KW 8

Es ist immer wieder erstaunlich, was Archäologen alles finden, bestimmen und auswerten können. Unter dem Rathaus von Wiedenbrück sind es mittelalterliche Fußabdrücke, wie die Neue Westfälische berichtet.

„Vermutlich haben Archäologen Wohnhäusern [sic!] aus der germanischen Eiszeit unter der geplanten Trasse der Pinneberger Westumgehung gefunden.“ So meldet das Hamburger Abendblatt.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe informiert über die Ausgrabungen am Paderborner Domplatz.

In Gotha ist die Freilegung des „Herrn von Boilstädt“ abgeschlossen, meldet Archäologie Online.

War eine „kleine Eiszeit“ die Ursache für Pest und Völkerwanderung am Ende der Antike? Noch einmal Archäologie Online.

Daniel Ossenkop schreibt auf seinem Blog über William Marshal, den „größten aller Ritter“.

Fokus Handschrift empfiehlt diese Woche mein Buch „Die Schreibwerkstatt. Schrift und Schreiben im Mittelalter“, Zirndorf: G&S-Verlag 2008. Der Kaufempfehlung kann ich mich natürlich nur anschließen …
Bestellbar auch direkt beim Autor per E-Mail an info@histofakt.de.

Rätsel zum jüdischen Leben im Mittelalter als Material im Geschichtsunterricht von Daniel Bernsen.

Archäologie Online zum Dritten: Ein interessanter Beitrag von Martin Zimmermann zur Glasproduktion im Frühmittelalter.

Am 23. April wird das sogenannte „Deutsche Reinheitsgebot“ 500 Jahre alt. Eigentlich aber auch nicht, denn es handelt sich weder um eine deutsche Regelung, noch um ein Reinheitsgebot. Zu diesem Missverständnis und zur Geschichte des Gerstensafts schreibt Hans-Heinrich Pardey auf FAZ Online.

Im Alter von 84 Jahren verstarb am Freitag nach langem Krebsleiden der italienische Philosoph, Medienwissenschaftler und -kritiker, Kolumnist und Schriftsteller Umberto Eco. Während er in Deutschland vornehmlich durch seine Romane Bekanntheit und Erfolg erlangte, galt er in seiner Heimat Italien auch als engagierter Intellektueller, der pointiert öffentlich Stellung zu gesellschaftlichen und politischen Fragen bezog.
Nicht nur in seinem Erfolgsroman „Der Name der Rose“ (München 1982) befasste sich Eco ausgbiebig mit dem Mittelalter, sondern auch in zahlreichen kulturhistorischen, philosophischen und semiotischen Abhandlungen und Essays. Auch nach 25 Jahren noch immer besonders zu empfehlen: „Kunst und Schönheit im Mittelalter“, München 1991. Außerdem: „Im Wald der Fiktionen. Sechs Streifzüge durch die Literatur. Harvard-Vorlesungen“, München 1994″ sowie immer wieder seine vergnüglichen Kolumnen-Sammlungen oder „Streichholzbriefe“.
Europa hat einen großen, wichtigen und lautstarken Denker verloren, einen richtungsweisenden Philosophen, einen spitzzüngigen Kritiker und einen bedeutenden Literaten. Möge er in Frieden ruhen.

„Ich bin immer fasziniert von der Rolle, die die Dummheit spielt. Ich habe eine ganze Bibliothek, die nur Bücher enthält, die falsch sind. Die Geschichte ist das Reich der Fälschung, der Lüge und der Dummheit.“

Nachrufe finden sich z.B. in der Süddeutschen Zeitung, der Zeit, auf Spiegel Online und auf medievalists.net (in englischer Sprache).
In diesem Video führt Eco durch seine Privatbibliothek, die nach seinen eigenen Schätzungen ungefähr 50.000 Titel umfasst (und größer zu sein scheint als meine ganze Wohnung …):

Umberto Eco che percorre la sua casa-bibliotecaUmberto Eco che percorre la sua casa-biblioteca.(dal documentario „Sulla memoria“, di Davide Ferrario. Clip via Stefano Crupi)

Posted by La Repubblica XL on Samstag, 20. Februar 2016

Alte Berufe und Familiennamen, Teil III

Zahlreiche alte, heute meist ausgestorbene Berufe haben ihre Spuren in Form von Familiennamen hinterlassen. Doch nicht immer ist auf den ersten Blick erkenntlich, welches historische Gewerbe sich hinter dem Klingelschild des Nachbarn verbirgt.
Nach Teil I und Teil II hier nun die dritte Folge von Erläuterungen historischer Berufsbezeichnungen, die einem im Telefonbuch* begegnen können.

Armbruster waren diejenigen, die Armbruste herstellten, nicht die, welche sie benutzten. So wie auch Bogner keine Bogenschützen waren, sondern Hersteller von Bögen.

Als Pielsticker bezeichnete man im Norden Deutschlands die Hersteller von Pfeilen und Bolzen für Bogen und Armbrust. Eine ebenfalls norddeutsche Variante ist der Pilemaker, anderswo wurde das Gewerbe als Pfeilschäfter oder einfach Pfeil(e)macher bezeichnet. Im Englischen hießen sie Fletcher, was ebenfalls ein weit verbreiteter Nachname ist.
(Mehr zum pilestikker oder pilemaker gibt es hier.)

Reider stellten Messer- und Schwertgriffe her, montierten die Klingen und übernahmen manchmal auch das Schärfen, was andernfalls Aufgabe der Schwertfeger war. Die Bezeichnung Reider war vor allem im Bergischen Land (um das Klingenzentrum Solingen) verbreitet, aber auch andernorts belegt.
Der Reider hat jedenfalls nichts mit dem Reiter oder dem Reut(h)er zu tun. Über die unterschiedlichen Ursprünge dieser Namen gibt es einen interessanten kurzen Beitrag in „Die Welt“.

Wer das Krugrecht innehatte, also eine Gastwirtschaft betrieb, wurde im Norddeutschen als Krüger bezeichnet. Im Dialekt konnte er auch Kröger heißen. Die gleiche Bedeutung haben die Nachnamen Krug, Krüg, Krog, Krügel oder Krugmann.

Binder ist eine der zahlreichen Bezeichnung des Böttchers, Bötti(n)gers, Küfers, Büttners – also dessen, der Fässer herstellte. Die Vielzahl und weite Verbreitung der Namen verweist auf die Bedeutung, die Fässer als universales Verpackungs- und Transportmittel im Mittelalter hatte. Nicht alle waren mit Eisenringen eingefasst, häufiger wurden die Dauben mit Weiden- oder Haselnussruten zusammengebunden – daher die Bezeichnungen Binder, Fassbinder, Fassbender.

Die Bedeutung der Bezeichnung Büttel ist vielfältig. Im Mittelalter wurden so Gerichtsdiener, Amts- und Fronboten sowie alle Arten von niederen Exekutivbeamten bezeichnet, also z.B. Feld-, Forst- oder Weinberghüter.

Ein "bütel" mit Amtsstab und Schwert im Hausbuch der Mendelschen Zwöflbrüderstiftung (1429). Nürnberg, Stadtbibliothek Amb. 317.2° fol. 50r.

Ein "bütel" mit Amtsstab und Schwert im Hausbuch der Mendelschen Zwöflbrüderstiftung (1429). Nürnberg, Stadtbibliothek Amb. 317.2° fol. 50r.

Der Hafen bezeichnet in Österreich und Teilen Bayerns eine Schale oder Schüssel aus Keramik. (Der Nachthafen ist ein Nachttopf.) Der Töpfer ist daher in diesen Regionen als Hafner oder Häfner bekannt.
Da Hafner die Kacheln früher Kachelöfen anfertigten und diese zuweilen gleich selbst installierten, konnte auch ein Ofenbauer oder -setzer als Hafner bezeichnet werden.

Ebenfalls aus Österreich und Bayern stammt der Weinzierl, der anderswo als Winzer, Wingerter, Wengerter, Weingärtner, Weinbauer oder Weinmann bekannt ist – also als jemand, der Weinbau betreibt und einen Weinberg oder Wingert besitzt.

Die Reihe wird (bei Gelegenheit ganz bestimmt irgendwann) fortgesetzt!

* Gibt es überhaupt noch Telefonbücher? Früher waren das gedruckte Verzeichnisse mit den Namen und Telefonnummern aller Einwohner eines Ortes.

Fundstücke KW 7

Dank Herrn Andreas Gut vom Alamannenmuseum Ellwangen hier noch einmal ein Link zum Thema „Kriegergrab von Bissingen„, dieses Mal mit tollen Bildern beim SWR.

Auf einer Seite des Klett-Verlags gibt es ein germanisches Langhaus als 3D-Modell oder Film zu sehen.

„Wer kauft schon die Katze im Sack?“ Ein Beitrag in der Zeit über Kultur- und Bildungsausgaben, deutschen Forschungsrückstand und die Beziehung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit – von 1962!

Das Freilichtmuseum Hessenpark gewährt seit September 2015 Gruppen von Geflüchteten mit ihren Betreuern freien Eintritt. Das haben diese Woche zahlreiche rechte Gruppierungen und EInzelpersonen zum Anlass genommen, die Facebook-Seite des Museums mit einem „Shitstorm“ zu überziehen und negative Bewertungen zu hinterlassen.
Der Betreiber hat seine Haltung wiederholt mit guten Argumenten begründet und will seine sehr begrüßens- und nachahmenswerte Politik auch künftig nicht ändern. Aktuellen Angaben zufolge haben seit Einführung der Eintrittsregelung 244 Personen (!) von dem Angebot Gebrauch gemacht.
Über den Fall berichten unter anderem die Frankfurter Rundschau und Der Spiegel.

Die Zeit schreibt über Firmenhistoriker. Es werden jedes Jahr mehr, aber noch ist der Markt auch im Wachstum begriffen. Für viele Absolventen mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Zeitgeschichte die einzige Hoffnung, mit ihrem Abschluss noch etwas anfangen zu können.
Freischaffende Mediävisten hingegen sind nach wie vor eine Seltenheit, und als einer von ihnen weiß ich auch, woran das liegt …

Die Wormser Zeitung berichtet über den Abschluss der Grabungen am Wormser Dom.

Auf ArchPhant erschien der zweite Teil von „Terra X und die Authentizität: Der Kelten neue Kleider“.

„Nur wer arbeitet kann auch essen“ – Interessanter neuer Beitrag zu Tiroler Bauern im Mittelalter auf vrouwen maere.

In der Zeitschrift „Bow International“ erschien diese Woche der erste Teil meines Beitrags „Female Archery through History“, der sich mit der Zeit von der Antike bis zur Renaissance befasst. Darin auch dieses schöne Bild:

Auf der Jagd nach wahrer Liebe: Diana im Le Livre des Echecs Amoureux (15. Jh.). Paris, BNF Français 143, fol. 116r.

Auf der Jagd nach wahrer Liebe: Diana im Le Livre des Echecs Amoureux (15. Jh.). Paris, BNF Français 143, fol. 116r.